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Passworthilfe

Ulf Dahlke: Aufstieg lohnt sich nicht

bbz 01-02 / 2019

Lehrer*innen in Teilzeit erhalten weniger Lohn, wenn sie Funktionsstellen übernehmen

von Ulf Dahlke

Nachdem meine Tochter geboren wurde, reduzierte ich meine Arbeitszeit um ein Viertel. So konnte ich sie besser betreuen und an ihrem Aufwachsen mehr Anteil nehmen. Das Einkommen reichte ja trotzdem.

Im Laufe der Jahre stellte sich die Frage, ob ich mich auf eine Fachleiterstelle bewerben sollte. Da ich meine »Familienzeit« nicht einschränken konnte und wollte, hätte ich die Mehrarbeit für diese Funktion durch eine weitere Stundenreduzierung ausgleichen müssen. »Kein Problem«, dachte ich, »ich verringere die Stundenzahl einfach so weit, dass ich dann samt neuer Entgeltgruppe genau so viel verdiene, wie zuvor.« Erst bei dem Versuch, dies zu berechnen, wurde mir klar, was für jede Teilzeitstelle unweigerlich gilt: Als Teilzeitarbeiter bekomme ich meine volle Mehrarbeit als Fachleiter nur teilweise vergütet, nämlich je nach Reduzierung nur mit drei Viertel oder gar weniger des Einkommenszuwachses, den die neue Eingruppierung bietet.

Von 31.000 in Berlin beschäftigten Lehrkräften arbeiten über 8.000 in Teilzeit, davon 6.700 Frauen.

Dieses Vergütungssystem beinhaltet demnach eine deutliche Diskriminierung vor allem der vielen Mütter, die wegen ihrer Kinder die Arbeit reduzieren. Sie dürfen sich zwar auf Funktionsstellen bewerben, müssten aber dann einen Teil der Arbeit für diese Stelle gratis leisten. Entscheiden sie sich – verständlicher Weise – gegen eine solche Ausbeutung, bedeutet dies ein Karrierehindernis. Diese Benachteiligung besteht – wie in meinem Fall – auch für Väter.

Ich finde, die Vergütung solcher Stellen sollte anders geregelt sein: Statt eines Aufstiegs in den Vergütungsgruppen könnte beispielsweise ein gleich hoher Festbetrag als Aufschlag bezahlt werden, der selbstverständlich dann auch den jeweils ausgehandelten Lohnerhöhungen unterliegen müsste. So ginge die Entscheidung, wegen eines Kindes die Arbeitszeit zu verringern, nicht auf Kosten der Karriere.

Vielleicht würde dann auch seltener aus beruflichen Gründen auf Kinder verzichtet.

Ulf Dahlke,Lehrer für Bautechnik und Sozialkunde an der Knobelsdorff-Schule