Mitgliederbereich

Passworthilfe

Autorin möchte anonym bleiben: Wir machen alles

bbz 01-02 / 2019

Die Belastung steigt und steigt. Eine Lehrerin schlägt Alarm

Ich bin Lehrerin an einer integrativen Gemeinschaftsschule im Bezirk Kreuzberg. Ich habe zur Zeit eine 8. Klasse als Klassenlehrerin. Schwierige Schüler*innen, mehrere Neuzugänge, die kaum Deutsch sprechen, sechs lernbehinderte Schüler*innen und einen Schüler mit dem Status emotionale und soziale Entwicklung. Neben meiner vollen Unterrichtsverpflichtung habe ich mit der Schulpsychologie, diversen Jugendämtern, 23 Eltern, Jahrgangskonferenzen, Gesamtkonferenzen, Fachkonferenzen, Hilfekonferenzen, Klassenkonferenzen, Regionalkonferenzen, Elternabenden, Elternsprechtagen, Klassenfahrten zu tun. Bestimmt habe ich nicht alles aufgezählt, aber es scheint mir so schon mehr als ausreichend, zeitlich weit mehr jedenfalls, als 40 Stunden Aufwand in der Woche.

Lächerlich: Für die Klassenlehrer*innen gibt es eine halbe Stunde Ermäßigung pro Woche! Wenn ich eine halbe Stunde pro Woche für meine Schüler*innen aufwendete, könnte ich alles, was ich oben aufgezählt habe, nicht erledigen.

Und: Kommt eine Neuerung von Seiten des Senats, zögern wir nicht, denn: Wir machen ALLES!

Die letzte Neuerung, die Verlängerung bzw. Neubeantragung von dem Förderstatus inkludierter Kinder.

Das erledigen wir dann jetzt auch noch. Für mich und meinen Kollegen hieß das in den vergangenen Wochen acht Anträge zu schreiben, diverse Klassen- und Hilfekonferenzen dafür durchführen, Organisation von Testungen der Kinder durch Sonderpädagog-*innen und dem SIBUZ (Schulpsychologisches und Inklusionspädagogisches Beratungs- und Unterstützungszentrum) organisieren, Elterngespräche ohne und mit dem SIBUZ führen.....

Kaum jemand von uns drückt sich vor Arbeit. So langsam sind wir an einem Punkt angelangt, von dem aus wir für alles Organisatorische, was mit unseren Klassen zu tun hat, so viel Zeit benötigen, dass wir unsere eigentliche Arbeit, das Unterrichten der Kinder, nur noch nebenbei erledigen können. Wir würden sonst krank. Unsere Unterrichtsvorbereitung müsste eigentlich mehrfach differenziert angelegt werden, bei sechs lernbehinderten und einigen nicht gut Deutsch sprechenden Schüler*innen kann sich jede*r vorstellen, dass man nicht allen dasselbe anbieten kann. Also eine drei- oder vierfache Differenzierung!

Statt die von der GEW geforderte Stundenreduzierung umzusetzen, kommt immer wieder was obendrauf. Wann sagen wir endlich nein? Und wem sagen wir das? Und hört uns überhaupt jemand? Und wir braven Beamt*innen (und Angestellten) machen ALLES, ohne zu murren! Aber ich schreie jetzt: Es reicht!

Autorin möchte anonym bleiben