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Hans-Wolfgang Nickel: Theateraufführung kritisch gesehen

bbz 03 / 2019

 

Gastspiel vom Deutschen Schauspielhaus aus Hamburg in der Volksbühne: „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq, als Solo perfekt und charmant gespielt von Edgar Selge. Die Welt ist ins Kreiseln geraten, Dinge purzeln durcheinander wie die Wertungen. Houellebecq malt den Islam als Bedrohung; die Sorbonne, die alt-ehrwürdige Pariser Universität mit ihrer langen Geschichte, wurde von Muslimen übernommen (Unterwerfung!) - ein Theater des Bangemachens und Aufrüstens, keines der Aufklärung und des Brückenbaus. Also nicht das, was wir brauchen (ab Sek II, nicht ohne eine intensive Disussion)

Aufbruch überrascht und begeistert in der JVA Plötzensee mit einem ungewöhnlichen, kraftvoll-eigenwilligen „Hamlet – frei nach William Shakespeare“, collagiert aus unterschiedlichen Hamlet-Bearbeitungen, durchsetzt und kommentiert mit wiederholten Shakespeare-Zitaten und bekannten Songs. Das rein männlich-jugendliche Ensemble spielt mit Lust und Präzision und erspielt der Inszenierung einen starken Eindruck. Ab Sek II

Wilder tänzerischer Wirbel bei „Cheer out loud!“ im Grips am Hansaplatz; es geht um Cheer-leading: ein kleiner Verein steigt ab, ist in finanziellen Schwierigkeiten, setzt auf integrative Arbeit in der Cheergroup als Finanzierungsquelle. Auf der Bühne eine Fülle von wirbelnden Gruppenszenen – kaum Möglichkeiten, Einzelpersonen und Einzelschicksale zu zeigen. Eine Ausnahme: Christian Giese als Vater und sorglicher ‚Platzwart‘ – mit einem Herz für die wirbelnden Youngster UND für Ordnung auf dem Platz. Realisiert wurde die Inszenierung in Zusammenarbeit mit dem Theater Thikwa; die Berliner Kinder- und Jugendtheaterszene ist kommunikativ, nicht konkurrativ. Dazu ein fröhliches, begeistert mitgehendes Publikum, das sich bereitwillig mitreißen lässt (ab 15).

Hans-Wolfgang Nickel