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Elke Gabriel und Sabine Pregizer: Glückskekse zum Frauentag

bbz 03 / 2019

Viele schöne Sprüche, wenig dahinter. Es gibt viel zu tun für Frau Scheeres

von Elke Gabriel und Sabine Pregizer

Wir freuen uns so auf den internationalen Frauentag! Er ist ja in aller Munde. In Berlin sogar ein Feiertag! Wir sind so aufgeregt und futtern Glückskekse. Wofür geht Frau Scheeres wohl am 8. März 2019 auf die Straße? Was schreibt sie auf ihr Transparent? »Weniger Unterricht für Lehrer*innen und Quereinsteiger*innen!«? »Mehr Geld für Erzieher*innen!«? »Zusätzliche Erzieher*innen an Grundschulen!«? Frau Scheeres ist Erzieherin, vollzeitbeschäftigte Mutter und Bildungssenatorin. Unterstützt sie uns Frauen an der Schule jetzt mehr? Jetzt, wo wir uns auf den Feiertag freuen dürfen? Arbeit mit Kindern in Kita und Schule ist absolut unterbezahlt, innerhalb der Familie sogar kostenlos. Ein hartes Brot. Der erste Glückskeks ist auch ziemlich hart. Auf dem Zettel steht:

»Das schafft ihr schon in den Schulen und mit den Kindern!«

Na prima! Toller und treffender Spruch für unsere Behörde! Davon kann sich kein*e Erzieher*in was kaufen! Die Senatsbildungsverwaltung hat es nicht geschafft! Die Auswertung der Dienstvereinbarung über die mittelbare pädagogische Arbeit für die Erzieher*innen liegt nicht vor. In den Schulen wurde niemand befragt. Seit einem Jahr schmort die Auswertung in der Schublade von Frau Scheeres. Fürsorge gegenüber den Beschäftigten war noch nie die starke Seite der Senatsbildungsverwaltung. An der Basis, dort wo die Arbeit der Erzieher*innen täglich stattfindet, erleben sie Lärm, Dreck, Minimöbel mit einer lebhaften, immer größeren Kinderschar. Sie würden bestimmt auch gerne in der schicken Kantine der Senatsbildungsverwaltung Pause machen. Aber denkste! Wir essen den nächsten Glückskeks:

»Gesundheitsprävention ist wichtig – treiben Sie Sport!«

Wunderbar! Da kommt uns sofort die Rahmen-Dienstvereinbarung über das Personalmanagement der Berliner Verwaltung in den Sinn. Seit Juli 2018 gilt diese Vereinbarung. Eine Stunde pro Woche können nun alle Beschäftigten in der Arbeitszeit Sport treiben. Dürfen jetzt alle eine Stunde bezahlt Yoga machen oder ruhig atmen? Ruhig bleiben ist sowieso ziemlich wichtig – denn ab August 2019 kommen noch mehr Kinder in die Gruppen! Die Koalition hat die kostenfreie Kinderbetreuung in der Grundschule für die ersten und zweiten Klassen möglich gemacht.

Gibt es dann mehr Erzieher*innen an den Schulen? Haben wir die Imagekampagne verpasst? Wurde dort vor allem für moderne, junge Männer geworben? »Erziehen statt kellnern«?
Gut gemeint sind schon mal die Maßnahmen im Frauenförderplan. Auch Erzieher*innen und Beschäftigte im Sekretariatsbereich mit einer Zweidrittelstelle bekommen einen freien Tag. Nächster Glückskeks – ratsch:

»Starten Sie durch in diesem Jahr – der Erfolg auf der Arbeit ist Ihnen sicher!

So viel Glück in diesem Jahr! Frau Scheeres unterstützt uns bestimmt beim Durchstarten mit Familie und Gedöns. Oder? Immerhin steht im aktuellen Frauenförderplan, dass die Besetzung von Führungskräften durch teilzeitbeschäftigte Frauen gefördert wird. Wie denn? Wo denn? Wann denn? Können zwee Chefin sein? Kriegen dann beede mehr Kohle? – Wow! Noch ein Glückskeks. Wie – keine sexistischen Sprüche auf dem Zettel? Ein Glücksfall? Hat da schon die Me-Too-Debatte reingemischt? Wo findet eigentlich die Diskussion in der Senatsbildungsverwaltung statt? Fortbildungen für Referats- und Schulleitungen? War nich – muss aber!

Da ist ja viel für Frau Scheeres zu tun, jetzt, wo der 8. März in Berlin Feiertag wird. Viele Frauengrüße – Frau sieht sich auf der Demo!

Aus Sicht der Autorinnen ist der Handlungsbedarf sehr groß. Darum haben die beiden auch in diesem Jahr einen offenen Brief an die Senatorin Scheeres geschrieben.