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Lilo Martens: Ein großer Erfolg für die Mehrsprachigkeit

bbz 03 / 2019

Yekmal e.V. feiert 25 Jahre Jubiläum und eröffnet die zweite Kita. Unsere Autorin gratuliert und interviewt zum Festakt Geschäftsführerin Günay Darici

von Lilo Martens

Sind eure beiden bilingualen deutsch-kurdischen Kitas wirklich die einzigen dieser Art in Europa?
Günay Darici: Das Konzept »eine Person – eine Sprache« ist sprachwissenschaftlich anerkannt und wird, soweit mir bekannt ist, derzeit in keiner anderen Kita als von Yekmal e. V. in dieser Konsequenz umgesetzt.

Müssen alle Mitarbeiter*innen gleichermaßen Deutsch und Kurdisch beherrschen?
Günay Darici: Sie sprechen entweder Deutsch oder Kurdisch. Dabei achten wir auf ein sehr gutes Sprachniveau, sowohl im Deutschen als auch im Kurdischen. Die Mitarbeiter*innen, die Muttersprache Kurdisch sprechen und eine pädagogische Ausbildung nicht hier, sondern in ihrem Heimatland haben, sollen mindestens das Sprachniveau B2 haben, dann dürfen sie als Quereinsteiger*innen für Kurdisch als Muttersprache arbeiten.

Wie viele Mitarbeiter*innen beschäftigt Yekmal mittlerweile?
Günay Darici: Yekmal hat inzwischen über 40 festangestellte Mitarbeiter*innen. Ungefähr die Hälfte der Mitarbeiter*innen arbeitet in den beiden bilingualen Kitas. Weitere Kolleg*innen arbeiteten in unserer Beratungsstelle »Geflüchtete beraten Geflüchtete«. Wir bieten berlinweit Rechtsberatung zum Asyl- und Aufenthaltsrecht an und betreiben eine der bezirklichen Sozialberatungsstellen in Friedrichshain-Kreuzberg. Daneben gibt es weitere Mitarbeiter*innen im Bereich der Elternbildung, Qualifizierung und der Ambulanten Hilfen zur Erziehung.

Frau Sigrid Klebba, Staatssekretärin für Jugend und Familie, und Vertreter *innen der Grünen und Linken gehörten zu den vielen Gratulant*innen bei eurer Jubiläumsfeier. Welche Unterstützung habt ihr von Seiten der Senatsverwaltung bislang erhalten und welche wünscht ihr euch für die Zukunft?
Günay Darici: Wir möchten Yekmal e.V. als Familienzentrum berlinweit ausbauen, dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung vom Land Berlin. Wir haben die Zusage der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, ab Februar 2019 in weiteren Berliner Grundschulen Kurdischunterricht durchführen zu können und diesmal mit der Unterstützung des Senats. Wir haben bereits viele Anmeldungen von Eltern für den Unterricht. Sobald eine Gruppe von zwölf Eltern Interesse zeigt, kann der Kurdischkurs begonnen werden. Das ist bereits in neun Berliner Schulen der Fall.

Unser großer Wunsch ist deshalb die Anerkennung von ausländischen Lehrer*innenabschlüssen und die Berufsanerkennung unserer Kolleg*innen, zum Beispiel die der hochqualifizierten Lehrkräfte aus der Türkei und Syrien. Wir möchten gerne erreichen, dass diese den Kolleg*innen mit einem Studium in Deutschland gleichgestellt werden.

Hat Yekmal neue Vorhaben ins Auge gefasst oder braucht ihr nach diesem Kraftakt erstmal eine Pause?
Günay Darici: Zusammen mit Katharina Brizi´c von der Universität Freiburg setzen wir eine soziolinguistische Studie um, im Rahmen derer Berliner*innen mit kurdischen Wurzeln zu Identität, Sprache und ihrem Leben in Deutschland befragt werden. Bisher haben wir mehr als 500 Fragebögen zurückerhalten und beginnen nun mit der Auswertung. Außerdem kooperieren wir mit der Universität Manchester, um verschiedene Dialekte der kurdischen Sprache zukünftig für online-Lernplattformen verfügbar zu machen. Yekmal wird im Sommer 2019 auch wieder Partner für das kurdische Filmfestival in Berlin sein.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute weiterhin.

RECHT AUF MUTTERSPRACHE
Im Jahr 2000 wurde von der UNESCO das Recht auf Muttersprache als kulturelles Menschenrecht usgerufen. Der 21. Februar soll weltweit als Tag der Muttersprache gefeiert werden mit dem Ziel, die Weltöffentlichkeit auf das langsame Schwinden der weltweit rund 6.000 Sprachen aufmerksam zu  machen. Die UNESCO sieht die sprachliche an die kulturelle Vielfalt gekoppelt. Diese Verbindung zu  würdigen und zu verteidigen dient nicht zuletzt dem sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft.