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Janina Bähre: Lasst sie unterrichten!

bbz 04 / 2019

In Berlin bietet der Quereinsteigenden-Master Geflüchteten eine Chance. Der Bedarf ist groß, die Möglichkeiten aber begrenzt. Ein Problem ist die Finanzierung

von Janina Bähre

Ein geflüchteter Kollege aus Bayern, wo die Situation noch schlimmer aussieht als in Sachsen, war neulich in Berlin, um bei der Anerkennungsstelle sein Glück zu versuchen. In Berlin entspräche sein Ein-Fach-Abschluss einem Bachelor. Hier wird das pädagogische einjährige Diplom, das in Sachsen nicht anerkannt wird, auf einmal zur Chance. Denn zusammen mit diesem hat man ein Ein-Fach-Diplom und die Möglichkeit zum bezahlten Quereinstieg an der Berliner Schule.

Mein Freund, der mit dem Fach Mathematik bereits die mündliche Zusage einer Neuköllner Gemeinschaftsschule hatte und dort dringend gebraucht wird, hat sein Diplom in Syrien erworben, musste es aber vor seiner Flucht im Ministerium zurücklassen. Wenn er jetzt Verwandte dorthin schicken würde, es abzuholen, müssten diese um ihr Leben fürchten. Nun bleibt ihm die Chance auf den Quereinsteigenden-Master (Q-Master), denn in Berlin gibt es die Möglichkeit, das zweite Fach innerhalb von vier Semestern zu studieren. Diese Möglichkeit gibt es an der HU und FU und an der TU für technische Lehramtsfächer. Als Kernproblem gilt hier die Finanzierung. Mein Freund ist über 35 Jahre alt, ohne Chance auf BAföG. Er wird sich den Master also nicht leisten können. Er hat es bei vielen Stiftungen versucht, aber auch die kümmern sich vor allem um junge Geflüchtete.

Zu alt für Unterstützung

Es wäre schön, wenn der Q-Master altersunabhängig gefördert werden könnte und Berlin in die Anpassung von ausländischen Abschlüssen investieren würde, denn auch eine 40-jährige Lehrkraft kann noch 25 Jahre unterrichten. So bleibt der Q-Master nur etwas für junge oder wohlhabende geflüchtete Lehrkräfte. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass das Q-Master-Programm weitergeführt wird. Da das unklar ist, bleibt den geflüchteten älteren Lehrkräften auch nicht die Möglichkeit, den Master in Teilzeit zu machen und nebenbei zu arbeiten. Das ist schade, denn die Schule in Neukölln hätte meinen Freund als Vertretungslehrkraft mit einer halben Stelle eingestellt und ihn die anderen zwei Tage studieren lassen. Ohne verlässliche Aussicht darauf, den Q-Master auch abschließen zu können, ist ihm das zu unsicher.

Übrigens gibt es auch in Berlin zu wenige Möglichkeiten, um auf das geforderte Niveau von C2 gebracht zu werden. Das ist in allen Bundesländern das gleiche Problem. Ich habe noch eine Gemeinsamkeit der Bundesländer gefunden: Überall leben geflüchtete Lehrkräfte, die ihren Traum, in Deutschland wieder unterrichten zu dürfen noch nicht aufgegeben haben. Lasst sie wieder unterrichten!