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Janina Bähre: Schmutzig ist nicht lustig

bbz 04 / 2019

Die mangelhafte Reinigung der Schulen geht nicht auf das Konto der Reinigungskräfte. Sie ist ein Ergebnis jahrelanger Sparpolitik der Senatsverwaltung und der bezirklichen Ausschreibungspraxis

von Janina Bähre

Nicht nur Lehrkräfte, Erzieher*innen und Schulhausmeister*innen ächzen unter steigender Arbeitsbelastung, sondern auch die Reinigungskräfte. Grund dafür ist zum Teil die Vergabepolitik. Bei den Ausschreibungsverfahren sind die Bezirke, die als Träger zuständig für den Unterhalt der Gebäude sind, gezwungen, unter den Bewerber*innen immer das günstigste Angebot zu nehmen, da der Preis das einzige gerichtsfeste Kriterium ist. So entsteht ein Dumpingwettbewerb, bei dem die Angebote viel zu knapp kalkuliert sind und es oft unrentabel wäre, würden die Firmen die vereinbarte Leistung tatsächlich erbringen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Sechs Stunden für bis zu sechs Gebäude mit 14 Toiletten, die nicht ausreichend sind für 600 Benutzer*innen im Ganztag. Das ist nicht machbar für das Reinigungspersonal, möchte es seine Arbeit gründlich erledigen. Wie bei den Hausmeister*innen ist auch bei der Reinigung zu beobachten, dass die Anzahl von Gebäuden und Flächen, die eine Reinigungskraft zu säubern hat, in den letzten Jahren gestiegen ist.

Oft machen Reinigungskräfte deshalb kostenlose Überstunden, da bei Beschwerden der Druck von oben nach unten weitergegeben wird. Manchmal helfen gar Familienangehörige mit, um das Pensum zu schaffen. Eigentlich müsste es klar sein, dass das vereinbarte Pensum nicht zu schaffen ist. »Aber die, die entscheiden,« so eine Putzkraft, »hatten in den wenigsten Fällen selbst einen Lappen in der Hand und können das gar nicht einschätzen, wie viel Aufwand für eine wirklich gründliche Reinigung nötig ist.«

Jedes Gebäude hat andere Anforderungen, weshalb die Reinigung jeder Schule einzeln ausgeschrieben wird. Was alle gemeinsam haben ist, dass die Zeit nie ausreicht, um die Schulen wirklich sauber zu halten. »Man muss wie ein Hund rennen, möchte man wenigstens Toiletten und Böden schaffen«, sagt eine Putzkraft. Vor allem, seitdem es die Ganztagsschulreform gibt, hat sich das leidige Thema Schultoiletten noch einmal verschärft. Meistens sind die Toiletten schon nach der ersten Pause in einem unzumutbaren Zustand, nach dem Schulschluss sind sie theoretisch nur noch in Schutzkleidung zu betreten. Da die Putzkräfte das Soll an Aufgaben gar nicht bewältigen können, müssen an vielen Schulen die Schüler*innen mit putzen. Ist die Klassenlehrkraft krank oder wird der Dienst vergessen, steigt die Belastung für Putzkräfte ungemein.

Reinigungskräfte verdienen mehr

Nicht umsonst beklagen die Eltern, Schüler*innen und das Schulpersonal schmutzige Fenster, Zwischentüren, Ecken und mehr. Hinzu kommt, dass Putzkräfte auch auf das Putzmittel oder die Reinigungsutensilien angewiesen sind, die die Putzfirmen zur Verfügung stellen. Kalkreiniger fehlt beim Toilettenputz, sowie auch die nötige Einwirkungszeit. Flure sollen teilweise mit Mini-Mobs geputzt werden. Manche Putzkräfte schaffen sich sogar eigene Putzutensilien an, um das Arbeitspensum überhaupt bewältigen zu können, ohne Armkrämpfe oder Sehnenentzündungen zu bekommen. Die momentan an vielen Schulen laufenden Baumaßnahmen verschärfen das Problem. Der Schmutz und Dreck, der hier anfällt, ist eine zusätzliche Belastung für das Personal, das schon unter »normalen« Bedingungen das Reinigungspensum kaum bewältigen kann.

Hilfreich wäre es, wenn auch Reinigungskräfte eigenständig entscheiden könnten, welche Putzmittel oder Utensilien für die jeweilige Schule notwendig sind und hierfür angemessene Pauschalen zur Verfügung hätten. Schön wäre auch, wenn sie tatsächlich im Ganztag den ganzen Tag zur Verfügung hätten, um Zwischenreinigungen durchführen zu können und auch die Zeit besäßen Fenster, Türen oder Fachräume angemessen zu reinigen. Gerade bei Letzteren kann der Geiz der Bezirke beziehungsweise des Senats nicht durch putzende Schüler*innen aufgefangen werden. Die Klassen wechseln je nach Belegung und oft sind sie nur für ihre Räume zuständig.

Außerdem ist es aus gewerkschaftlicher Perspektive wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Dumpingverträge mit den Reinigungsfirmen auch dazu führen, dass die, die sich bemühen, uns ein sauberes Arbeitsumfeld zu gewährleisten, nicht angemessen entlohnt werden. Sauberkeit lohnt sich, sie sollte uns auch etwas wert sein!

In vielen Bezirken gibt es Bestrebungen, die Schulreinigung wieder in die öffentliche Hand zu legen. Die Bezirksverordnetenversammlungen in Neukölln, Lichtenberg und Mitte haben zuletzt Beschlüsse gefasst, die von einem ergänzenden Reinigungsangebot in bezirklicher Trägerschaft bis hin zur kompletten Rückkehr der Schulreinigung in die Hände des Bezirks reichen. Der Weg bis zur Umsetzung ist leider noch lang.