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Ralf Schiweck im Interview: Gespräch mit einem Schulhausmeister

bbz 04 / 2019



Sie sind seit gut 20 Jahren als Schulhausmeister tätig. Wie hat sich Ihre Beschäftigungsposition in dieser Zeit verändert?
Weiß*: Mein persönlicher Arbeitsbereich ist mit der Vergrößerung des Schulgeländes erheblich größer geworden. Dadurch darf ich mehr arbeiten als früher. Auch die Zerstörungen durch Schüler*innen sind mehr geworden.

Welche Auswirkung hatte die Aufgabe Ihrer Dienstwohnung an der Schule?
Weiß: Für mich persönlich: mehr Erholung durch ruhigeren Schlaf. Der Nachteil für die Schule ist die höhere Gefahr durch Einbrüche beziehungsweise durch Graffiti.

Können bauliche Sanierungsmaßnahmen in der Weise durchgeführt werden wie Sie und die Schulleitung dies für notwendig halten?
Weiß: Leider nein.

Woran liegt dies und war es früher einmal anders?
Weiß: Zu wenig Bauleiter, dadurch mehr Arbeit für die, die noch da sind. Es werden Arbeiten an Ingenieurbüros gegeben, wodurch sich die Kommunikation erheblich reduziert hat.

Im Berliner Doppelhaushalt steigen die Investitionen auf rund 4,5 Milliarden Euro und die Neueinstellungen auf rund 5.300 neue Stellen. Ist dies in Ihrem Bereich zu spüren?
Weiß: Nein, viele dringende kleine bis mittlere Sanierungsarbeiten bleiben liegen, obwohl sie dringend notwendig wären. Man wartet bis es ein großes Problem wird.

Ich weiß, man spricht nicht gern über Kolleg*innen, aber ich habe Sie immer als sehr kompetenten Handwerker erlebt, vom Entkalken von Wasserhähnen, über Anbringen von Lampen, Zusammenbau von Möbeln bis zu Reparatur von Toiletten und vieles mehr. Haben Ihre neuen Kolleg*innen die gleiche Fachkompetenz?
Weiß: Heutzutage kann auch ein*e Friseur*in Schulhausmeister*in werden. Die Hauptsache ist, er*sie kann eine abgeschlossene Ausbildung in einem Handwerksbetrieb nachweisen.
Sie würden Ihr Auto ja auch nicht von einem*einer Friseur*in reparieren lassen.

Wenn Sie fünf der dringendsten Maßnahmen nennen könnten, auf deren Umsetzung Sie schon lange hoffen, welche wären dies?
Weiß: Zwei Springer einstellen, weil es immer mehr Ausfälle durch Krankheiten gibt. Diese resultieren aus der Mehrarbeit und der Doppelbelastung. Mehr Mitsprache bei Sanierungsarbeiten, schnellere Durchführung von Sanierungsarbeiten, mehr Aufsichten für die Pausen, zurück zur gesunden Ernährung. Schüler*innen kochen für Schüler*innen, auch an Grundschulen schon, damit die Kleinen schon lernen, dass Gemüse und Obst leckerer sind als Fastfood und dass kochen Spaß macht und kreativ ist.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Ralf Schiweck, Schulleiter i.R. und Mitglied der bbz-Redaktion

 

*Herr Weiß heißt eigentlich anders. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.

Dadurch, dass um 2000 eine EU-Richtlinie die Bereitschaftszeiten für Schulhausmeister*innen neu geregelt hat, wurden deren Bezüge erheblich reduziert und sie konnten sich die teuren Dienstwohnungen auf dem Schulgelände nicht mehr leisten.