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Janina Bähre: Multitalente mit schmalem Budget

bbz 04 / 2019

Die bbz hat mit den Schulhausmeister*innen über den Zustand ihrer Schulen gesprochen und sie nach Verbesserungsvorschlägen gefragt. Die Gespräche zeigen, dass die Politik schnell Abhilfe schaffen könnte

von Janina Bähre

Nun ist es bekanntlich kein Geheimnis, dass sich der Arbeitsumfang der einzelnen Hausmeister*innen durch Schulzusammenlegungen, Gebäudezuwachs und Ganztagsbetrieb vervielfacht hat. Die Antwort einiger Bezirke sind Hausmeisterassistent*innen, aber das kann nicht die Lösung sein. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse als Antwort auf wachsende Arbeitsaufgaben lehnen nicht nur einige Schulräte, sondern auch wir Lehrkräfte ab.

Sollte man nicht besser eine*n zweite*n Hausmeister*in einstellen oder zumindest wieder eine*n für jede Schule? Mitunter sind heute sieben oder acht Gebäude, inklusive Horte, Mensen und Turnhallen für über 800 Schüler*innen von einer*einem Hausmeister*in zu betreuen. Manche Schulen müssen ihren Einsatz aufstocken und im Winter, bei hohem Krankenstand, bekommen die »gesunden« Hausmeister*innen noch die Krankenvertretung für eine weitere Schule dazu. Und das, wo die Arbeit an der eigenen Schule kaum leistbar ist.

Außerdem fallen oft Aufgaben an, die eigentlich gar nicht ihre sind. So sind sie zwar nicht für das Grünzeug zuständig, unterstützen aber das unterbesetzte Grünflächenamt. Und wenn der Winterdienst ausfällt, dann muss Schnee geschippt und gestreut werden, denn die Unfallvermeidung gehört auch zu den Aufgaben von Hausmeister*innen.

Der Beruf ist anspruchsvoll

Für das Streichen von Klassenräumen sind eigentlich Maler*innenfirmen zuständig. »Haha. Aha«, denken da sicherlich viele von uns. Manchmal machen es die Hausmeister*innen freiwillig, denn auch einige von ihnen finden, dass es eine Zumutung ist, wenn Kinder und Lehrkräfte gemeinsam mit Eltern Malarbeiten durchführen. Das würde an keinem anderen Arbeitsplatz der Welt verlangt werden. Gott sei Dank hat sich unser Hausmeister wenigstens um Farben gekümmert. Hierfür musste er mit Schriftsätzen zum Amt. Sowieso brauchen Hausmeister*innen für alles, was sie machen wollen, irgendwelche Schreiben oder Zustimmungen. So ein Job ist anspruchsvoller als die meisten Lehrkräfte wissen. Hausmeister*innen müssen in vielen Schulen gleichzeitig Maler*innen, Gärtner*innen, Handwerker*innen, Winterdienst, Fahr- und Besorgungsdienst, Innenausstatter*innen, Sekretär*innen und vieles mehr sein. Auch der Postdienst ist Aufgabe von Hausmeister*innen. Wer kein Auto hat, muss Bahn fahren. Dienstwagen gibt es nicht. Dass es ihnen für die Ausstattung der Klassen- und Fachräume an Möbeln fehlt, ist auch nichts Neues. In meinem Klassenraum haben sich die Kinder durch Pfandflaschensammeln ihre Schränke verdient. Und das in einem reichen Land wie Deutschland.

An Schulen im Brennpunkt geht viel kaputt. Als Verlierer*innen der Gesellschaft haben diese Kinder oft Wut im Bauch und wir Lehrkräfte können im Ganztag nicht jede Ecke der Schule bewachen. Unser Bedarf an Einrichtungsgegenständen oder Möbeln ist dann höher. Ungleiches kann nicht gleichbehandelt werden und Schulen in Brennpunkten brauchen eben mehr, weil der Verschleiß größer ist. Außerdem sind wir Träger*innen der Inklusion und in Klassen mit bis zu neun Kindern mit Förderstatus und sechs Sprachanfänger*innen kann es schon mal knallen. Da ist man noch froh, wenn nur Möbel kaputtgehen. Manche Hausmeister*innen wünschen sich deshalb in prekären Bereichen, wo viel zerstört wird, Kameras, denn dann würde weniger kaputt gemacht werden oder das Verursacher*innen- Prinzip gelten.

Um alles müssen sie betteln

Es mangelt an allem, und wenn es mal etwas gibt, dann ist es nur das Letzte vom Letzen, oder wie eine Hausmeisterkollegin sagt, nur das, »was keiner mehr will«. Sie verzichtet freiwillig auf die Arbeitskleidung, da die auch nichts tauge. Dort wo es Möbel gibt, merken einige Hausmeister*innen an, fehlt es ihnen an Stauraum. Aus Geiz wurden hier und dort Keller gespart. Oder Kellerräume sind total zugestellt und die Hausmeister*innen dürfen ohne Zustimmung der Schulleitung nichts entsorgen.

Neben Vergrößerung von Schulen stemmen viele von ihnen die notwendigen vielfältigen Baumaßnahmen und Instandhaltungsarbeiten der vielen maroden Gebäude. Gerade die Instandhaltungsarbeiten können Hausmeister*innen in den Wahnsinn treiben, denn ihr Budget reicht häufig nur für Maßnahmen, die die Funktions- und Verkehrssicherheit der Gebäude gewährleisten. Ausgetauscht werden darf auch nur, was tatsächlich kaputt ist. »Abgeranzt oder völlig veraltet reicht da nicht als Begründung«, verrieten ein paar Hausmeister*innen der bbz.

Außerdem müsse man ständig warten. Es dauere teilweise ewig, bis eine Instandsetzung bewilligt werde oder fehlende Teile endlich ankommen. Für Grundsanierung sei kein Geld da, aber geizig seien die Ämter auch bei den Instandsetzungskosten. »Braucht ein*e Hausmeister*in etwas, müssen erst 1.000 Wege gelaufen werden. Überall beißt man ständig auf Granit, um alles muss man kämpfen. Wer nicht hartnäckig bleibt oder kreativ wird, bekommt die benötigten Dinge nicht«, klagt ein anderer Kollege. »Eigentlich bräuchten wir eigene Sekretär*innen, denn alles muss schriftlich beantragt werden«, äußert ein anderer. Wer eine Bausanierung zu betreuen hat, kann das Ganze auch mal nebenbei erledigen. Das heißt dann stundenlange zusätzliche Sitzungen sowie die Betreuung der Baustellen hinsichtlich des Unfallschutzes.

Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit wechselnden Firmen. Stets nimmt das Amt die Billigste. Konkret heißt das, dass Firmen, die seit 20 Jahren bestimmte Schulen betreuen und sich auskennen, die Verträge verlieren und die neuen Firmen durch die Hausmeister*innen zeitintensiv betreut werden müssen.

Prinzipiell nehmen sie es auch als belastend wahr, dass der Senat Jahrzehnte an der Schulsanierung gespart hat und nun versucht, alles auf einmal zu erledigen. Das funktioniert aber nicht, da die Berliner Firmen aufgrund maroder Schulgebäude und des Wohnungsproblems bis oben hin ausgelastet sind. Manchmal wird dann ewig gewartet, bis bestimmte Arbeiten tatsächlich abgeschlossen sind. Andere Arbeiten müssen erst aufwändig genehmigt werden, anstatt dass sie zusammen mit ohnehin anfallenden Arbeiten gleichzeitig erledigt werden.

Hausmeister*innen klagen, dass die Arbeit immer mehr wird, aber Überstunden verboten sind. Am meisten nervt es sie, nichts selbst entscheiden zu dürfen und dass das Budget von 500 Euro im Jahr für Kleinstreparaturen nicht ausreiche. Genau wie das Budget für Kleinkram, das bei etwa 300 Euro liegt. Legt man übrigens privat Geld aus, dauert es ewig, bis man es zurückbekommt.

Aufopferungsgeist allein reicht nicht

Glücklich können solche Schulen sein, wo Hausmeister*innen trotz all dieser Zustände immer noch Kampfgeist und Opferbereitschaft besitzen. Hausmeister*innen haben wenige Wünsche, aber deren Erfüllung ist notwendig. So wären Notebooks gut, wenn die Hausmeister*innen Schriftsätze verfassen oder Angebote einholen müssen. Von einem Dienstwagen träumen auch einige, schließlich sei es kein Spaß mit schwerem Material Bahn zu fahren. Eine neue Grundausstattung an Werkzeug in den Schulen wäre auch wichtig. Denn das, was die Vorgänger*innen hinterlassen »ist oft Schrott«, klagt ein gerade neu eingestellter Hausmeister.

Um schneller und besser arbeiten zu können, würde es Abhilfe schaffen, wenn Hausmeister*innen ein höheres Budget für Kleinstreparaturen bekämen und autarker handeln könnten. Also selbst Firmen engagieren zu können, statt immer erst zum Bezirksamt oder zur Schulleitung gehen zu müssen. Wie sonst will die Schulbauoffensive erfolgreich umgesetzt werden? Ohne Moos nichts los, ohne zusätzliche Einstellungen Schneckentempo.