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Pauline Daemgen: Weil es unsere Zukunft ist

bbz 04 / 2019

Immer mehr Schüler*innen schließen sich der Bewegung »Fridays for Future« an. Mit ihrem Kampf für den Klimaschutz wächst eine neue politische Generation heran

Pauline Daemgen, 16 Jahre alt und Mitorganisatorin von »Fridays for Future« Berlin

Ich will, dass ihr in Panik geratet. Ich will, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre. Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt.« Als ich dieses Zitat von Greta Thunberg zum ersten Mal hörte, dachte ich noch, es wäre übertrieben von Angst und Panik zu sprechen. Mittlerweile weiß ich, was Greta meint. Durch »Fridays for Future« habe ich gelernt, wie wichtig der Klimaschutz für mein Leben und das meiner zukünftigen Kinder ist. Dass momentan Menschen auf der anderen Seite der Welt sterben und um ihre Existenz kämpfen müssen, weil wir so schlecht mit unseren Ressourcen umgehen. Dass es so nicht weitergehen kann!

Durch »Fridays for Future« verstehen das immer mehr Jugendliche. Und mehr und mehr von ihnen gehen auf die Straße, um die Botschaft zu teilen und für ihre Zukunft zu kämpfen. Denn eine andere Möglichkeit haben wir nicht. Dies ist unsere einzige Stimme. Und wir nutzen sie.

Es reicht nicht, uns im Geographieunterricht vom Treibhauseffekt zu erzählen. Durch die Streiks habe ich in den letzten Monaten unfassbar viel gelernt. Über den Klimawandel, über die Politik und über menschliches Miteinander. Ich weiß jetzt, wie ich mich für meine Meinung, Interessen und Rechte einsetzen kann, was mir in der Schule so niemals hätte beigebracht werden können. Bei »Fridays for Future« lernt man aus den Erfahrungen der Anderen und macht selbst ständig neue.

Die Schulpflicht ist wichtig. Ich persönlich stecke gerade mitten in meinen MSA-Prüfungen, doch auch mit drei Fehlstunden pro Freitag schaffe ich das alles.

Ich habe meine Prioritäten gesetzt. Wie so viele andere. Und wenn ich die drei Fehlstunden dann in meiner Freizeit nachholen muss, dann ist das so. Es ist allerdings nicht fair, uns dann zu sagen, wir würden kein persönliches Opfer bringen. Wir im Organisationsteam stecken so viel Zeit, Arbeit und Leidenschaft in diese Streiks. Jeden Dienstag organisieren alle, die helfen wollen, ein zweistündiges Plenum. Niemand wird ausgeschlossen. Alle, die Lust haben, dürfen dazukommen und sich einem oder mehreren Arbeitsbereichen anschließen. Dort entstehen dann immer wieder neue Gruppen, in denen geplant, organisiert und diskutiert wird. Man kann sich mit Gleichgesinnten austauschen, fühlt sich sofort willkommen und merkt, wie sich die eigenen Ideen durch Teamwork umsetzen lassen.

Meine erste »Fridays for Future«-Gruppe war die der Schulverantwortlichen. Wir sind dafür zuständig, unsere Schule über den Klimawandel und »Fridays for Future« zu informieren und unsere Mitschülerinnen und Mitschüler zu mobilisieren. Mittlerweile sehe ich kaum noch einen Chat auf meinem Handy, der nicht mit einem »Fridays for Future«-Logo gekennzeichnet ist.

Natürlich ist das viel Arbeit und unzählige Menschen fragen nach dem Warum. »Warum macht ihr das?« und »Warum ausgerechnet in der Schulzeit?« Ganz einfach: Weil es unsere Zukunft ist und wir noch nicht aufgegeben haben. Wir können nicht aufgeben! Die Schulpflicht ist das einzige Druckmittel, das wir haben, da wir nicht einmal wählen dürfen. Genau deshalb nutzen wir dieses Mittel so gut wir können.

Denn wir glauben, dass es noch nicht zu spät ist um etwas zu verändern!