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Jana Haase und Ute Heller: Das Herz jeder Schule

bbz 05 / 2019

Schulbibliotheken bieten enormes Potenzial für Berliner Schulen. Leider hat die Politik es bisher versäumt, sie personell und finanziell zu unterstützen

von Jana Haase und Ute Heller

Farbe, Luft und Licht, Sitzsäcke, Sofas, Kuschelecken. Bunt und variabel ist sie, die Schulbibliothek 4.0. Hier gibt es Bücher, digitale Medien und noch viel mehr. Flexible Raumkonzepte ermöglichen sowohl individualisiertes als auch gemeinsames Arbeiten in entspannter Atmosphäre, medienpädagogisch ausgebildetes Personal unterstützt dabei, Fakten und Fakes zu unterscheiden. Kontakte knüpfen, Informationen recherchieren, Quellen bewerten, das alles ermöglicht die Schulbibliothek 4.0. 

Niedrigschwellig sind diese Bibliotheken, einladend und inklusiv. Schulbibliotheken bieten Aktionsraum für Lesepat*innen und Lerntandems, laden Eltern und Kinder zum Bilderbuchkino ein und unterstützen die Lehrkräfte bei der Arbeit mit Lernplattformen und bei der Erstellung und Publikation von Open Educational Resources.

Was meinen Sie: Fakt oder Fake? Fake? – Nein, in der Koalitionsvereinbarung der rot-rot-grünen Berliner Regierungskoalition heißt es: »Bestand und Betrieb von Schulbibliotheken werden durch ausreichende Finanzierung und ein tragbares Personalkonzept abgesichert und erweitert sowie die Einrichtung einer gemeinsamen IT-Lösung gefördert.« Also bald Fakt? Noch nicht, im Doppelhaushalt 2018/19 wurden Schulbibliotheken nicht berücksichtigt; die Koalition hat also nur noch die Chance, im nächsten Haushalt 2020/21 ihr Versprechen einzulösen.

Dabei bietet gerade die Verknüpfung von Koalitionsvereinbarung und Digitalpakt die Möglichkeit, in Berlin flächendeckend moderne Schulbibliotheken aufzubauen und so für Medienkompetenz nicht nur bei allen Schüler*innen, sondern auch bei Lehrkräften zu sorgen. So sieht es auch die Koalition. Der damalige Staatssekretär für Bildung, Mark Rackles, sagte auf dem Bibliothekartag 2018 zu, dass Berlin Gelder aus dem Digitalpakt auch für die Grundausstattung von Schulbibliotheken verwenden werde.

Und Berlin wäre in der Lage, diese Pläne schnell umzusetzen, denn schon jetzt haben über 60 Prozent der öffentlichen Schulen Berlins eine Schulbibliothek. Entstanden sind diese aus der Initiative von Eltern, Lehrkräften oder Schulleitungen, die erkannt haben, welche Bereicherung für das Lernen und das Schulleben von diesem Ort ausgeht. Deren Know-How bietet eine gute Basis, um die anstehenden Herausforderungen nachhaltig zu bewältigen.

Bibliothekar*innen kennen sich auch mit digitalen Medien aus

Zusammengeschlossen sind viele dieser Bibliotheken in der AGSBB e.V., einer Arbeitsgemeinschaft, die die vorhandenen Kompetenzen bündelt, für Erfahrungsaustausch zwischen den Bibliotheken sorgt und die Arbeit der Schulbibliotheken öffentlich sichtbar macht. Gerade hat die Mitgliederversammlung der AGSBB e.V. das Selbstverständnis ihrer Arbeit zusammengefasst. Schulbibliotheken sind pädagogische »Werkstätten«, die dazu beitragen, den Digitalisierungsprozess zu lenken. Fest in die schulischen Strukturen integriert, bilden sie das Herz jeder Schule.

Die Expert*innen, die dort häufig schon lange tätig sind, sind versiert in der Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz. Sie kennen sich mit Recherche und Urheberrecht aus, sie sind in der Lage, analoge und digitale Medien bereit zu stellen und bei deren kompetenter Nutzung zu unterstützen. Medien sind dann nicht einfach irgendwo abgestellt oder auf einem Serverplatz versteckt, sondern sie bekommen einen Ort in der Schule. So erhält die Schulgemeinschaft einen handlungsoffenen Begegnungsraum, dessen niedrigschwelliger Zugang für inklusive Nutzung prädestiniert ist. Schulbibliotheken ermöglichen so allen selbstbestimmtes Lernen.

Leider hat die Politik es bisher versäumt, diese Strukturen personell und finanziell zu unterstützen. So leisten zurzeit vor allem Frauen, meist unter- oder unbezahlt, diese wertvolle pädagogische Arbeit. Die AGSBB zeigt dagegen, wie die Umsetzung eines berlinweiten schulbibliothekarischen Konzepts dennoch in kurzer Zeit möglich ist. Dafür muss vor allem eine Infrastruktur bezirklicher Kompetenzzentren, die die lokalen Schulbibliotheken fachlich unterstützen, geschaffen werden. Liebe Verantwortliche, halten Sie Wort, schaffen Sie Fakten für die Schulbibliothek 4.0!