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Hans-Wolfgang Nickel: Theateraufführung kritisch gesehen

bbz 07-08 / 2019



»Die Lücke im Bauzaun«, eine Uraufführung im Grips, Hansaplatz; bemerkenswert die Vorgeschichte dieser Premiere: zunächst ein Grips-Erfolgsstück (»Balle, Malle, Hupe und Artur«; Premiere 1971), dann mit Erfolg in Griechenland gespielt von der griechischen »Manufaktur des Lachens«, jetzt von dem griechischen Übersetzer wiederum ins Deutsche übersetzt und in Berlin neu bearbeitet zusammen mit einem iranischen Kollegen. Auf der Bühne eine Überraschung: kein »Bauzaun« und keine »Lücke«, sondern eine Mietshauswand (ab und an öffnet sich ein Fenster und eine Alte/ ein Alter schimpfen über den Kinderlärm), nahebei eine Baustelle, bewacht vom Wachschutz, zwei übel gelaunten, untereinander verstrittenen Kollegen. Geraune über »Banken« und deren Spekulationen (nicht Sparkasse, nicht Volksbank), die mit dem Grundstück zu tun haben: keine Aufklärung über wirtschaftliche Zusammenhänge und Hintergründe. Auf der Baustelle trifft sich eine »Kinderbande«, vier muntere, einfallsreiche, spielfreudige Kinder – die Konstruktion also verdächtig nahe am Agit-prop: auf der einen Seite alles morsch und böse, auf der anderen alles fröhlich, frisch und gut. Keine Begegnung der beiden Seiten, kein Gespräch, keine Auseinandersetzung, keine Suche nach einer gemeinsamen Wahrheit. Immerhin erspielt das spielfreudige Quartett der »Kinderbande«, virtuos inszeniert, der Aufführung einen rauschenden Erfolg.

Der Circus Sonnenstich wurde vor gut zwanzig Jahren als Nachwuchstrainingsgruppe vom Theater RAMBAZAMBA ins Leben gerufen. Unter der Leitung von Michael Pigl-Andrees und Anna-Katharina Andrees ist er seit längerem selbständig geworden und inzwischen mit dem Schwerpunkt Inklusion auch in der Weiterbildung tätig durch seine IN.CIRQUE-Weiterbildungsprogramme. Der Kultur-Senator sollte zugreifen und durch eine personelle Aufstockung ein Berliner »Inklusions-Forschungs- und Lehrinstitut« ermöglichen.
Hans-Wolfgang Nickel