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Doreen Siebernik und Tom Erdmann: Weiß ich meine Antwort schon, gründ‘ ich eine Kommission

bbz 09 / 2019

Selten verlief der Start eines Schuljahres so holprig wie dieses Jahr. Das liegt auch am Unwillen der Bildungssenatorin zur Transparenz

von Doreen Siebernik und Tom Erdmann, Vorsitzende der GEW BERLIN

Man hätte nach der Pressekonferenz von Sandra Scheeres zum Schuljahresauftakt glauben können, das Schuljahr starte ohne größere Probleme. An einen Anteil von Quer- und Seiteneinsteiger*innen von über 50 Prozent unter den neu eingestellten Lehrkräften hat sich die Öffentlichkeit inzwischen fast gewöhnt, irgendwie konnten alle offenen Stellen besetzt werden und der Schulplatzausbau geht laut »jüngster Modellrechnung« gut voran. 45.000 Schulplätze werden in den nächsten sechs Jahren errichtet.

Ganztägiges Lernen kommt im Denken der Bildungsverwaltung kaum vor – und somit auch keine Probleme. Zumindest nicht, wenn es über das Feiern des kostenlosen Schulessens hinausgehen soll.

Während die Senatorin sich in Schönrederei übte, meldeten die GEW-Personalräte etliche Komplikationen: Dutzende offene Stellen, viele über die Sommerferien nicht gereinigte Schulen und jede Menge offene Fragen bei der Umsetzung des kostenlosen Mittagessens an Grundschulen. Das neue Schuljahr war noch keine 24 Stunden alt, da platzte die Blase. Oh weh, bis zu 25.000 Schulplätze werden in den kommenden zwei Jahren fehlen. Was für ein Desaster! Zwar konnte die Zahl inzwischen durch ein verändertes Rechenmodell auf knapp 10.000 reduziert werden, doch beruhigen tut uns das nicht.

Welch ein Spektakel! Die Senatorin reagierte wie üblich und wies jede Verantwortung von sich. Sie nahm lieber die Bezirke in die Pflicht. Statt sich an die Bewältigung dieser Bildungskrise zu machen, zauberte sie den Bildungsexperten Olaf Köller aus dem Futter. Er soll eine eilig eingerichtete Qualitätskommission anführen und der Stadt verkünden, wie Scheeres’ Maßnahmen zur Verbesserung der Berliner Schulqualität umgesetzt werden könnten.

Professor Köller soll mit »externer Expertise« auf die Probleme der Berliner Schule schauen. Die eigene reicht der Bildungsverwaltung offenbar nicht. Schade. Doch was nützt der Blick von außen, wenn die Kommission nur zur Verkündung bereits vorformulierter Maßnahmen da sein soll? Diese 39 Maßnahmen hat die Verwaltung oberlehrerhaft vorgelegt. »Schule zusammen weiterentwickeln« lautet die Überschrift des Pakets. Zusammen war hier schon mal gar nichts! Der Blick derer, die an Schule direkt beteiligt sind, fehlt völlig. Lehrkräfte, Sozialpädagog*innen, Erzieher*innen, Schüler*innen, Beschäftigtenvertretung – alle waren von den 39 Thesen überrascht, die Scheeres im Februar ans Schultor genagelt hat. Konsens sind diese Maßnahmen keineswegs. Wir haben bereits im Februar deutlich gemacht, dass die Senatsverwaltung nicht die richtigen Prioritäten setzt. Ohne bessere Arbeitsbedingungen für die Berliner Pädagog*innen lässt sich die Qualität in unseren Schulen nicht anheben! Die GEW BERLIN will sich einbringen, jedoch muss das Ziel klar sein: Es darf nicht weiter auf dem Rücken der Kolleg*innen ausgetragen werden.

Die Einsetzung von Professor Köller ist eher ein Beratervertrag – und davon haben wir in diesem Land genügend. Eine Kommission, die selbst nach eigener Aussage erst in einigen Jahren brauchbare Ergebnisse produziert, kann nicht die Antwort auf die dringenden Probleme in der Berliner Bildung sein.