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Interview: Jeanette Goddar: Solidarität ist wichtig

bbz 10 / 2019

Vom 11. bis 21. November machen GEW-Aktive in allen Bundesländern mobil, um A 13/ E13 als Eingangsbesoldung für alle Lehrkräfte zu erreichen. Bundesweit sieht die Lage sehr unterschiedlich aus. Wir blicken über unseren Tellerrand mit Frauke Gützkow, Leiterin des Vorstandsbereichs Frauenpolitik beim GEW-Hauptvorstand

Interview: Jeanette Goddar

Bereits zum vierten Mal ruft die GEW zu einem JA-13-Aktionszeitraum auf. Was wurde bisher erreicht?
Gützkow: Einiges. Für Grundschullehrkräfte ist A 13 oder E 13 in Berlin, Brandenburg und Sachsen umgesetzt. In Bremen und Schleswig-Holstein wurden Stufenpläne vereinbart; in all diesen Ländern ging es auch um diejenigen Lehrkräfte an Schulen der Sekundarstufe I, die noch nach A 12 / E 11 bezahlt wurden. In Thüringen werden ab 2020 Regelschullehrkräfte, also die dortigen Lehrkräfte an Sekundarschulen, in A 13 eingruppiert. In zwei Ländern – Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg – laufen Gespräche mit den Landesregierungen zur Anhebung der Besoldung.

Bedeutet das, es ist mit einem weiteren Domino-Effekt zu rechnen – nach dem Motto »Die anderen werden folgen müssen«?
Gützkow: Leider nein. Insbesondere in den fünf großen Ländern – Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – hat sich noch nicht viel getan. Hier Druck aufzubauen, ist das Hauptziel der diesjährigen Aktionen.

Woran hakt es?
Gützkow: An großem und konzertiertem Beharrungsvermögen der politisch Verantwortlichen. Von Personalrät*innen hören wir, dass es Absprachen der Kultusminister*innen in diesen Ländern geben soll, sich nicht in Richtung A13/E13 zu bewegen. Sie meinen anscheinend, dass der Handlungsdruck nicht so groß ist wie in kleinen oder von Abwanderung betroffenen Ländern.

Eine Abwanderung in besser bezahlende benachbarte Länder gibt es nicht?
Gützkow: Jedenfalls noch nicht in einem Ausmaß. Die Höhergruppierung hat durchaus Einfluss darauf, wo Lehrkräfte arbeiten wollen und wo nicht. Die GEW Bremen – wo A 13 erst im Frühjahr vereinbart wurde – stellt bereits fest, dass weniger Lehrkräfte einen Antrag auf einen Wechsel nach Niedersachsen stellen. Aus Sachsen hören wir, dass wieder mehr ausgebildete Lehrkräfte eingestellt werden können.

Auch Sekundarschullehrkräfte erhalten in einigen Ländern noch A 12/E 11. Stehen auch diese im Fokus der Aktionen?
Gützkow: Selbstverständlich. Und auch für diese wurden, zuletzt in Thüringen, Erfolge erzielt. Dass das Land Niedersachsen, das sowohl Grundschul- als auch Sek I –Lehrkräfte noch nach A 12 besoldet, nun allen eine Zulage zahlt, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Lage in der Sekundarstufe I ist sehr heterogen: In Bayern etwa sind Hauptschullehrkräfte in A 12 eingestuft, Realschullehrkräfte in A 13. Vier der fünf großen Länder (alle außer Hessen) haben erheblichen Handlungsbedarf.

In Berlin ist E13 beziehungsweise A13 für Grundschullehrkräfte inzwischen umgesetzt. Warum sollten unsere Mitglieder aktiv bleiben?
Gützkow: Erstens: Um ihren Erfolg zu feiern! Das ist tatsächlich ein wichtiger Appell: Wenn ihr Erfolge erzielt habt, sprecht darüber, dass und was das für ein langer Weg war und was ihr erreicht habt. Denn wie schnell kommen Kolleg*innen neu an die Schulen und meinen, es hätte schon immer E13 gegeben? Insofern ist wichtig, immer wieder deutlich zu machen, was Gewerkschaften leisten – und wie sinnvoll es ist, sich zu engagieren. Zweitens war die GEW natürlich bisher so erfolgreich, weil die Verbände in allen Bundesländern JA 13 beackern. Solidarität ist wichtig.

Zum Weiterlesen: www.gew.de/ja13