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Hans-Wolfgang Nickel: Theateraufführung kritisch gesehen

bbz 11 / 2019



»Des Kaisers neue Kleider« im Atze-Musiktheater, die erwachsenen Besucher*innen hellauf begeistert von dem überdrehten Hofzeremoniell und seinen spinnerten (sprachlich ausgefeilten) Variationen; die zuschauenden Kinder (angeboten wird die Aufführung ab fünf!) können damit wenig anfangen, freuen sich aber an dem quirligen Durcheinander auf der Bühne. Da tummeln sich »zwei Betrüger« (Andersen), die Kleider herstellen mit der »wunderbaren Eigenschaft… für jeden Menschen unsichtbar, der nicht für sein Amt tauge oder … dumm sei« (Andersen); niemand sah etwas, alle aber dachten, wie letztlich auch der Kaiser: »das muss man sich nicht merken lassen« und »so ging der Kaiser unter dem prächtigen Thronhimmel …«. »Aber er hat ja gar nichts an!« sagte endlich ein kleines Kind und »rief zuletzt das ganze Volk«. Freilich: der eigentliche Sinn dieses politischen Märchens: Entstehung, Ausbreitung und Zusammenbruch einer sozialen Fiktion ist noch zu entdecken.

Die Theatermacher im Kreativhaus präsentieren »Die Gaukler« nach Michael Ende in einer Werkschau. Die Gaukler, ein munteres Völkchen, spielfreudig und kommunikativ, phantasievoll ausstaffiert, sollen ihren Zeltplatz verlieren; der benachbarte Chemiekonzern braucht Platz für seine Erweiterung. Da stoßen zwei Welten aufeinander. Also sehen wir auch die Firmenchefs: diszipliniert, im Anzug und im Gleichschritt, ohne Kommunikation automatisch reagierend in perfektem Gleichmaß. Jetzt gehen die Theatermacher nach den Erfahrungen der Werkschau wieder an ihre Inszenierungsarbeit – bis zur eigentlichen Premiere. Für das begeisterte Publikum der Werkschau schwer zu verstehen; was soll da noch besser werden?
Hans-Wolfgang Nickel