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Zilan, 13 Jahre: Armut hat viele Folgen

bbz 11 / 2019

Kinder kommen hungrig zur Schule, nehmen nicht an Ausflügen teil, haben schlechtere Chancen auf gute Abschlüsse. Schüler*innen einer 8. Klasse stellen im Rahmen eines Schulprojektes fest, dass es besonders die Rechte von armen Kindern sind, die verletzt werden

von Zilan, 13 Jahre

Wir sind Schüler*innen der Klasse 8b der Gemeinschaftsschule Campus Efeuweg. Im Rahmen unseres Schulprojektes »Kinder haben Rechte« haben wir den Kinderschutzbund Berlin besucht und über Kinderrechte und Kinderarmut gesprochen.

Auch wir und unsere Lehrerin haben viel Erfahrung damit, wie Armut im Schulalltag aussieht. Viele Kinder kommen hungrig zur Schule. Auch das Mittagessen in der Grundschule löst das Frühstücksproblem nicht und auch nicht die Versorgung der Schüler*innen an den Sekundarschulen. Zu Ausflügen, Geburtstagen und Klassenfahrten sind viele Kinder oft krank oder sagen, dass sie nicht mitwollen, weil die Eltern kein Geld dafür haben. Es gibt auch immer mehr Kinder und Jugendliche, die kein Dach über dem Kopf haben. Wir haben von Familien gehört, die eine Zeit lang in Parks oder im Auto leben mussten. Oder wir kennen Familien, die schon in drei verschiedenen Obdachlosenheimen gelebt haben und immer noch kein Dach über dem Kopf haben. Wir kennen auch viele Familien, die kurz davor stehen, ihre Wohnung zu verlieren. Eigentlich suchen fast alle, die wir kennen, gerade nach einer Wohnung, die sie bezahlen können.

Viele Kinder können keine Freund*innen einladen, weil es keinen Platz zu Hause gibt. In einer Wohnung wohnen so viele, dass es auch zu mehr Streit und Gewalt kommt. Die Mitarbeiter*innen vom Kinderschutzbund sagen, es gibt keine verlässlichen Zahlen über Gewalt in Familien. Viele Eltern haben Angst, die Kinder zu verlieren und bemühen sich, dass niemand ihre Situation bemerkt. Beim Kinderschutzbund können sich Kinder und Eltern bei schwierigen Situationen beraten lassen. Es gibt auch immer mehr obdachlose Kinder, die bei Freund*innen schlafen müssen oder anderweitig unterkommen.

Der Träger Offroad-Kids hat uns erzählt, dass der Trend auch zunimmt, dass Kinder mit ihrem 18. Geburtstag vor die Tür gesetzt werden, obwohl sie noch nicht fertig mit der Schule oder Ausbildung sind.

Eine Sache haben laut Kinderschutzbund und unserer Erfahrung nach alle armen Eltern und Kinder gemeinsam: Sie schämen sich in Armut zu leben, können nicht richtig am gesellschaftlichen Leben teilhaben und haben oft auch gesundheitliche Probleme, wie zum Beispiel Depressionen. Arme Kinder leiden besonders daran, dass Kinderrechte nicht wirklich umgesetzt werden. Denn wie wir auch gelernt haben, haben sie viel schlechtere Chancen auf gute Abschlüsse. Armut vererbt sich dann.

Reichtum gerecht verteilen

Die Zahl armer oder von Armut bedrohter Kinder steigt in Deutschland seit Jahren. Momentan gilt mindestens jedes fünfte Kind als arm. Das hat uns geschockt, da Deutschland doch ein reiches Land ist. Deshalb war es für uns schwer zu verstehen, warum ausgerechnet Kinder hier in Armut leben müssen. Der Kinderschutzbund meint, dass auch die Erhöhung von Unterstützungsleistungen für Kinder wie das Kindergeld oder der Regelsatz der Kindergrundsicherung nicht ausreichen, um Armut wirklich zu bekämpfen. Vor allem wurde uns vorgerechnet, dass Kinder abhängig vom Einkommen der Eltern sehr ungerecht finanziell gefördert werden.

Wir fanden die Idee einer Kindergrundsicherung sehr gut. Der Kinderschutzbund schlägt 408 Euro für Sachmittel plus 220 Euro für Bildung, Betreuung und Erziehung vor, solange die nicht eh kostenlos ist. Aktuell beträgt die Höhe des Existenzminimums 628 Euro monatlich. Mit einer entsprechenden bedingungslosen Kindergrundsicherung würden alle Kinder das Gleiche erhalten. Aber arme Kinder dürfen nicht ohne ihre armen Eltern gedacht werden. Niemand sollte sich mehr schämen müssen. Deshalb würden wir ein bedingungsloses Grundeinkommen für Eltern gut finden.

Von unserem Besuch beim Kinderschutzbund sind wir mit vielen neuen Ideen zurückgekommen. Wir werden uns weiter damit beschäftigen. Nicht zuletzt mit der Forderung, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern.