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Presseerklärungen der GEW BERLIN 2019

An Kindern und Erzieher*innen vorbeigeplant

Das Gute-Kita-Gesetz wird die Qualität und die Arbeitsbedingungen in den Berliner Kitas nicht verbessern. Zu diesem Schluss kommt die GEW BERLIN anlässlich der morgigen Vorstellung des „Gute-Kita-Gesetzes“ durch Bildungssenatorin Sandra Scheeres.

Das Gute-Kita-Gesetz von Frau Scheeres wird unserem Anspruch an ein Kita-Qualitätsgesetz nicht gerecht. Was wir sehen, hat kein Konzept und ist nur Stückwerk“, erklärte Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW BERLIN. „Wir fordern bundeseinheitliche Standards für die Kindertagesbetreuung und eine nachhaltige Entwicklung der Qualität. Wirklich qualitätssteigernd wäre eine Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation. Die Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeitszeit müssen ausreichend berücksichtigt werden. Schon mit Ausbildungsbeginn muss die Attraktivität des Berufs der Erzieher*in gesteigert werden und im Berufsalltag müssen endlich gute Arbeitsbedingungen geschaffen werden“, forderte Siebernik.

Um die 239 Millionen Euro, die dem Land Berlin aus dem Gute-Kita-Gesetz zustehen, zielgerichtet einsetzen zu können, hatte die GEW BERLIN frühzeitig um einen Dialog mit Kitaträgern, Eltern, Pädagog*innen und Politik gebeten. Dem kam die Bildungsverwaltung jedoch nicht nach. „Senatorin Scheeres verzichtete auf unsere Expertise, obwohl wir uns seit Jahren für ein Kita-Qualitätsgesetz stark gemacht haben“, kritisierte Siebernik.

Berlin fehlen tausende Erzieher*innen. Die Maßnahmen von Frau Scheeres taugen jedoch nicht dazu, daran etwas zu ändern. Statt die Ausbildung zur Erzieher*in zu bezahlen oder die Arbeit in den besonders schwierigen Kiezen mit Sozialarbeiter*innen zu unterstützen, fehlt es den von der Bildungssenatorin geplanten Maßnahmen an Weitblick, um die Kitas zu entwickeln und nachhaltig zu stabilisieren“, so die GEW-Vorsitzende.

Dem Vorhaben, eine „Brennpunktzulage“ für Kitas zu zahlen, steht die GEW BERLIN sehr skeptisch gegenüber. „Schon an den Schulen hat die Zulage nicht funktioniert. Unter den Erzieher*innen profitiert nur ein kleiner Teil, andere werden am Ende sogar mit weniger Geld dastehen als zuvor“, kritisierte Christiane Weißhoff, Leiterin des Vorstandsbereichs Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit der GEW BERLIN. Wenn die Einrichtung den Brennpunktstatus verliert oder sich ein*e Erzieher*in zum Jobwechsel entscheidet, erfolgte eine Herabgruppierung. Dies kann zu einem realen Einkommensverlust führen. Es ist auch ungewiss, was die Kriterien sind, um als „Brennpunkt-Kita“ durchzugehen und wie die Zulage an die Beschäftigten bei freien Trägern gelangen soll. „Diese Maßnahme dient nicht der Verbesserung der Rahmenbedingungen vor Ort“, so Weißhoff.

Die Kita-Expertin wies abschließend auch auf positive Ansätze des Gute-Kita-Gesetzes hin: Der Quereinstieg wird gestärkt, in dem das System der Anleitungsstunden auf weitere Zielgruppen ausgedehnt wird und Personen in der berufsbegleitenden Ausbildung zusätzlich zu den bisherigen Anleitungsstunden noch Vor- und Nachbereitungszeiten finanziert bekommen. Die GEW BERLIN begrüßt außerdem den Aufbau von Fachberatungen und eines strukturierten Qualitäts-Unterstützungssystems für die Kita-Praxis.