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Gerhard Weil: PZ > BIL > LaBi > LISUM > PLIB > PLIBB

blz 03 / 2003

Durch ständige Fusionen verliert die Lehrerfort- und weiterbildung Finanzmittel, Personal und Kundenorientierung.

Welche Berliner Lehrkraft kann das alles noch überblicken: PZ - BIL - LaBi - LISUM. Ständig wechselnde Namen und Standorte (wissen Sie, dass der Hauptsitz des LISUM sich jetzt in der Storkower Str. 133 befindet?) und wechselnde Logos, von einem sich selbst namensmäßig dauernd häutenden Schul-, Verzeihung, Bildungssenator verordnet. Sie sind so ziemlich das kundenfeindlichste, das die Berliner Verwaltung derzeit zu bieten hat. Pech für die Mitarbeiter, aber eigentlich ist das Berliner Landesinstitut für Schule und Medien eine wichtige Serviceeinrichtung für die Berliner Lehrerschaft. Und die braucht, angesichts von mittlerweile mehreren Deputatserhöhungen, Überalterung und ständigem Zwang zu sinnvollen und leider auch zu vielen sinnlosen Veränderungen in der Schullandschaft, Orientierung, Material und Hilfen aller Art nötiger denn je.

Ein kurzer Rückblick zeigt, dass es darum immer schlechter bestellt ist. Vor knapp 10 Jahren verfügten die Landesbildstelle Berlin und das damals neu gegründete BIL über etwa 450 Personalstellen, wobei auch damals nur ein relativ kleiner Teil aus Pädagogenstellen bestand. Nach Aussagen der jetzigen LISUM-Leiterin, Alexandra Dinges-Dierig, kam es im Zeitraum von 1996 bis 2002 in den beiden genannten Instituten und dem daraus entstandenen LISUM zu einer Stelleneinsparung von über 50 Prozent auf derzeit 121 Stellen. Davon sind deutlich weniger als 20 Pädagoginnen! Die meisten Stellen benötigen die Bibliothek und die Medienausleihe.

Während die Honorarmittel beim Zusammenschluss von LaBi und BIL virtuell erhöht wurden (1999: 896.000 DM; 2001: 1.788.000 DM) waren diese wegen der Haushaltssperren und wegen noch nicht so schnell erbrachter Personalkürzungen jedoch nicht verfügbar und mit der IST- Veranschlagung in 2002 gab es einen Wegfall von 534.000 Euro.

Sowohl die gekürzten Honorarmittel als auch das fehlende Personal schränkten das Serviceangebot des LISUM erheblich ein. Nach "Erfurt" wurden die Mittel zur Gewaltprävention um 60 Prozent gekürzt, so dass an einigen Schulen entsprechende Seminare nicht mehr finanziert werden konnten. Die Bibliothek für die Berliner Lehrerschaft lebt von Spenden, sie kürzte die Hälfte aller Fachzeitschriften und droht wegen Finanzmangels jegliche Aktualität im Medienangebot zu verlieren. In Pension oder Vorruhestand entschwundene FachreferentInnen hinterlassen unbesetzte Stellen z.B. in so "unwichtigen" Fächern wie Deutsch incl. DaZ, Mathematik, Politische Bildung oder Umweltkunde. An Ausschreibungen ist seit Jahren in der Regel nicht zu denken, solange nicht die ständig nachgeschobenen Personalkürzungen realisiert sind.

Der jüngste Coup: Der Unterausschuss Stellenplan des Hauptausschusses beim Berliner Parlament verordnete im Sommer 2002 auf der Grundlage eines PDS-Antrages "alle freiwerdenden Stellen des LISUM zu sperren und bis zum 31.12.02 einen Bericht zur Neuorganisation des LISUM anzufordern mit der Vorgabe, dass 30 Prozent der festen Stellen dauerhaft eingespart werden". Selbstverständlich wurde der Antrag einstimmig angenommen und die LISUM- Leitung fertigte eine Vorlage mit 36 eingesparten Stellen, verbleiben also noch 85. Vorhandene FachreferentInnen z.B. für Musik, Bildende Kunst, Gemeinsame Erziehung, "Aktive Medienarbeit", Suchtprophylaxe und Gesundheitserziehung dürfen sich nach neuen Aufgaben umsehen. Vor allem aber werden KollegInnen im Service von Verleih und Bibliothek eingespart, was ein weiter reduziertes Angebot für die Berliner Lehrerschaft bedeutet!

Aber die gesetzlichen Vertretungen der Beschäftigten kommen gar nicht zur Ruhe, wenn es gilt, zu retten, was angesichts hemmungsloser "Reformen" noch zu retten ist. Denn die nächste Fusion droht mittlerweile zeitgleich mit der noch nicht umgesetzten Einsparungsorganisation des Parlamentsbeschlusses: Diesmal hat der Berliner Senat in Gremien mit dem Land Brandenburg sich das LISUM ausgeguckt, das schon vor der Ländervereinigung mit Brandenburg per Staatsvertrag mit dem Brandenburger Schwesterinstitut PLIB und dem Medienzentrum MPZ fusioniert werden soll. Bis Ende Juni 2003 sollen gemeinsam entwickelte Vorlagen zur Entscheidung auf Senator-/Ministerebene auf dem Tisch liegen. Klar, dass in einer Demokratie die Betroffenen dazu nicht befragt werden!

Dumm ist nur, dass in Brandenburg vor einiger Zeit die Lehrerfortbildung an die Schulaufsicht als regionale Organisation gegangen ist - mit wohl verheerendem Ergebnis - und das PLIB nur noch zentrale Aufgaben wie Rahmenlehrplanentwicklung, Schulprogrammentwicklung und "Häuptlingsschulung" betreibt. Ein Modell für Berlin? Sicher das Ende jeglicher Lehrerfortbildung, wenn man diese der Schulaufsicht überließe, die doch schon die Schule nicht vernünftig organisieren konnte, wie die Auflösung des LSA bewiesen hat.

Aber natürlich fusioniert niemand, wenn er sich davon keine weiteren Einsparungen verspräche. Von den dann 85 LISUM- Stellen und 20 MPZ- sowie 95 PLIB-Stellen will man etwa 55 PLIBB-Stellen (Pädagogisches Landesinstitut Berlin Brandenburg) übrig lassen, das wird ein toller Service von Berlin-Lichtenrade bis zur Uckermark.

Gleichzeitig erwägt die LISUM- Leiterin den Vorschlag eines Agentur-Konzeptes: Wenige Alleskönner und Alleswisser prüfen und zertifizieren das Angebot freier Fortbildungsträger, ohne selbst in diesem Bereich tätig zu werden. Die Schulen und Lehrkräfte buchen dann mit eigenen Finanzmitteln entsprechend den Bedürfnissen oder Vorgaben.

Solch ein Konzept soll ansatzweise in der Schweiz funktionieren. Voraussetzung sind ausreichende Haushaltsmittel für die Schulen und eine breite Palette von Anbietern, die sich mit Schule und den Bedürfnissen der Lehrkräfte auskennen. In der Schweiz verfügen Schulen dafür wohl über einen Jahresetat von 100.000 Franken pro Schule. Teilt man die LISUM- Honorarmittel auf die knapp 1000 Berliner Schulen auf, erhielte jede in etwa ganze 500 Euro! Und bisherige Prüfungen von Fremdanbietern am LISUM erbrachten in der Regel erheblich höhere Kosten, was nicht verwundern kann, wenn damit alle Grundkosten für Büro, Werbung etc. abzudecken sind. Das sagt noch nichts über die Schulferne vieler Anbieter, die mitunter wohl zur "Ich AG" nach Wegfall von VHS-Angeboten gezwungen wurden.

Es scheint dringend an der Zeit, dass die Betroffenen, die Berliner Lehrkräfte und ihre Gewerkschaft GEW sich zu dieser nur den Gesetzen des Rotstifts gehorchenden Einsparorgie kraftvoll zu Wort melden. Es handelt sich schließlich nicht nur um das Problem der am Institut noch verbliebenen Beschäftigten, sondern es geht um die berufsbegleitende Qualifizierung von 30.000 Akademikern, die immer länger auf ihre eigenen Studienzeiten zurückblicken müssen.

Der GEW-Landesvorstand hat deshalb beschlossen, die Probleme der Lehrerfort- und -weiterbildung des LISUM zu einem Schwerpunkt der bundesweiten GEW-Kampagne "Rettet die Bildung" zu machen, die im Frühsommer starten soll. Auf der Internetseite der GEW BERLIN kann ein Fragebogen zu den Fortbildungswünschen aufgerufen werden. Bitte beteiligt euch zahlreich.)

Gerhard Weil
ist stellvertretender (GEW) Personalratsvorsitzender des LISUM