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Quereinstieg und berufsbegleitendes Referendariat

Letzte Aktualisierung: 01.02.2018

Ansprechpartner/in bei Rückfragen: Matthias Jähne

Wichtiger Hinweis vorab:
Wir sind als Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW BERLIN) nicht die Einstellungsbehörde. Das ist die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF). Diese entscheidet über die Voraussetzungen und Bedingungen des "Quereinstiegs" und über die individuellen Bewerbungen. Wir als GEW versuchen, möglichst viele Informationen zu geben, damit Sie als potentielle Bewerber*innen die Lage und Ihre Chancen realistischer einschätzen können und wissen, wie der "Quereinstieg" in Berlin abläuft.

Individuelle rechtliche  Beratungen dürfen wir als Gewerkschaft aber immer nur für unsere Mitglieder leisten, die dafür auch Mitgliedsbeiträge entrichten (§ 7 Rechtsdienstleistungsgesetz).

Auch den Aktivitäten der GEW BERLIN ist es zu verdanken, dass die rot-rot-grüne Berliner Koalition im Haushaltsplan 2018/19 eine Reihe von Verbesserungen für Quereinsteiger*innen beschlossen hat: Die Zahl der Ermäßigungsstunden soll um zwei erhöht werden (siehe unten). Zu Beginn der Tätigkeit soll es einen vierwöchigen Einführungskurs geben. Die Betreuung durch anleitende Lehrkräfte soll verbessert werden. Die Details und wann das umgesetzt wird, stehen aber noch nicht fest!

Die neue zentrale Ausschreibung zum Quereinstieg für die Einstellungen Sommer 2018 ist jetzt auf der Internetseite der Senatsbildungsverwaltung veröffentlicht worden. Bewerbungsschluss ist am 15. März 2018.
Wichtig: Die Bewerbungsfristen für das reguläre Referendariat (nächste am 20.03.18) gelten hier nicht! Denn hier geht es zunächst um eine Bewerbung um unbefristete Einstellung in den Berliner Schuldienst. Für das anschließende berufsbegleitende Referendariat muss und kann man sich nicht gesondert bewerben!

Im Jahr 2017 wurden nach offiziellen Senatsangaben bisher insgesamt 3.004 Lehrkräfte neu in den Berliner Schulen eingestellt, darunter 1.254 "Quereinsteiger*innen. Allein im August 2017 wurden 944 "Quereinsteiger*innen" (davon 558 in Grundschulen) eingestellt.

Folgende Fächer sind für die Bewerbung von "Quereinsteiger*innen" zur Einstellungsrunde August 2018 zugelassen:
Mathematik, Physik, Informatik, Chemie, Musik, Sport und alle sonderpädagogischen Fachrichtungen.

(Nur) für das Lehramt an Grundschulen ist eine Bewerbung zusätzlich auch mit dem Studienfach Englisch und (neu) dem Studienfach Deutsch möglich. Mit Biologie und Naturwissenschaften (außer Physik und Chemie) ist eine Bewerbung nicht mehr möglich.

Für die Grundschulen können sich unabhängig vom Fach auch Absolvent*innen mit einem ersten Lehramtsabschluss für das Lehramt Grundschule bewerben (1. Staatsexamen oder Master of Education). Wir raten aber Lehramtsabsolvent*innen immer dazu, das Referendariat regulär zu absolvieren!

Dazu kommen immer noch bestimmte berufliche Fachrichtungen für die berufsbildenden Schulen (z.B. Metall- und Elektrotechnik, Sozialpädagogik). Die Stellen der berufsbildenden Schulen werden aber nicht über dieses zentrale Verfahren besetzt, sondern bei Bedarf laufend schulbezogen ausgeschrieben (auch über die Internetseite der Senatsbildungsverwaltung, dort bei "Stellenangebote für bestimmte Schulen" - siehe link am Ende der Seite!).

Anforderungen an den Studienumfang der studierten Fächer:
Die jeweils für den "Quereinstieg" zugelassenen Hauptfächer müssen als erste Fächer im Umfang von mindestens 90 Leistungspunkten (LP) bzw. 60 SWS studiert worden sein (für das Grundschullehramt im Umfang von 60 LP bzw. 40 SWS). Wichtig ist, dass in dem zugelassenen "Mangelfach" der (höchste) Hochschulabschluss vorliegen muss (Diplom, Master, Magister, Staatsexamen). Es reicht nicht aus, einen Bachelorabschluss in einem der "Mangelfächer" zu haben, wenn der Masterabschluss in einer anderen (Nicht-Mangel-) Fachrichtung abgeschlossen wurde.

Für das zweite Fach muss ein Studienumfang von 60 LP bzw. 40 SWS (im Grundschullehramt 45 LP bzw. 30 SWS) nachgewiesen werden. Dabei muss in dem zweiten Fach kein formaler Studienabschluss vorliegen. Das zweite Fach muss aber ein für das jeweilige Lehramt wählbares Unterrichtsfach der Berliner Schule sein (aber kein Mangelfach).
Nur, wenn es für die zu besetzenden Stellen weder entsprechende Lehramtsbewerber*innen mit dem Zweiten Staatsexamen gibt, noch "Quereinsteiger*innen", die bereits ein zweites Fach im geforderten Umfang mitbringen, kann man auch mit nur einem Fach oder mit zu geringem Studienumfang im zweiten Fach eingestellt werden. Dann muss man aber nach der Einstellung das zweite Fach (vor dem berufsbegleitendem Referendariat) zunächst in bis zu vier Semestern berufsbegleitend studieren. Das ist die Ausnahme und funktioniert in der Praxis bisher auch nur für Lehrkräfte an Grundschulen (für die Fächer Mathe und Deutsch und ggf. NaWi) sowie in den weiterführenden Schulen nur für die Fächer Mathematik und Informatik und neu für Englisch. Für alle anderen Fächer gibt es bisher keine berufsbegleitenden Studienangebote der Senatsverwaltung. Geplant zu Herbst 2018 sind Physik für ISS/Gym und Sonderpädagogik für Grundschule.

Fachliche oder pädagogische Begleitung bis zum Beginn der berufsbegleitenden Studien oder des berufsbegleitenden Referendariats:

Die Senatsverwaltung hat zu wenig Kapazitäten, um alle, die mit nur einem Fach eingestellt werden, zeitnah in die Kurse für die berufsbegleitenden Studien (im Zweitfach) aufzunehmen. Zurzeit können die betreffenden Lehrkräfte i.d.R. erst ein Jahr nach der Einstellung mit den berufsbegleitenden Studien beginnen. Daher durchlaufen diese Lehrkräfte nach der Einstellung zunächst eine fachliche Begleitung im studierten Fach mit dem Besuch eines Fachseminars und mit beratenden Unterrichtshospitationen - und zwar bis zum Beginn der berufsbegleitenden Studien; mindestens aber 4 Monate lang. Dafür gibt es eine Ermäßigung um 5 Unterrichtsstunden.

Für diejenigen mit zwei anerkannten Fächern, die nach der Einstellung nicht sofort ihr berufsbegleitendes Referendariat beginnen können, findet seit Sommer 2016 eine pädagogische Begleitung statt. Diese besteht aus Veranstaltungen eines Schulpraktischen Seminars sowie dem Besuch und der Beratung im Unterricht und läuft bis zum Beginn des berufsbegleitenden Referendariats. Dafür gewährt die Senatsverwaltung ebenfalls eine Ermäßigung um fünf Unterrichtsstunden.

Rechtliche Grundlagen für den "Quereinstieg":

Mit dem neuen Lehrkräftebildungsgesetz Berlin vom 20.02.2014 können sich auch Absolvent*innen mit (Fach-) Hochschuldiplom- oder Master bewerben.

Die gesetzliche Grundlage (§ 12 Absatz 1 Lehrkräftebildungsgesetz) sieht so aus:

"Stehen nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber mit einer Lehramtsbefähigung (§ 10 Absatz 1 Satz 3) in einschlägigen Fächern zur Deckung des Lehrerbedarfs zur Verfügung, kann der Vorbereitungsdienst abweichend von §§ 10 und 11 auch in berufsbegleitender Form abgeleistet werden. Zu diesem Zweck können ausgeschriebene Stellen mit Bewerberinnen und Bewerbern besetzt werden, die über einen lehramtsbezogenen Master of Education, über eine Erste Staatsprüfung oder über einen Diplom-, Master - oder Magisterabschluss verfügen, der an einer Universität oder Fachhochschule erworben wurde und bei dem sich ein zweites Fach mit angemessenem Studienumfang feststellen lässt. Sollte der festgestellte Studienumfang nicht ausreichen, so kann das zweite Fach durch berufsbegleitende Studien erworben werden."

Die Voraussetzungen sind also:

  1. Eine unbefristete Lehrer*in-Stelle im Berliner Schuldienst kann nicht mit Lehramtsbewerber*innen mit dem Zweiten Staatsexamen und dem geforderten Fach bzw. den Fächern besetzt werden.
  2. Man muss neben dem in § 12 Absatz 1 Lehrkräftebildungsgesetz geforderten Hochschulabschluss ein zweites Fach mit angemessenem Studienumfang nachweisen.

Wie läuft der "Quereinstieg" ab? Was ist zu beachten?

Wird man als Nicht-Lehramtsabsolvent*in aufgrund des in Berlin herrschenden Lehrkräftemangels für eine Dauerstelle ausgewählt, erfolgt eine

Einstellung in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis als Lehrer*in

Gleichzeitig muss man zum nächst möglichen regulären Termin das berufsbegleitende Referendariat aufnehmen (evtl. zuvor noch berufsbegleitend ein zweites Fach studieren). Dafür muss man sich nicht gesondert bewerben! Am Ende dieses einheitlich 18 Monate dauernden berufsbegleitenden Referendariats steht die Lehramtsstaatsprüfung. Wird diese allerdings endgültig (auch nach der Wiederholungsphase) nicht bestanden, endet das Arbeitsverhältnis mit einer Auslauffrist von zwei Wochen nach Bekanntgabe des negativen Prüfungsergebnisses. Das wird im Arbeitsvertrag vereinbart.

Das berufsbegleitende Referendariat

wird in den "normalen" Schulpraktischen Seminaren des Landes Berlin absolviert. Die jeweiligen Anfangszeiten sind mit denen des herkömmlichen Referendariats identisch. Die jeweiligen Termine sind unter dem link am Ende des Textes zu erfahren. Für das Referendariat wird den eingestellten Lehrkräften eine Stundenermäßigung gewährt. Bisher beträgt diese 7 Stunden und in den Grundschulen 9 Stunden. Damit muss zurzeit von Anfang an gleich 19 Stunden unterrichtet werden (geplant: Absenkung auf 17 Stunden). Es ist allerdings möglich und auch dringend zu empfehlen, auf eigenen Antrag die Arbeitszeit weiter zu reduzieren (Teilzeit) um maximal 6 Unterrichtsstunden (mit entsprechender Gehaltsreduzierung!). Es müssen mindestens 13 Unterrichtsstunden abgeleistet werden (26 minus 7 Ermäßigung für das berufsbegleitende Ref. minus maximal 6 auf eigenen Antrag; in den Grundschulen: 28 minus 9 für das berufsbegl. Referendariat und minus maximal 6 Stunden auf eigenen Antrag).

Wichtig:

Diese mindestens 13 Unterrichtsstunden sind ausschließlich selbstständiger Unterricht! Es gibt da keinen Anteil von Hospitationen oder angeleitetem Unterricht!

Die Schulen bekommen für jeden "echten" Quereinsteiger (also ohne Lehramtsabschluss) zwei Betreuungsstunden ("Mentor*innen-Stunden"). Diese können und müssen die Schulen für die Anleitung und Betreung der "Quereinsteiger*innen" nutzen, was zurzeit aber nicht immer der Fall ist.

Der "Quereinstieg" funktioniert nur bei der Besetzung von unbefristeten Stellen - nicht bei Fristverträgen.

Bewerber*innen ohne Lehramtsabschluss, die eine

berufliche Fachrichtung

studiert haben, bewerben sich nicht zentral (bei BEO), sondern auf schulbezogene Ausschreibungen der berufsbildenden Schulen. Diese Ausschreibungen werden laufend auf der Internetseite der Senatsverwaltung veröffentlicht (link unten - dort bei "Stellenangebote für bestimmte Schulen"). Dabei gilt die in der konkreten Ausschreibung genannte Bewerbungsfrist!


Link zur Homepage der Senatsverwaltung "Einstellung Berliner Schuldienst"

Einstellungstermine für das Referendariat in Berlin

Stellungnahme der GEW Berlin: Lehrkräftebedarf durch qualifiziertes Personal abdecken - Qualität der Ausbildung von Lehrkräften gewährleisten

GEW-Info: Besonderheiten im berufsbegleitenden Referendariat