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Quereinstieg und berufsbegleitendes Referendariat

Letzte Aktualisierung: 24.09.2019

Ansprechpartner/in bei Rückfragen: Matthias Jähne

Wichtiger Hinweis:

Wir sind als Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW BERLIN) nicht die Einstellungsbehörde. Das ist die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF). Diese entscheidet über die Voraussetzungen und Bedingungen des "Quereinstiegs" und über die individuellen Bewerbungen. Wir als GEW versuchen, möglichst viele Informationen zu geben, damit Sie als potentielle Bewerber*innen die Lage und Ihre Chancen realistischer einschätzen können und wissen, wie der "Quereinstieg" in Berlin abläuft. Individuelle rechtliche Beratungen dürfen wir als Gewerkschaft aber immer nur für unsere Mitglieder leisten, die dafür auch Mitgliedsbeiträge entrichten (§ 7 Rechtsdienstleistungsgesetz).

Die Senatsverwaltung hat die neue Ausschreibung für den Quereinstieg allgemeinbildende Schulen für die Einstellungsrunde Februar 2020 veröffentlicht. Bewerbungsschluss ist bereits am 6. Oktober 2019.

Wichtig: Die Bewerbungsfristen für das reguläre Referendariat gelten hier nicht! Denn hier geht es zunächst um eine Bewerbung um unbefristete Einstellung in den Berliner Schuldienst. Für das anschließende berufsbegleitende Referendariat muss und kann man sich nicht gesondert bewerben!

Folgende Fächer sind für die Bewerbung von "Quereinsteiger*innen" zur Einstellungsrunde Februar 2020 zugelassen: Mathematik, Physik, Informatik, Chemie, Musik, Sport, Biologie, WAT (Wirtschaft-Arbeit-Technik) sowie alle sonderpädagogischen Fachrichtungen.

Das Fach Kunst ist nicht mehr dabei!

(Nur) für das Lehramt an Grundschulen ist eine Bewerbung zusätzlich auch mit den Fächern Englisch und Deutsch möglich. Für die Grundschulen können sich wie bisher unabhängig vom Fach auch Absolvent*innen mit einem ersten Lehramtsabschluss für das Lehramt Grundschule bewerben (1. Staatsexamen oder Master of Education). Wir raten aber Lehramtsabsolvent*innen immer dazu, das Referendariat regulär zu absolvieren!

Dazu kommen immer noch bestimmte berufliche Fachrichtungen für die berufsbildenden Schulen (z.B. Metall- und Elektrotechnik, Sozialpädagogik, Wirtschaft). Die Stellen der berufsbildenden Schulen werden aber nicht über das zentrale Verfahren besetzt, sondern bei Bedarf laufend schulbezogen ausgeschrieben (auch über die Internetseite der Senatsbildungsverwaltung, dort bei "Stellenangebote für bestimmte Schulen" - siehe link am Ende der Seite!). Dabei gilt die in der konkreten Ausschreibung genannte Bewerbungsfrist!

Rechtliche Grundlagen für den "Quereinstieg":

Die gesetzliche Grundlage ist § 12 Absatz 1 Lehrkräftebildungsgesetz Berlin:

"Stehen nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber mit einer Lehramtsbefähigung (§ 10 Absatz 1 Satz 3) in einschlägigen Fächern zur Deckung des Lehrerbedarfs zur Verfügung, kann der Vorbereitungsdienst abweichend von §§ 10 und 11 auch in berufsbegleitender Form abgeleistet werden. Zu diesem Zweck können ausgeschriebene Stellen mit Bewerberinnen und Bewerbern besetzt werden, die über einen lehramtsbezogenen Master of Education, über eine Erste Staatsprüfung oder über einen Diplom-, Master - oder Magisterabschluss verfügen, der an einer Universität oder Fachhochschule erworben wurde und bei dem sich ein zweites Fach mit angemessenem Studienumfang feststellen lässt. Sollte der festgestellte Studienumfang nicht ausreichen, so kann das zweite Fach durch berufsbegleitende Studien erworben werden."

Die Voraussetzungen sind also:

  • Eine unbefristete Lehrer*in-Stelle im Berliner Schuldienst kann nicht mit Lehramtsbewerber*innen mit dem Zweiten Staatsexamen und dem geforderten Fach bzw. den Fächern besetzt werden.
  • Man muss neben dem in § 12 Absatz 1 Lehrkräftebildungsgesetz geforderten Hochschulabschluss ein zweites Fach mit angemessenem Studienumfang nachweisen.

Anforderungen an den Studienumfang der studierten Fächer:

Die jeweils für den "Quereinstieg" zugelassenen Hauptfächer müssen als erste Fächer im Umfang von mindestens 90 Leistungspunkten (LP) bzw. 60 SWS studiert worden sein (für das Grundschullehramt im Umfang von 60 LP bzw. 40 SWS). Wichtig ist, dass in dem zugelassenen "Mangelfach" der (höchste) Hochschulabschluss vorliegen muss (Diplom, Master, Magister, Staatsexamen). Es reicht nicht aus, einen Bachelorabschluss in einem der "Mangelfächer" zu haben, wenn der Masterabschluss in einer anderen (Nicht-Mangel-) Fachrichtung abgeschlossen wurde.

Für das zweite Fach muss ein Studienumfang von 60 LP bzw. 40 SWS (im Grundschullehramt 45 LP bzw. 30 SWS) nachgewiesen werden. Dabei muss in dem zweiten Fach kein formaler Studienabschluss vorliegen. Das zweite Fach muss aber ein für das jeweilige Lehramt wählbares Unterrichtsfach der Berliner Schule sein (aber kein Mangelfach).

Berufsbegleitende Studien, wenn kein zweites Fach vorhanden ist:

Wer aus einem Studium kein zweites geeignetes Fach im geforderten Studieunumfang mitbringt, muss nach der Einstellung zunächst ein zweites Fach (im Grundschullehramt zwei Fächer) in zwei Schuljahren berufsbegleitend studieren (vor dem berufsbegleitendem Referendariat). Das Problem ist dabei, dass die Senatsverwaltung immer nur in wenigen Fächern solche berufsbegleitenden Studien anbietet. Man kann sich also das zweite Fach nicht aussuchen. Für Lehrkräfte an Grundschulen gibt es berufsbegleitende Studien für die Fächer Mathe und Deutsch sowie NaWi, Englisch und in ganz begrenztem Umfang für Sonderpädagogik. Bitte beachten, dass Grundschullehrkräfte zwingend in Mathe und Deutsch neben einem dritten wählbaren Fach ausgebildet werden. (Ausnahme Sonderpädagogik: Da kann neben Mathe oder Deutsch ein anderes Grundschulfach gewählt werden). Für ISS/Gymnasium (zwei Fächer) gibt es berufsbegleitende Studien nur für die Fächer Mathematik, Informatik, Englisch, WAT sowie für Physik (Beginn erst wieder Herbst 2020) und in begrenztem Umfang für Sonderpädagogik.

Zu beachten ist, dass es sich hier nicht um Studien an einer Universität handelt, sondern faktisch um eine berufsbegleitende Weiterbildung in Verantwortung der Senatsbildungsverwaltung! Aufgrund der fehlenden Kapazitäten beginnen diese Studien i.d.R. erst ein Jahr nach der Einstellung und immer nur im Sommer.

Qualifizierungsprogramm QuerBer:

Für die Lehrkräfte, die noch berufsbegleitende Studien absolvieren müssen, gibt es seit Sommer 2018 ein neues Qualifizierungsangebot mit verschiedenen Bausteinen (das sog. QuerBer). Dieses dauert mindestens 6 Monate und längstens bis zum Beginn der Studien. Für diese Zeit erhalten die Lehrkräfte eine Ermäßigung um 5 Unterrichtsstunden. Zu Beginn der Tätigkeit erfolgt ein siebentägiger Einführungskurs. Einstellungsdatum (Vertragsbeginn) ist daher schon am 31.01.2020. Ab Unterrichtsbeginn gibt es eine zweimonatige Betreuung und Begleitung durch anleitende Lehrkräfte (ca. 1/3 des zu erteilenden Unterrichts). Die Inhalte des Vorkurses werden dann in wöchentlichen Kompaktkursen vertieft. Mehr dazu hier

Das neue Qualifizierungsangebot gilt auch für diejenigen mit zwei anerkannten Fächern, die nach der Einstellung nicht sofort ihr berufsbegleitendes Referendariat beginnen können (das sind aber immer nur wenige!).Wer mit zwei Fächern unmittelbar mit dem berufsbegleitenden Referendariat beginnen kann, hat Vertragsbeginn am 03.02.2020. Für diese "Quereinsteiger*innen" gibt es jetzt aber auch die Möglichkeit, auf Antrag vor dem Referendariat das QuerBer-Programm zu durchlaufen. Das haben wir als GEW durchgesetzt! Das Referendariat würde dann erst zum nächsten Termin beginnen (30.07.2020). Das ist vor allem für diejenigen sinnvoll, die bisher überhaupt keine Erfahrungen als Lehrkräfte haben.

Das berufsbegleitende Referendariat

wird in den "normalen" Schulpraktischen Seminaren des Landes Berlin absolviert. Die jeweiligen Anfangszeiten sind mit denen des herkömmlichen Referendariats identisch. Die Termine sind unter dem link am Ende des Textes zu erfahren. Die nächsten sind 03.02.2020 und 30.07.2020.

Arbeitsvertrag und Arbeitszeit

Der "Quereinstieg" funktioniert nur bei der Besetzung von unbefristeten Stellen - nicht bei Fristverträgen. Wird man als Nicht-Lehramtsabsolvent*in aufgrund des in Berlin herrschenden Lehrkräftemangels für eine Dauerstelle ausgewählt, erfolgt eine

Einstellung in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis als Lehrer*in in Vollzeit.

Gleichzeitig muss man zum nächstmöglichen regulären Termin das berufsbegleitende Referendariat aufnehmen (evtl. zuvor noch berufsbegleitend ein zweites Fach studieren). Dazu wird ein gesonderter Studienvertrag (für die Studien) und ein Ausbildungsvertrag (für das Referendariat) abgeschlossen. Für die Studien und das anschließende Referendariat muss man sich nicht gesondert bewerben. Am Ende dieses einheitlich 18 Monate dauernden berufsbegleitenden Referendariats steht die Lehramtsstaatsprüfung. Wird diese allerdings endgültig (auch nach der Wiederholungsphase) nicht bestanden, endet das Arbeitsverhältnis mit einer Auslauffrist von zwei Wochen nach Bekanntgabe des negativen Prüfungsergebnisses. Das wird im Arbeitsvertrag vereinbart.

Für das berufsbegleitende Referendariat und die evtl. zuvor notwendigen berufsbegleitenden Studien wird den angestellten Lehrkräften seit Schuljahresbeginn 2019/20 eine Stundenermäßigung um 9 Stunden und in den Grundschulen um 11 Stunden gewährt. Damit müssen bei voller Bezahlung 17 Stunden unterrichtet werden. Es ist möglich und auch dringend zu empfehlen, auf eigenen Antrag die Arbeitszeit weiter zu reduzieren (Teilzeit; mit entsprechender Gehaltsreduzierung!). Im berufsbegleitenden Referendariat müssen mindestens 13 Unterrichtsstunden abgeleistet werden (26 minus 9 Ermäßigung für das berufsbegleitende Ref. minus maximal 4 auf eigenen Antrag; in den Grundschulen: 28 minus 11 für das berufsbegl. Referendariat und minus maximal 4 Stunden auf eigenen Antrag). Neu ist, dass vor Beginn des Referendariats die Stunden auch unter 13 reduziert werden können!

Alle zu leistenden Unterrichtsstunden sind ausschließlich selbstständiger Unterricht! Es gibt für Quereinsteiger*innen keinen Anteil von Hospitationen oder angeleitetem Unterricht!

Die Schulen bekommen für jeden "echten" Quereinsteiger (also ohne Lehramtsabschluss) zwei Betreuungsstunden ("Mentor*innen-Stunden"). Diese können und müssen die Schulen für die Anleitung und Betreung der "Quereinsteiger*innen" nutzen, was aber nicht immer der Fall ist.

Achtung: Künftig "Bindungs- und Rückzahlungsverpflichtung":

In den künftigen Arbeitsverträgen wird die Senatsverwaltung eine Regelung zur Rückzahlung eines Teils des auf die Ausbildung entfallenden Gehalts aufnehmen. Wer vor Ablauf von zwei Jahren nach Abschluss des Referendariats das Land Berlin verlässt, soll 25 % des Bruttogehalts von 18 Monaten zurückzahlen. Wenn zuvor noch berufsbegleitende Studien absolviert werden mussten, beträgt die Bindungsfrist drei Jahre und die Rückzahlungsquote 25 % des Bruttogehalts von 42 Monaten. Das gilt nicht für Lehrkräfte, die mit einem Lehramtsabschluss das Referendariat berufsbegleitend absolvieren.
Die GEW BERLIN hat diese Neuregelung scharf kritisiert und abgelehnt.

 

Link zur Homepage der Senatsverwaltung "Einstellung Berliner Schuldienst"

Einstellungstermine für das Referendariat in Berlin

Stellungnahme der GEW Berlin: Lehrkräftebedarf durch qualifiziertes Personal abdecken - Qualität der Ausbildung von Lehrkräften gewährleisten

GEW-Info: Besonderheiten im berufsbegleitenden Referendariat