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Kollektiv Orangotango: Die Kunst des kritischen Kartierens

blz 12 / 2012

Die Kunst des kritischen Kartierens

Das Bildungskollektiv orangotango will Grenzen abbauen und Alternativen zum Kapitalismus aufzeigen

von Silke Greth, Severin Halder & Fabian Singelnstein für das kollektiv orangotango

Das kollektiv orangotango entstand im freundschaftlichen Umfeld kritischer GeografInnen, die sich am Ende ihres Studiums mit der Frage konfrontiert sahen: Wie können wir basierend auf unseren vielfältigen Interessen und Verbindungen weiterhin gemeinsam kritische Bildungsarbeit und kreative Protestformen miteinander verknüpfen?

Mit dieser Frage im Hinterkopf entschlossen wir uns einen doppelten Brückenschlag zu vollziehen und veranstalteten die Tagung »Solidarische Räume und kooperative Perspektiven – Theorie und Praxis in Lateinamerika und vor der Haustür« im November 2009 in Tübingen. Ziel war es, thematische Verbindungen zwischen kreativem politischem Aktivismus und der Universität herzustellen und daneben auch persönliche Kontakte zwischen befreundeten AktivistInnen und WissenschaftlerInnen in Lateinamerika und Europa zu ermöglichen und zu pflegen. Außerdem konnte ein Sammelband mit insgesamt über 50 Beiträgen von AktivistInnen, WissenschaftlerInnen und AutorInnen veröffentlicht werden. Sowohl die Tagung als auch der Sammelband orientieren sich an unserem selbst gesteckten Ziel: »Das kollektiv orangotango versteht sich als offene, bunte und freie Plattform für AktivistInnen, WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen. Wir streben einen kreativen Austausch von Widerstands- und Ausdrucksformen an. Wir erklären uns solidarisch mit allen Formen der Organisation von unten, die Grenzen abbauen und Auswege aus den ausbeuterischen und unterdrückenden Mechanismen des Kapitalismus und Neoliberalismus suchen«.

Förderung interaktiver Prozesse

Neben einer kritischen Auseinandersetzung mit den Machern und der Macht von Karten geht es dabei auch um praktische Kartierungsprozesse, bei denen die vielfältigen Wahrnehmungen von Menschen aufgegriffen werden, die auf traditionellen Karten meist nicht zu finden sind. Inspiriert wurden wir dabei insbesondere durch die Arbeiten der Iconoclasistas aus Buenos Aires und der Nova Cartografia Social aus Amazonien und deren Verständnis von Kartierungen als Werkzeug kollektiver Reflexions- und Transformationsprozesse.

Ab 2011 realisierten wir erste Workshops kollektiver Kartierungen unter anderem mit Gemeinschaftsgärten in Berlin und veröffentlichten, basierend auf dem Handbuch »Mapeo Coletivo« der Iconoclasistas das Handbuch »Kollektives kritisches Kartieren« (freier Download des Handbuchs unter www.orangotango.info).

Kollektives Kartieren ermöglicht es soziale Zusammenhänge und Beziehungen im und zum Raum kritisch zu reflektieren und fördert in einem interaktiven Prozess auch kollektiv produziertes Wissen, kollektive Erkenntnisse und gemeinschaftliche Arbeitsweisen. Die Themenvielfalt, die mit der Methode bearbeitet werden kann, erscheint uns weiterhin fast grenzenlos. Denkbare Themen für die Erstellung von Karten sind zum Beispiel urbane Landwirtschaft, Gentrifizierung und Widerstände gegen Gentechnik. Wir beobachten, dass sich die Methode für eine kritische Bildungsarbeit gut eignet, da sich das Kartieren durch seine visuelle Ebene spielerisch mit verschiedenen kreativen Protest- und Lernformen verbinden lässt. Daraus ergibt sich auch, dass die Methode leicht zugänglich und vielseitig anwendbar ist. 


Das kollektiv orangotango ist offen für Zusammenarbeit und stellt seine Kräfte in den Dienst verwandter Gedanken. Wer Interesse an unseren Veröffentlichungen und Aktivitäten oder Lust auf Kooperation hat, kann uns auf www.orangotango.info besuchen oder uns über info@orangotango.info anschreiben.
Eindrücke von der Workshopreihe in Graz finden sich hier: http://iconoclasistas.com.ar/2012/10/07/mapeos-colectivos-en-graz-austria/
Für die Unterstützung im Rahmen der Bildungsreise nach Graz möchten wir uns herzlich bei der GEW bedanken.