GEW - Berlin
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Auf dem Weg zu "Einer Schule für alle"

25.11.2008

Landesdelegiertenversammlung vom 24./25.11.2008

 

 

Die GEW BERLIN lehnt das von Senator Zöllner vorgelegte "Modell zur Weiterentwicklung der Schulstruktur" grundsätzlich ab. Eine Zweigliedrigkeit aus "höherwertigen" Gymnasien und "geringerwertigen" Regionalschulen legt wie bisher durch frühe Auslese Bildungswege fest, so dass Kinder und Jugendliche ihre Potenziale nicht ausschöpfen können. Dies ist in erster Linie sozial ungerecht. Zugleich opfert ein solches Schulsystem die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft, die von der umfassenden Qualifikation aller ihrer Mit-glieder abhängt. Kinder und Jugendliche werden Abwertungs- und Ausgrenzungsprozessen unterworfen, was einem demokratischen Gesellschaftsverständnis widerspricht.

Wir stimmen mit dem Bildungssenator darin überein, dass die überholten Strukturen des Schulwesens schon lange nicht mehr den pädagogischen, sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen genügen und daher verändert werden müssen. Im ersten Schritt lediglich die Haupt- und Realschulen zusammen zu legen und damit die Aufgabe der Integration der Schwächsten und den Schwächeren allein aufzuerlegen führt allerdings nicht weiter. Es ist nicht zu ersehen, wie durch die Zusammenlegung der Haupt- und Realschulen die Bildungschancen für die Schüler/innen erhöht und die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg reduziert werden können.

Die Einbeziehung von Gesamt- und Gemeinschaftsschulen im zweiten Schritt wertet die integrativ arbeitenden Schulen ab und verbaut den Weg zu einer Schulstruktur, die statt auf Auslese auf einer an der Entwicklung des einzelnen Kindes und Jugendlichen orientierten Schulpädagogik aufbaut.

Ein Zwei-Säulenmodell, bestehend aus Gymnasium und Regionalschule, kann kein zukunftweisendes Modell sein. Auch deswegen, da das Gymnasium ohne gravierende Veränderungen auch weiterhin nicht als Erfolgsmodell angesehen werden kann.

Wir fordern Bildungssenator Zöllner auf, seinen Vorschlag zur Schulstrukturentwicklung zurück zu ziehen und ein langfristig geplantes, stabiles und durch Zuweisung der notwendigen Ressourcen abgesichertes Konzept zu formulieren, das allen Schulen ausreichend Zeit gibt, sich in einen Entwicklungsprozess mit der Perspektive zu "Einer Schule für alle" zu begeben.

Allerdings erfordern weit reichende Entwicklungen sowohl von PädagogInnen als auch von der Öffentlichkeit insgesamt ein radikales Umdenken. Dazu ist ein großzügiges Unterstützungssystem unabdingbar.

Wir fordern Bildungssenator Zöllner auf, bei der Erstellung eines neuen Schulstrukturentwicklungsplans die GEW als Interessenvertreterin der Lehrkräfte und ErzieherInnen in den Diskussionsprozess einzubeziehen.