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Ausstattung mit qualifizierten Lehrkräften sichern – dem Fachkräftemangel in den Schulen entgegenwirken

09.11.2011

Landesdelegiertenversammlung vom 08./09.11.2011

Letzte Aktualisierung: 10.11.2011

Die Senatsbildungsverwaltung wird aufgefordert, ein Konzept zur Anhebung und Vereinheitlichung des Qualifikationsniveaus der Lehrkräfte zu entwickeln und rechtlich abzusichern, die ohne Lehramtsprüfung im Schuldienst arbeiten. Dieses muss mindestens folgende Punkte enthalten:

  1. Lehrkräften, die in das berufsbegleitende Referendariat aufgenommen werden, muss eine deutlich höhere Ermäßigung ihrer Unterrichtsverpflichtung für das berufsbegleitende Referendariat - und zwar in Höhe der Hälfte der Unterrichtsverpflichtung der jeweiligen Schulart - gewährt werden. Unabhängig davon muss die Beschäftigung auch während der Zeit des berufsbegleitenden Referendariats auf Antrag in Teilzeit möglich sein. Während des berufsbegleitenden Referendariats sollen den Beschäftigten keine Aufgaben übertragen werden, die eine weitere Arbeitsbelastung mit sich bringen (z. B. die Tätigkeit als Klassenlehrer/in oder als Fachkonferenzleiter/in).
  2. Lehrkräften mit einem Diplom-, Magister- oder Masterabschluss (kein Lehramtsabschluss) einer Hochschule, die bereits seit 6 Monaten befristet oder unbefristet im Berliner Schuldienst tätig sind und sich in dieser Tätigkeit bewährt haben, ist auf Antrag der Zugang zum berufsbegleitenden Referendariat und bei erfolgreichem Bestehen der Zweiten Staatsprüfung eine dauerhafte Beschäftigung im Berliner Schuldienst zu ermöglichen.
  3. Lehrkräften, die über einen anerkannten Masterabschluss aus einem akkreditierten Studiengang einer Hochschule verfügen, muss unter den Voraussetzungen des § 9 Absatz 4 und 5 Lehrerbildungsgesetz der Zugang zum berufsbegleitenden Referendariat zu den gleichen Bedingungen ermöglicht werden wie denen mit universitären Masterabschlüssen.
  4. Im Schuldienst tätigen Lehrkräften, die über keinen Abschluss einer wissenschaftlichen Hochschule (alte Fachhochschulabschlüsse) verfügen, muss auf Antrag eine Möglichkeit geben werden, einen Masterabschluss nachzuholen und die Qualifikation für ein zweites Unterrichtsfach zu erwerben. Die Unterrichtsermäßigung ist entsprechend Nr. 1 zu gewähren.
  5. Im Schuldienst tätigen Lehrkräften für Fachpraxis muss auf Antrag die Möglichkeit eröffnet werden, die für einen Einstieg in die Lehramts-Laufbahn notwendigen fachtheoretischen und pädagogischen Qualifikationen zu erwerben. Ihnen muss ein berufsbegleitendes Ergänzungsstudium mit sich anschließendem Vorbereitungsdienst ermöglicht werden. Das erste Fach ist aus dem Berufsfeld der Fachpraxis, das zweite Fach soll ein entsprechend der länderrechtlich geregelten Lehrerbildung zu wählendes Fach sein. Die Senatsverwaltung setzt sich bei den Hochschulen für eine Anrechnung der formal (z. B. Meister- bzw. Technikerabschluss als einem Bachelorabschluss gleichwertig) und nonformal erworbenen Kompetenzen ein. Die Unterrichtsermäßigung ist entsprechend Nr. 1 zu gewähren. Mit denjenigen, die das Studium erfolgreich abschließen, muss ein neuer Vertrag mit dem Beginn des Vorbereitungsdienstes abgeschlossen werden.
  6. Lehrkräfte, die mit einem Hochschulabschluss aus einem Drittland oder einer Lehrerausbildung nach dem Recht des Heimatlandes unbefristet im Schuldienst tätig sind und sich bewährt haben, bekommen ein Angebot zur Weiterqualifizierung. Nach erfolgreichem Abschluss dieser Maßnahme sind sie in die Lehramts-Laufbahn aufzunehmen bzw. dieser gleichzustellen.
  7. Diese Angebote gelten analog für neu einzustellende Lehrkräfte, die bei Beginn ihrer Tätigkeit nicht über die Qualifikationsvoraussetzungen für eine Lehramts-Laufbahn verfügen oder in ein berufsbegleitendes Referendariat gehen.

Der GLV setzt sich in Verhandlungen mit der Senatsverwaltung für die Realisierung dieses Konzepts ein.