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Verbesserung und Attraktivitätssteigerung der Arbeit an Schulen in sozialen Brennpunkten für Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte

14.11.2012

Landesdelegiertenversammlung vom 13./14.11.2012

Letzte Aktualisierung: 20.11.2012

Aufgrund der zum Teil schwierigen Lebensumfelder der Kinder und Jugendlichen in sozialen Brennpunkten sind die dort tätigen PädagogInnen starken zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Es lassen sich mittlerweile in allen Auswahl- und Einstellungsverfahren für diese Schulen nur wenige LehrerInnen und ErzieherInnen/SozialpädagogInnen gewinnen, so dass zahlreiche Stellen unbesetzt bleiben. Damit starten diese Schulen häufig mit schlechten Rahmenbedingungen zur Förderung ihrer SchülerInnen. Die SPD/CDU-Regierung hat im Koalitionsvertrag und in weiteren politischen Äußerungen zum Ausdruck gebracht, dass speziell diese Kinder und Jugendlichen gutes pädagogisches Personal brauchen und dass die Schulen in sozialen Brennpunkten gestärkt werden sollen.

Um die Attraktivität dieser Schulen zu steigern, setzt sich die GEW BERLIN für die Verbesserung der Rahmenbedingungen ein. Konkret fordert die GEW BERLIN die Stärkung der Schulen in sozialen Brennpunkten u.a. durch folgende Maßnahmen:

Personelle Ausstattung

1. Lehrkräfte

Eine deutliche Besserausstattung von Schulen in sozialen Brennpunktgebieten in Höhe von mindestens 30 Prozent der Personalmittel zur Frequenzsenkung, für Doppelsteckung und außerunterrichtliche Aufgaben.

Dies ist durch eine Ausstattung aller Schulen oberhalb eines Anteils von 60 % lernmittelbefreiter SchülerInnen mit einem Faktor von 0,3 pro SchülerIn für Sprachförderung zu gewährleisten. Darüber hinaus müssen die Grundschulen gemäß der heutigen Zumessung für Integrierte Sekundarschulen oberhalb von 40 Prozent SchülerInnen lmb (lernmittelbefreit) und ndH (nichtdeutscher Herkunftssprache) einen Faktor von 0,22 pro SchülerIn erhalten.

2. Sozialpädagogische Fachkräfte

Die Personalausstattung in allen Schularten muss für Erzieher/innen und Sozialpädagog/innen um 30% angehoben werden. Personalzuschläge für den sozialpädagogischen Bereich - für Integration, ndH sowie der Sozialzuschlag - müssen sowohl für die Zeit von 7.30 - 13.30 Uhr in der offenen Ganztagsschule als auch für die Klassenbemessung in der gebundenen Ganztagsschule gelten. Die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Eltern zur Vernetzung im Sozialraum soll durch eine SozialpädagogInnenstelle in öffentlicher Trägerschaft pro Schule zusätzlich abgesichert werden.

3. Schulpsychologie

Es sollen zusätzliche Stellen in der Schulpsychologie speziell zur Betreuung der Schulen in benachteiligten Gebieten geschaffen werden, so dass jeweils eine SchulpsychologInnenstelle für drei bis vier Schulen zur Verfügung steht.

  • Arbeitszeit der PädagogInnen für die Bewältigung zusätzlicher Aufgaben
  • Entlastung für die in sozialen Brennpunkten beschäftigten Lehrkräfte (als Kriterium gilt ein Anteil von lernmittelbefreiten SchülerInnen von mehr als 60 Prozent) in Form von zwei Anrechnungsstunden, um den zusätzlichen spezifischen Aufgaben wie z.B. Einbindung der Elternschaft, Kooperation mit Jugendhilfe, Schulpsychologie und außerschulischen Partnern besser gerecht werden zu können.
  • Anrechnung einer Stunde pro Woche für die Kooperation von Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften - im Rahmen ihrer Unterrichtsverpflichtung sowie der wöchentlichen Arbeitszeit.
  • Innerhalb der gesamten wöchentlichen Arbeitszeit muss allen pädagogischen Fachkräften eine verlässliche Zeit von neun Stunden für die mittelbare pädagogische Arbeit zur Verfügung gestellt werden.
  • Der Einsatz aller sozialpädagogischen Fachkräfte für unterrichtsbegleitende Tätigkeiten darf nur im Rahmen der dafür vorgesehenen Personalbemessung erfolgen.


Rahmenbedingungen für Schul- und Personalentwicklung

  • Gezielte Einstellung von Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften mit Migrationshintergrund (MuttersprachlerInnen),
  • Übernahme von LehramtsanwärterInnen, die sich während des Vorbereitungsdienstes bewährt haben, auch wenn die Übernahme zur vorübergehenden "Überausstattung" der Schule führen würde,
  • gemeinsame Konzeptionsentwicklung aller in den Schulen arbeitenden Professionen,
  • Fortbildungsangebote sowie Installation von Programmen, die das soziale Lernen an Brennpunktschulen stabilisieren und Gewalt und Schulabbruch reduzieren,
  • verbindliche Umsetzung des "Berliner Bildungsprogamms für die offene Ganztagsgrundschule"
  • Gesundheitsmanagement für PädagogInnen (u.a. Supervision, Entspannungsangebote),
  • finanzielle und personelle Unterstützung von Klassenfahrten zur Stärkung der Klassenverbände und des Sozialklimas unter Einbeziehung beider Professionen sowie die vollständige Erstattung der Dienstreisekosten,
  • bauliche Instandsetzung mit dem Ziel attraktiver und gepflegter Schulanlagen,
  • Bereitstellung von eigenen Gruppenräumen sowie Beratungsräume für Elterngespräche, Teamgespräche u.ä. für die sozialpädagogische Arbeit (keine Doppelnutzung),
  • Bereitstellung von Personal- und Pausenräumen, die entsprechend ihrer Funktion ausgestattet sind.

Die GEW BERLIN organisiert zur Weiterentwicklung der Position eine Fachtagung im Frühjahr 2013.