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Schule

Auf dem Weg zu einer aktiven Schüler*innen-Vertretung

Die Schüler*innen-Vertretung (SV) ist das Herzstück der demokratischen Schule. SV-Arbeit funktioniert jedoch leider nicht von alleine.

Foto: Adobe Stock

Alle Jahre wieder, immer zum Schuljahresbeginn, steht die Klassensprecher*innenwahl an. Engagierte Klassensprecher*innen sind das Herzstück aktiver Mitbestimmung in der Schule. Damit werden schon zu Beginn des Schuljahres die Weichen für die Arbeit der Schüler*innen-Vertretung (SV) gestellt. Bei den Wahlen werden oft jedoch die Coolsten, Beliebtesten oder Lautesten gewählt, was sich dann wiederum in einer unmotivierten und wenig engagierten SV widerspiegelt. Aber warum finden diese »Beliebtheitswahlen« so statt? Hand aufs Herz: Wie laufen normalerweise die SV-Wahlen ab? Meistens werden sie schnell dazwischengeschoben, eine kurze Abfrage nach Freiwilligen, und zack wird gewählt. Aber was sind eigentlich die Aufgaben von Klassensprecher*innen? Was sind die Aufgaben und Möglichkeiten einer SV? Welchen Einfluss kann die SV auf die Gestaltung des Schulalltags und die Etablierung einer demokratischen Schulkultur nehmen? Das wissen die wenigsten und genau da müssen wir ansetzen.

Pimp your SV

Warum machen wir die Klassensprecher*innenwahl nicht zu einem wichtigen Event an der Schule? Alle Klassen nehmen sich mindestens zwei Stunden Zeit, um die Wahl gemeinsam vorzubereiten. Rechtliche Grundlage sind die Paragraphen 83 und 84 des Berliner Schulgesetzes. Darüber hinaus zählen die persönlichen Fähigkeiten und Eigenschaften, die eine*n gute*n Klassensprecher*in ausmachen. Warum nicht gemeinsam im Klassenverband ein »Job-Profil« für den oder die Klassensprecher*in entwickeln? Vielleicht sollten Klassensprecher*innen zum Beispiel gut zuhören können, gut integrieren oder mutig genug sein, um Probleme auch gegen Widerstände anzupacken und anzusprechen. Zur vollständigen Jobbeschreibung gehört auch die Teilnahme an Sitzungen und die Projektarbeit. Wer hier keine Zeit investieren will, ist fehl am Platz. Sinnvoll ist es auch, eine*n erfahrene*n Klassensprecher*in einzubeziehen, die aus dem SV-Alltag berichtet. Wenn ein umfassendes Bild der Aufgaben und gewünschten Fähigkeiten und Eigenschaften zusammengetragen wurde, werden Kandidat*innenenvorschläge gesammelt. Die Kandidat*innen sollten Zeit bekommen, sich vorzustellen und auf Fragen zu antworten. Die Fragerunde kann man gemeinsam in Gruppenarbeit vorbereiten. Am Ende wird gewählt, und die Klasse wird (hoffentlich) zukünftig gut vertreten.

Support your SV

Hat sich die neue Schüler*innenvertretung gefunden, ist es sinnvoll, eine SV-Seminar zu buchen. Angeboten werden diese Seminare in Berlin unter anderem von SV-Bildungswerk e.V., Schule ein Gesicht geben e.V., dem wannseeFORUM, mehr als lernen e.V., der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein oder aber auch von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Die Angebote sind vielfältig, immer auf die inhaltlichen Bedürfnisse der SV abgestimmt und reichen von einzelnen Projekttagen an der Schule bis hin zu SV-Fahrten in eine Jugendbildungsstätte. Die FES hat auch die sogenannten SV-Begleiter*innen mit in den Blick genommen, denn leider funktioniert die SV-Arbeit an den meisten Schulen oft nicht »von alleine«. Es braucht engagierte SV-Begleiter*innen, die zur richtigen Zeit die passenden Methoden, Impulse oder Ideen beisteuern und Coach der SV sind. Das erfordert Geduld, Zeit und Durchhaltevermögen sowie gute Unterstützungsstrukturen für die eigene Arbeit. Gelingt dies, dann stehen die Chancen gut, dass die Schüler*innenvertreter*innen bald auf eigenen Beinen stehen. Im Rahmen von regelmäßig stattfindenden Fortbildungsmaßnahmen machen wir die SV-Begleiter*innen fit für diese Aufgabe. Sie bekommen unterschiedliche Methoden und Projektideen an die Hand, um SVen (wieder) zu aktivieren und zu begleiten. Nicht jede*r muss das Rad neu erfinden und so steht der Vernetzungsgedanke und Austausch immer ganz oben auf der Workshop-Agenda.

Die SV-Arbeit ist häufig die erste Gelegenheit für junge Menschen eine Interessenvertretung kennenzulernen und sich zu engagieren. Gelingt diese Arbeit, macht Spaß und die Jugendlichen konnten etwas bewirken, dann stehen die Chancen gut, dass sich junge Menschen auch über die Schule hinaus engagieren.  

Die FES entwickelt innovative Angebote der politischen Jugendbildung. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die Arbeit mit Schüler*innenvertretungen. Mehr unter: www.fes.de/themenportal-gender-jugend/jugend.

Anfragen und Ideen an Yvonne Lehmann: Yvonne.Lehmann(at)fes(dot)de

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher