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Schule Endlich legal – die Schulbibliotheken

Der eingetragene Verein »Arbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken Berlin-Brandenburg« (AGSBB) begrüßt das neue Schulgesetz, das den Betrieb der Bibliotheken endlich absichert.

03.01.2022 - von Ute Heller

Zum Ende der letzten Legislaturperiode verabschiedete das Berliner Abgeordnetenhaus ein neues Schulgesetz, das mehr Demokratie, Partizipation und Integration ermöglichen soll. Wenig Beachtung fand bisher eine andere weitreichende Veränderung: Schulbibliotheken werden zukünftig als Teil der Schule anerkannt und finanziert.

Im neuen Schulgesetz heißt es: »Die Schule kann auf Antrag der Schulkonferenz zur Verwaltung der nach Absatz 1 genannten Bestände und zur Organisation der eingeführten Lernmittelfreiheit auf der Grundlage eines Medienpädagogischen Konzepts eine Schulbibliothek errichten. Der Antrag bedarf der Genehmigung der Schulaufsicht und des Einvernehmens des Bezirks. Schulbibliotheken erhalten nach Maßgabe des Haushaltes zweckgebundene Mittel zur Erfüllung ihrer Aufgaben. Bereits bestehende Schulbibliotheken haben Bestandsschutz.«

An 60 Prozent der Berliner Schulen gibt es bereits jetzt eine Schulbibliothek. Entstanden sind sie ohne finanzielle Absicherung, häufig aus ehrenamtlichem Engagement. Die Existenz dieser Schulbibliotheken ist mit dem neuen Gesetz gesichert. Der »Raubbau« an den Schulbibliotheken, wie es Frau Kittler, bisherige bildungspolitische Sprecherin der Fraktion »Die Linke«, nennt, ist damit beendet. Die Einrichtung weiterer Schulbibliotheken ist nun möglich. Dies ist ein großer Erfolg für die Arbeitsgemeinschaft der Schulbibliotheken in Berlin-Brandenburg e.V., die sich seit vielen Jahren dafür einsetzt.

Die zentrale Bildungsaufgabe des 21. Jahrhunderts, die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz, wird damit entscheidend vorangebracht.

Auch Bibliotheken werden digitaler

Schneller als erwartet ist die Digitalisierung in der Schule angekommen, und die Geräte von Microsoft, Apple oder Minhoff bringen Google, Facebook und Co. in die Schule. Für Medienkonzepte ließ Corona keine Zeit. Digitalisierung darf aber nicht den Großkonzernen und Datenkraken überlassen werden. Schulen benötigen medienpädagogische Konzepte, auch zur Nutzung digitaler Medien. Diese Kernaufgabe der Schulbibliothek wird im neuen Schulgesetz verankert.

Als offene Lernräume ermöglichen Schulbibliotheken den Zugang zu digitalen und analogen Medien. Lese- und Informationskompetenz können so in- und außerhalb des Unterrichts gefördert werden. Ein Zentrum zum Austausch aller an Schule Beteiligten entsteht.

Gerade in der Corona-Zeit soll Schule als Sozialraum gestärkt werden. Offene Lernräume wie Schulbibliotheken sind nicht nur ideale Orte für Entspannung, Rückzug oder Treffen mit Freund*innen, sondern auch perfekte Veranstaltungsorte. Schüler*innen können hier Unterrichtsergebnisse präsentieren und außerschulische Akteure*innen finden hier einen Raum, um mit Theater, Kino oder Workshops den Schulalltag zu bereichern.

Schulen haben so die Chance, ihre Ressourcen zu nutzen, zu bündeln und nachhaltige Strukturen zu entwickeln. Schulbibliotheken unterstützen sowohl die Koordination und Vernetzung der Akteur*innen in der Schule als auch die Vernetzung in den Sozialraum. Partizipationsprozesse werden gestärkt, der Gestaltungs- und Wandlungsprozess der Schule gefördert und Schule als Lern- und Lebensraum auf­gewertet.

Doch die rechtliche Absicherung von Schulbibliotheken ist erst der Anfang, das wissen auch die Bildungspolitiker*innen. Um Schulbibliotheken aufzubauen und zu erhalten, müssen Land und Bezirke zukünftig zusammenarbeiten, müssen Gelder für Personal, Sachmittel und Räume bereitgestellt werden. Die Politik ist sich ihrer Aufgaben bewusst, unterstützen wir sie dabei, diese Mittel im Haushalt einzufordern!

Die AG Schulbibliotheken in Berlin und Brandenburg ist ein gemeinnütziger Verein vieler an Schulbibliotheksarbeit interessierter Menschen, Initiativen und Einrichtungen, ein Netzwerk für Schulbiblio­theken zum Erfahrungsaustausch und zur gegenseitigen Unterstützung.