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Kolumne

Lernen lernen

Friends study together in class room
Foto: Adobe Stock

Der Chip unter meiner Haut sendet das Zeichen, dass die Pause endet. Ich hacke mich mit meinem Tablet ins System, um mir 15 weitere Minuten zu ergaunern. »Der Trick klappt immer«, sage ich zu mir selbst »diese Androiden sind viel zu leicht zu manipulieren«. Ein Overheadprojektor schwebt auf einem per Satellit gesteuerten Hoverboard an mir vorbei. »Sachen gibt es«, denke ich und schüttle den Kopf: »Das Board ist doch aus der letzten Saison«. Ich blicke auf den vorbeifliegenden Uhrdroiden, 13 Minuten noch. Ich laufe in den nächsten Beamerraum und teleportiere mich zwei Stockwerke aufwärts zum nächsten Unterricht. Während das Gerät lädt, sage ich »beam mich hoch, Scotty!«, weil mein demenzkranker Großvater das immer ruft, wenn er wieder halluziniert. Im Classspace angelangt, steht der Mathedroide bereits am Overheadprojektor von vorhin. Er dreht sich in abgehackten Bewegungen zu mir: »Zwei. Minuten. Und. 43. Sekunden. Zu. Spät.«. »Verdammt«, denke ich, »haben die doch wirklich den Code geändert… früher war das mit Hacken einfacher…«. Genervt entschuldige ich mich und nehme auf dem zu mir schwebenden Sessel Platz. Nach Mathe haben wir Geographie. Wir lernen über ein Land, das vor über drei Jahrzehnten untergegangen sein soll. Die Niederlande oder so. Ob davon wohl der Film »Atlantis« inspiriert ist? Der Geographiedroide spricht mit robotischer Stimme. Er steht vor der Klasse Level Zehn und spricht weiter über den sogenannten »Klimawandel«, der angeblich der Grund dafür sei, weshalb wir unsere Städte nun auf Orbitalstationen errichten. Ich frage mich, warum die uns den Lehrstoff nicht einfach auf die Chips laden. Der Droide scheint meinen Gedanken gehört zu haben: »Damit. Ihr. Faulen. Kinder. Lernt. Zu. Lernen.« Welch wahres Wort, denke ich, und schließe seiner monotonen Stimme lauschend die Augen.

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher
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