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Gesellschaftspolitik75 Jahre Frieden in Berlin

Wir verdanken unseren heutigen Frieden und Wohlstand der deutschen Niederlage

16.03.2020 - von Joachim Dillinger

Der 8. Mai 1945, der Tag der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands jährt sich in diesem Jahr zum 75. Mal. Es ist der Tag, an dem die Truppen der Anti-Hitler-Koalition den deutschen Armeen, die Europa mit dem schrecklichsten Krieg aller Zeiten überzogen hatten, nach schweren Verlusten das Handwerk legten. Insgesamt hatte die Wehrmacht 20 Millionen deutsche Männer mobilisiert, praktisch alle, die laufen konnten. Die Niederlage und der Zusammenbruch Hitlerdeutschlands sollte in den kommenden Wochen große Freude wecken.

Unsere politischen Repräsentant*innen lassen wenig Anstalten erkennen in den kommenden Maitagen auch die sowjetischen Soldaten zu ehren, die die Hauptlast des Krieges trugen und schließlich die Deutschen von sich selbst befreiten. Der Sieg über das damalige Deutschland musste mit harter militärischer Gewalt erkämpft werden, weil der innere Widerstand schwach blieb. Die damaligen Deutschen betrachteten die Kapitulation weithin als Zusammenbruch, als Katastrophe, als Niederlage. Voller Angst warteten sie darauf, dass die Sieger all das rächen würden, was Millionen Landser, SS-Männer und Besatzungsbeamten den Völkern Ost- und Südeuropas angetan hatten.

Anders als unsere Väter und Mütter wissen wir Heutigen, dass wir den Frieden, unseren Wohlstand, das Glück unserer Kinder und Kindeskinder der deutschen Niederlage verdanken. Die Wiedervereinigung unseres Landes kam noch als Geschenk dazu.

Der 8. Mai ist ein Gedenk- und Feiertag zugleich. Den Opfern des beispiellosen deutschen Eroberungs-, Raub- und Vernichtungskrieges in Osteuropa muss in besonderer Weise gedacht werden. Fünf Millionen Tote in Polen, 27 Millionen in der ehemaligen Sowjetunion, darüber hinaus ungezählte Menschen, die dauerhaft um ihr Lebensglück gebracht worden sind, Hungersnöte und die vollständige Verwüstung ganzer Landstriche, all das kennzeichnet den von Deutschland gewollten Krieg. Die Blockade Leningrads begründete die Wehrmachtsführung mit der Absicht, die fünf Millionen Einwohner*innen verhungern zu lassen. Tatsächlich starben während der 900 Tage andauernden Belagerung etwa eine Million Menschen, darunter auch der ältere Bruder Wladimir Putins.

Die damaligen Deutschen betrachteten die Kapitulation als Zusammenbruch

All das Gedenken und Feiern hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, ob man die Politik der heutigen russischen Führung zu verstehen versucht oder bekämpft, auch spielt es keine Rolle, wie und was man über die Verbrechen Stalins oder des Kommunismus denkt.

Auch am 75. Jahrestag kann es nur um eines gehen: um einen an Tatsachen orientierten politischen Unterricht und zugleich auch um öffentlich wirksame Gesten des Mitgefühls, der Solidarität und der Freundlichkeit, gerichtet an die von Deutschland überfallenen Völker der ehemaligen Sowjetunion, an die Familien der ermordeten und verschleppten Zivilist-*innen, der gefallenen, verkrüppelten und ermordeten Soldaten.

Der Antisemitismus war eines der treibendsten Motive dieses Krieges. Aber auch 40 Millionen nicht jüdische Menschen fielen dem Krieg zum Opfer. Über 6 Millionen Deutsche starben in diesem von Deutschen verschuldeten Krieg. Von deutschem Boden muss Frieden und gute Nachbarschaft mit allen Ländern ausgehen.

Im April und Mai 2020 plant die NATO eines der größten Manöver von Landstreitkräften in Europa seit Ende des Kalten Krieges. Mit insgesamt 37.000 Soldat*innen aus 16 NATO-Staaten sowie aus Finnland und Georgien wird eine neue Dimension umweltschädigender militärischer Aktivitäten bis an die Grenzen Russlands geplant. Während überall auf dem Kontinent für die Eindämmung der lebensbedrohenden Umweltzerstörung demonstriert wird, praktiziert der Umweltzerstörer Militär unbeeindruckt seine Rituale. Widerstand gegen das NATO-Manöver Defender 20 ist angesagt.

UNTERRICHTSMATERIAL
Die AG Friedenserziehung und Friedenspolitik der GEW BERLIN – kurz AG Frieden – bietet für die Behandlung des Kriegsendes unter besonderer Berücksichtigung
der Situation in Berlin verschiedene Medien als Unterrichtshilfen an. Diese findet ihr hier: Liste

Die AG Frieden trifft sich an jedem 3. Mittwoch im Monat im GEW-Haus von 17 bis 19 Uhr. Gäste sind immer herzlich willkommen.

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