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Schule zusammen weiterentwickelnAn der Realität vorbeigeplant

Der Landesschüler*innenausschuss kritisiert, dass Schüler*innen zu wenig am Maßnahmenpaket der Bildungssenatorin beteiligt werden

10.03.2020 - Amelie Meier

Berlin landet in Bildungsrankings regelmäßig auf den letzten Plätzen. Was müssen wir besser machen? Oder sollte ich lieber fragen: Was machen wir so viel schlechter als die anderen? Das Maßnahmenpaket der Bildungssenatorin jedenfalls wurde an der Realität in den Schulen vorbeigeplant. Könnte das vielleicht daran liegen, dass an der Erstellung keine Schüler*in beteiligt war? Im Praxisbeirat sitzt eine einzige Person aus dem Landesschüler*innenausschuss, die allein nun einmal kaum die gesamte Situation der Berliner Schüler*innen erfassen kann.

Woran mangelt es dem Maßnahmenpaket denn genau? An den Schulen, die sowieso schon vergleichsweise gut abschneiden, werden die Qualitätsmaßnahmen nichts großartig verändern. Doch mit den vorgegebenen Maßnahmen werden sich strukturelle Mängel auch an den anderen Schulen kaum überwinden lassen. Was das angeht, brauchen wir einen echten Ausgleich.

In einer guten Schule lernen Leistungsstarke und Leistungsschwache voneinander

Chancengleichheit muss in unseren Schulen eine viel bedeutendere Rolle spielen. Das mag weit weg und schwierig klingen. Aber wofür sorgt denn die Trennung von Gymnasium und Sekundarschule? Wofür die Aufnahmeverfahren? Wofür der Wechsel nach Klasse 6 oder sogar schon nach Klasse 4, wenn Kinder auf ein grundständiges Gymnasium gehen? Letztendlich vor allem für Spaltung und Sortierung. Ist das wirklich, was wir wollen? Muss unsere Bildung so funktionieren? Ich finde nicht.

Ein altbewährtes Prinzip könnte unser Schulsystem um einiges weiterbringen, das Voneinanderlernen. Die, denen es leichter fällt, helfen den anderen. Die einen prüfen und festigen ihr Wissen, während die anderen aus der neuen Erklärung vielleicht schlau werden. Das ist ein Grund, warum wir das mehrgliedrige Schulsystem überdenken und neu gestalten müssen. Gemeinsame Bildung bis Klasse 10 wäre vielleicht aktuell etwas weit ausgeholt. Aber ein einheitlicher Wechsel nach Klasse 6 scheint für mich erstmal nicht zu viel verlangt. Die grundständigen Gymnasien gehören abgeschafft. Das gemeinsame Lernen kann verhindern, dass lernstarke Schüler*innen schnell in einer eigenen Blase verschwinden und die gesellschaftliche Spaltung wächst.

Demokratie muss im Schulalltag gelebt werden

Demokratisches Lernen ist ein weiteres Qualitätsmerkmal für gute Schule. Doch was bedeutet Demokratie in der Schule? Warum ist das wichtig? Der Senat greift das Thema in seinem Maßnahmenplan tatsächlich auf. In den »Schülerhaushalten« wird Schüler*innen Geld für selbstverwaltete Projekte zur Verfügung gestellt. Das ist schön und gut. Aber vielen Schüler*innen fehlt es an Ideen, was sie mit dem Geld Sinnvolles anstellen können. In den Schulen wird die Meinungsbildung zu selten geschult, meist nur im Politikunterricht. Nicht nur den Schüler*innen, auch später den Erwachsenen mangelt es an Demokratiekompetenz, dem Wissen um Rechte und Möglichkeiten, um die Bedeutung von Kompromiss und Dialog.

Eine umfassende Feedbackkultur, die Frage nach Wünschen und Veränderungsvorschlägen fehlt an unseren Schulen. In der Praxis finden Rückmeldungen leider kaum statt. Das »verpflichtende« Evaluationsportal für Lehrkräfte habe ich in meiner zwölfjährigen Schulzeit ein einziges Mal benutzt. Auch von Lehrendem zu Lernendem muss Anerkennung und Kritik stärker etabliert werden. Wer einmal ein nettes und ehrliches Lob bekommen hat, weiß, wie unglaublich bestärkend das ist. Das Gefühl, einen Einfluss zu haben, ist enorm wichtig und vermittelt, was Demokratie kann. Schüler*innen müssen lernen und erleben können, wie wertvoll unsere Demokratie ist.     

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