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bbz 10 / 2019An Kindern und Erzieher*innen vorbeigeplant

Das Gute-Kita-Gesetz wird Qualität und Arbeitsbedingungen in den Kitas nicht verbessern.

05.10.2019 - Christiane Weißhoff, Leiterin des Vorstandsbereichs Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit der GEW BERLIN

Wenn diese bbz erscheint, hat es das Land Berlin als eines der letzten Bundesländer vielleicht geschafft, die Vereinbarung mit dem Bund zur Verwendung der Gelder aus dem Gute-Kita-Gesetz zu unterzeichnen. Sicher wird dann öffentlichkeitswirksam hervorgehoben, welch gute Maßnahmen für die Berliner Kitas entwickelt wurden.

Viele Bundesländer nutzen die Gelder für die Absenkung der Kita-Gebühren oder für die Kostenfreiheit. Das entlastet Familien und fördert einen leichteren Zugang für den Besuch einer Kita. Doch für die Weiterentwicklung der Qualitätsstandards in den frühkindlichen Bildungseinrichtungen bleiben kaum Gelder übrig, die direkt beim Personal und den Kindern ankommen. Da auch die Finanzierung nur bis 2022 vorgesehen ist, wird es für die Länder schwierig, beispielsweise in dauerhafte Personalstellen zu investieren.

Um das Geld hier in Berlin zielgerichtet einzusetzen, forderten wir, dies im Dialog mit Kitaträgern, Eltern, Pädagog*innen und uns zu tun. Die GEW BERLIN wurde in diesen Prozess nicht einbezogen. Sena-torin Scheeres verzichtete auf unsere Expertise, obwohl wir uns seit Jahren gemeinsam mit Anderen für ein Kita-Qualitätsgesetz stark gemacht haben.

Zu Beginn schien es, als ob es einen beteiligungsorientierten Prozess über den Einsatz der 239 Millionen Euro geben könnte, die dem Land Berlin aus dem Gute--Kita-Gesetz zustehen. Das verlor sich zunehmend. Die anfänglich mit Teilnehmer-*innen aus der Praxis diskutierten Ideen fanden wenig Eingang in die jetzt geplanten Maßnahmen. Es stünden Millionen Euros für die Qualitätsentwicklung unserer Berliner Kitas zur Verfügung und Scheeres präsentierte zunächst ein kostenfreies Frühstück für alle Kitakinder. Wir waren fassungslos, zum Glück ist diese Idee inzwischen wieder vom Tisch. Schließlich hatte die im letzten Wahlkampf getroffene Entscheidung für eine gebührenfreie Kita bereits für viel Gesprächsstoff gesorgt. Ein Teil des Geldes soll nun für Brennpunktkitas bereitgestellt werden. Doch wie dieses eingesetzt werden soll, liegt noch im Dunkeln. Eine sogenannte Brennpunktzulage, die mit großen Schwie-rigkeiten für die Erzieher*innen in den Schulen bereits umgesetzt wird, ist kritisch einzuschätzen. Dient eine Maßnahme, die nur einzelne Gruppen von Fachkräften betrifft, wirklich der Verbesserung der Rahmenbedingungen vor Ort? Eine personelle Unterstützung durch konkrete Sozial-arbeit in den herausfordernden Kiezen wäre eine deutliche Maßnahme zur Qualitätssteigerung und käme den Kindern, den Eltern und auch den Erzieher*innen in den Einrichtungen zu Gute.

Die Maßnahmen, die für die Kinder und Fachkräfte wirksam werden, unterstützen wir. Dazu gehören die Stärkung der Bereiche Fachberatung und Kitaleitung, die Ausweitung der Unterstützung für Menschen im Quereinstieg. Ob diese Maßnahmen in der Praxis als Beitrag für eine gute Kita--Arbeit wahrgenommen werden, bleibt abzuwarten.

Das jetzige Gute-Kita-Gesetz wird unserem Anspruch an ein Kita-Qualitätsgesetz nicht gerecht. Wir fordern bundeseinheitliche Standards für die Kindertagesbetreuung und eine nachhaltige Entwicklung der Qualität. Wirklich qualitätssteigernd wäre eine Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation, die auch die Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeit ausreichend berücksichtigt. Schon mit Ausbildungsbeginn muss die Attraktivität des Berufs der Erzieher*in gesteigert werden und im Berufsalltag müssen endlich gute Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

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