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bbz 06 / 2017Arbeitsbelastung reduzieren!

Die Belastung von Lehrkräften nimmt immer weiter zu. Was tun? Wie das Problem sichtbar machen? Auch deine Ideen und dein Engagement sind gefragt

01.06.2017 - Jörg Tetzner, Heike Zeisig und Udo Mertens

Seit vielen Jahren hat das Land Berlin einen Weg in die falsche Richtung eingeschlagen. Die Pflichtstundenzahl der Lehrkräfte wurde erhöht, gleichzeitig wurden unzählige neue Aufgaben angehäuft. Dies hat den entstehenden Personalmangel kaschiert. Der Bedarf für Neueinstellungen von Lehrkräften wird in den nächsten Jahren vierstellig bleiben. Bereits jetzt können viele Stellen nur mit Hilfe des Quereinstiegs besetzt werden. Diese Kolleg*innen verfügen zu einem überwiegenden Teil über keine oder nur geringe pädagogische Erfahrung und müssen zusätzlich betreut und qualifiziert werden. Dadurch verdichtet sich die Arbeit weiter und die Arbeitsbelastung wird erhöht.

Unsichtbare Arbeit sichtbar machen

Auf dem 2. Fachtag zur Arbeitszeit und Arbeitsbelastung der GEW BERLIN diskutierten Lehrkräfte mit Beate Dapper, Schulpsychologin und Leiterin des SIBUZ Berlin-Pankow, und Heike Körnig, stellvertretende Referatsleiterin in der Senatsbildungsverwaltung, wie einerseits unter diesen Bedingungen pädagogische Arbeit möglich ist, ohne krank zu werden, und wie andererseits der politische Kampf gegen die ständige Überlastung aussehen kann.

Am Vormittag stellte Laura Pooth, stellvertretende Vorsitzende der GEW Niedersachsen, die Ergebnisse der niedersächsischen Arbeitszeitstudie vor. Besonders mit der angeschlossenen Belastungsstudie konnte die unsichtbare Arbeit der Lehrkräfte endlich sichtbar gemacht werden.
Lehrkräfte entkommen ihren Belastungen nicht, weder an den Wochenenden, noch in der unterrichtsfreien Zeit. Tatsächlich leisten viele Beschäftigte – je nach Schulform unterschiedlich hoch – über das Jahr unbezahlte Mehrarbeit. Bei Teilzeitbeschäftigten ist der Anteil der verdeckten Mehrarbeit noch höher.

Zeitdruck und der eigene Anspruch, pädagogisch sinnvolle Arbeit in guter Qualität zu leisten, führen zu starker psychischer Belastung. Die Landesregierung in Niedersachsen hat auf der Ebene des Kultusministeriums eine Arbeitszeitkommission gegründet, um gemeinsam mit den Gewerkschaften über die Konsequenzen aus den Studien zu beraten.

Die Podiumsdiskussion mit den Gästen, den Mitgliedern der AG Arbeitszeit und dem Publikum war lebhaft. Die Mitglieder der AG berichteten aus ihrem Arbeitsalltag, dass die Belastung der Lehrkräfte längst alle Grenzen überschritten habe und die Arbeit oft nicht mehr zu schaffen sei. Beate Dapper vom SIBUZ erklärte, Beschäftigte müssten lernen, »nein« zu sagen. Genau das wird auch nötig sein, denn Heike Körnig konnte von keinen Plänen der Senatsverwaltung berichten, die Zustände zu verbessern. Die drängenden Fragen und die vorgetragenen Probleme der Kolleg*innen nahm sie jedoch zum Anlass, zu versichern, die geäußerten Anliegen in die Senatsverwaltung weiterzutragen.

Konkrete Aktionen starten

Die entscheidende Diskussion über die praktischen Konsequenzen müssen wir mit den Kolleg*innen in den Schulen führen. Es gibt bereits viele Vorschläge für konkrete Aktionen, die sowohl an den Schulen, in den Regionen, als auch berlinweit stattfinden können, beispielsweise Personalversammlungen zum Thema Entlastung oder einen Aktionstag, an dem alle Kolleg*innen aufgerufen werden, ein rotes Kleidungsstück zu tragen. Die Auseinandersetzung ist eine politische und muss in der Öffentlichkeit geführt werden.

Die AG Arbeitszeit und der Vorstandsbereich Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik haben eine erste Auswertung des Fachtags vorgenommen und über das weitere Vorgehen beraten. Gemeinsam werden wir in unseren Gremien, mit den Mitgliedern des Landesvorstandes und unter Einbindung aller Vorstandsbereiche im Geschäftsführenden Landesvorstand darüber diskutieren, wie wir das Thema der Arbeitsbedingungen unserer Kolleg*innen zentral platzieren und strategisch bewegen können.

Bereits vor den Sommerferien werden wir mit Aktionen, an denen ihr euch alle beteiligen könnt, erste Signale setzen. Die Bezirksleitungen der Regionen werden die Mitglieder dazu informieren.

Mehr zur AG Arbeitszeit unter www.gew-berlin.de/arbeitszeit.php

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