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GlosseDas Leben kann so schön sein

Privatkita - Privatschule - Privatuni

06.04.2020 - von Klaus Will

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass das alte Abitur auch nicht mehr das ist, was es mal war. Zwar kämpfen die gebildeten Kreise noch um den Erhalt des Gymnasiums, aber der Zug geht längst woanders hin.

Privatschulen nehmen heutzutage die Rolle ein, die einst die ehrwürdigen Lehranstalten spielten. Dort war man noch unter sich und war noch wer. Und heute? Selbst wer ein Abiturzeugnis von einem Goethe-, Schiller- oder Kant-Gymnasium vorweisen kann, hat keinen großen Vorteil mehr. Privat und gar noch mit einem »international« im Namen zieht da schon mehr und verschafft den Sprösslingen den nötigen Vorsprung für die Karriere. Zumal ja die besserverdienenden Kreise und ihre Kinder nicht unbedingt und immer auch die klügeren Köpfe haben.

Aber wer den Weg nimmt über eine Privatkita, dann in eine private Grundschule kommt und schließlich als Krönung ein privates Gymnasium mit ausgesuchten Schüler*innen absolviert, der oder die muss doch irgendwie vorankommen, hofft man. Zwar beweisen alle Studien, dass diese privaten Anstrengungen auch keine besseren Lernresultate ergeben als die öffentlichen, aber immerhin lernt man dort die richtigen Leute kennen und muss sich nicht auch noch mit irgendwelchen Minderbemittelten abgeben und damit Zeit und Ressourcen verplempern.

Glaubt man den Privatschulen, so nagen diese alle mehr oder weniger am Hungertuch, weil der Staat mit seinen Zuschüssen so knausrig ist. Aber obwohl ihre Beschwerden klingen, als sei das alles ein Zuschussgeschäft, ist ein Ende des Privatschulbooms nicht in Sicht. Dass private Unternehmen mildtätig sind, soll vorkommen, aber eher selten ist die Mildtätigkeit das Geschäftsprinzip. Entweder verdienen sie also mehr, als sie zugeben, oder sie spekulieren, dass Privatschulen in naher Zukunft den staatlichen gleichgestellt werden und so-mit die Absonderung bestimmter Kreise mit staatlichem Segen und vor allem dem verlässlichen staatlichen Geld finanziert wird. Wahrscheinlich stimmt beides. Und dass die Kirchen dort kräftig mitmischen, hat wohl weniger mit christlicher Nächstenliebe als mit ökonomisch-politischem Kalkül zu tun.

Mit den privaten Universitäten klappt das ja noch nicht so richtig, deswegen muss man sich hier noch häufig mit dem Eintopf der staatlichen Hochschulen zufrieden geben. Aber selbst für diese Phase gibt es schon einen Weg, wie man unter seinesgleichen bleiben kann. Es werden Studierendenapartments gebaut, deren Monatsmiete sich kein*e Normalstudent*in leisten kann. Wer also ohne kräftige Geldspritze der Eltern auskommen muss, hat hier nichts zu suchen. Zufällig lernt man auch hier wieder die richtigen Leute kennen, falls man sie nicht schon alle kennt: aus dem privaten Kindergarten und der Privatschule. Vielleicht macht man nun auch noch das eine oder andere Auslandssemester zusammen?

Und dann den ersten Startup mit dem eingesammelten Kapital von Verwandten und Freund*innen. Toll! Wenn’s nicht klappt, kommt man sicherlich irgendwo im vertrauten Kreis unter. Es ist schon richtig: Geld ist nicht alles. Man muss auch die richtigen Leute kennen. Dann wird das Leben erst richtig schön.