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bbz 03 / 2016Die Arbeit von Grundschullehrkräften ist mehr wert!

Wer Grundschulkinder unterrichtet, wird schlechter bezahlt als Lehrkräfte an Gymnasien oder Sekundarschulen. Eine Reform dieser Lohnpolitik ist längst überfällig.

01.03.2016 - Frauke Gützkow

Grundschullehrkräfte leisten eine Arbeit, deren Anforderungsprofil und deren gesellschaftlicher Wert nicht ausreichend gewürdigt werden. Das zeigt ein Blick in die Besoldungs- und Entgelttabellen. Sie sind niedriger eingruppiert als ihre KollegInen an Gymnasien, Integrierten Sekundarschulen und Berufsschulen. Als Begründung heißt es, Grundschullehrkräfte arbeiteten überwiegend pädagogisch. Das stelle geringere Anforderungen als Berufsvorbereitung und Wissensvermittlung an weiterführenden Schulen. Doch das ist kurzsichtig, haltlos und diskriminiert Frauen, denn Grundschulen haben den höchsten Anteil weiblicher Lehrkräfte. Hier liegt der eigentliche Grund für die schlechtere Bezahlung. Die Spielregeln für die Eingruppierung sind zwar geschlechtsneutral formuliert, treffen aber überwiegend Frauen. Das ist eine mittelbare Diskriminierung aufgrund des Geschlechts!

Grundschulen sind der Motor der Inklusion

An Grundschulen wird das Fundament für die Bildungskarriere der Kinder gelegt. Hier werden nicht nur grundlegende Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt. Kinder lernen zu lernen – allein und in der Gruppe. Sie lernen, Verantwortung für sich selbst und für andere zu übernehmen. Sie trainieren die Fähigkeit, Konflikte auszutragen, anderen zuzuhören und mit Kritik umzugehen. Angeleitet werden sie dabei von GrundschulpädagogInnen, die – je nach Bundesland – schon seit 20 bis 30 Jahren an Universitäten ausgebildet werden. Sie haben die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit im Blick. Lehrkräfte an weiterführenden Schulen können auf die gute Arbeit an den Grundschulen aufbauen. Eine Rangfolge nach dem Motto »kleine Kinder kleines Geld, große Kinder großes Geld« ist überholt. Von solchen veralteten Denkmodellen müssen wir uns verabschieden. Die Arbeit an Grundschulen ist genauso fordernd wie an anderen Schulen. Intellektuell sind Lehrkräfte im Elementarbereich nicht weniger beansprucht. Die psychischen und die sozialen Anforderungen sind sogar höher. Das gegliederte Schulsystem beschert weiterführenden Schulen vergleichsweise homogene Lerngruppen. An Grundschulen hingegen trifft die gesamte soziale Bandbreite unserer Gesellschaft aufeinander. Hier wird Inklusion gelebt. Denn lernschwache Kinder, Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse und Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden integriert. Mit ihrer Empfehlung für eine weiterführende Schule tragen Lehrkräfte Verantwortung für den weiteren Lebensweg des Kindes. Diese Arbeit ist der Tätigkeit an anderen Schulformen zwar nicht gleich, wohl aber gleichwertig. Das muss sich in der Bezahlung widerspiegeln.

Grundschullehrkräfte setzen sich zur Wehr

Grundschullehrkräfte sind solche Abwertungen leid. Sie wollen endlich die Anerkennung, die den Anforderungen und dem gesellschaftlichen Wert ihrer Arbeit angemessen ist. Ihre Bezahlung steht daher auf der GEW-Agenda. Die GEW-Landesverbände Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben die Besoldung bereits rechtlich prüfen lassen. Das Ergebnis: Die unterschiedliche Eingruppierung ist nicht haltbar, zumal in diesen Ländern (wie auch in Berlin, Hamburg, Bremen, Niedersachsen) die Lehrkräfte aller Schulformen gleich lang und gleich aufwändig ausgebildet werden. Die GEW Niedersachsen thematisiert die Anhebung der Besoldung in Verbindung mit einer Absenkung der Unterrichtsverpflichtung an Grundschulen. Auch in den Ländern, in denen die Lehrkräfte nicht verbeamtet sind, geht es um die Aufwertung des Berufsfeldes und die bessere Bezahlung der Grundschullehrkräfte: Die Forderung nach der Entgeltgruppe E 13 für alle Lehrkräfte mit voller LehrerInnenausbildung unterstrich die GEW BERLIN Ende Januar 2016 mit Warnstreiks. E 13 fordert auch die GEW in Sachsen. Am 6. März 2016 gehen wieder zahlreiche Menschen zum internationalen Frauenkampftag auf die Straße und kämpfen für ihr Recht auf politische, rechtliche und wirtschaftliche Gleichstellung. Darunter viele Grundschullehrkräfte.

Für die GEW ist klar: Professionalität hat ihren Preis – unabhängig davon, ob die Arbeit von einem Mann oder einer Frau geleistet wird. Deswegen fordern wir, die Tätigkeit an Grundschulen aufzuwerten. Alle Lehrkräfte, gleich welcher Schulform, leisten gleichwertige Arbeit. Sie muss auch gleich bezahlt werden.