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GewerkschaftDie Berliner GEW – Widerstandskraft in der Pandemie

Die GEW bewährt sich in der Pandemie. Und weitere Aufgaben stehen an.

26.07.2021 - von Ralf Schäfer

Die GEW ist eine lebendige Gewerkschaft, auch in der Pandemie. Erkrankungen, Quarantäne, Überlastungsanzeigen, Gefährdungsbeurteilungen, Masken, Querlüften, Hygienepläne, Coronaprämie, Home-Office, SaLzH, Wechselunterricht, digitale Endgeräte, Schulclouds, Schulschließungen, Schulöffnungen, das Schlingern des Senats, Testplicht, Impfangebote und Nichtimpfungen – an Aufgaben und Themen war kein Mangel, in Bezirksleitungen, Personalräten, Vorstandsbereichen, im Geschäftsführenden Landesvorstand, für die Vorsitzenden. Neben Solidarität ist das wichtigste Gut einer Gewerkschaft ihre Handlungsbereitschaft. Die setzt Vertrauen voraus. War die GEW in der Pandemie handlungsfähig? Ja, sie war es. Wurde sie wirksam? Ja, das wurde sie.

Wir kommen aus vielen Berufsgruppen. Wir arbeiten in verschiedenen Schulformen beziehungsweise Betrieben, die jeweils spezifische Bedingungen aufweisen. An Schulen mit funktionierender digitaler Infrastruktur ist die Lage anders als in denen ohne, an Grundschulen anders als an Oberschulen. Für Lehrkräfte ist sie anders als für Erzieher*innen. Kolleg*innen in Präsenz- und Wechselbetrieb begegneten anderen Probleme als die im Home-Office. Die Interessen sind heterogen, viele Herausforderungen individuell, die Anforderungen an die GEW vielfältig. Manches betrifft alle: Personalmangel, die digitale Rückständigkeit, Gesundheitsschutz, die Kurzfristigkeit von Maßnahmen und Anordnungen. Die GEW entfaltete wirksame Proteste auf verschiedenen Ebenen: in Schulgruppen, Kollegien, Personalräten, auf Bezirks- und Landesebene, durch politische Lobbyarbeit, einer starken Präsenz in den Medien. Die GEW initiierte den Corona-Bildungspakt im Bündnis mit Schüler*innen und Eltern. Beim Humanistischen Verband wagten wir den ersten Online-Streik der bundesdeutschen Streikgeschichte – eine Pionierleistung der GEW BERLIN. Aus Infektionsschutzgründen entschlossen sich die gewählten Gremien der GEW zwar gegen Corona-Aktionen mit großer physischer Mitgliederpräsenz. Einen Protest-Lockdown aber gab es für die GEW BERLIN nie. Das bekam die Senatsverwaltung mehr als einmal zu spüren:

Im März 2020 wendete die GEW eine Präsenzpflicht für Pädagog*innen ab. Sie machte klar, dass Wechselunterricht nicht Verdoppelung der Unterrichtsstunden bedeuten kann. Sie setzte die Impfpriorisierung für Erzieher*innen und Grundschullehrkräfte durch. Im Januar 2021 zwangen berlinweite Proteste den Senat zur Rücknahme einer Schulöffnung, und ziemlich lange verhinderte der Widerstand gerade auch der GEW die verfrühte Rückkehr der Schulen in den »Regelbetrieb«.

Die Streikbereitschaft von Pädagog*innen steht im Kontext ihres Verantwortungsbewusstseins für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Die »Identifikation mit dem Lehrberuf« wirkt als »Ressource des Arbeitskampfes«, aber zugleich »auch als Hemmnis«. So formulierte Christoph Wälz 2015 treffend. Das gilt auch 2021: Forderten viele Mitglieder aus sozialen und pädagogischen Gründen die Rückkehr der Schüler*innen in die Schulen, lehnten das andere wegen der Arbeitsbedingungen ab. Zugleich schulterten alle Kolleg*innen große Arbeitsbelastungen für ihre Schüler*innen. Rufe nach Streiks von ihrer Seite blieben vereinzelt. Helfen uns da Träume vom politischen Streik wirklich weiter?

Dass die GEW Wahljahre nutzt, um verstärkt für ihre Ziele zu werben, gehört zu ihren Kernaufgaben, auch, dass sie hierzu breite Bündnisse schmiedet. Covid legt die Schwächen des Bildungssystems gnadenlos offen. Das erfuhren unsere Kolleg*innen, Schüler*innen und Eltern am eigenen Leib. Zwei gute Erfahrungen gab es in der Pandemie: Die Solidarität der Kolleg*innen und die kleineren Lerngruppen im Wechselunterricht. Damit ist unsere Richtung vorgegeben. Das ab 2017 entwickelte Tarifvorhaben Gesundheitsschutz bietet die Gelegenheit, alle Erfahrungen und Kräfte zu bündeln. Hauptziel ist die Tarifierung kleinerer Lerngruppen (mehr in der bbz 05/06). Reden wir also nicht die GEW klein – machen wir sie gemeinsam noch stärker! Nach den Ferien geht es weiter!