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SchuleDigital ist nicht normal

Die Erfahrung des Fernunterrichts im Frühjahr 2020 hat offengelegt, wo es bei der Digitalisierung hakt. Bei einer Umfrage des Pankower Personalrats äußerten sich dazu 300 Beschäftigte.

15.12.2020 - von Christoph Wälz

Es war ein kopfsprungartiger, unvorbereiteter Sturz in das Homeschooling, was zunächst zur Versuch-und-Irrtum-Methode zwang.« So beschreibt eine Kollegin das, was ab März an Berliner Schulen passierte. Meist auf sich allein gestellt, mit improvisierten Werkzeugen, sehr unterschiedlichen Erfahrungen bei der digitalen Mediennutzung und ohne klare Vorgaben – so stellten sich die Pädagog*innen der »Mammutaufgabe, den Kontakt zu den Schüler*innen und die Gestaltung der Lernprozesse aus dem Homeoffice heraus zu digitalisieren«, wie es in der Auswertung einer im Juni durchgeführten Umfrage unter den pädagogisch Beschäftigten des Bezirks Pankow heißt.

Auch wenn die Ergebnisse dieser Umfrage bei einer Beteiligung von etwa acht Prozent nicht repräsentativ sind, werfen sie doch ein grelles Licht auf die Probleme an den Berliner Schulen. Dabei stehen die digitalen Probleme nicht für sich allein. Die seit vielen Jahren beklagten Rahmenbedingungen bei Klassengröße, Arbeitszeit und Ausstattung erschweren neue Wege auf Schritt und Tritt.

Digitale Konfusion ist Alltag

Am häufigsten haben die Beschäftigten die Nutzung privater Endgeräte für dienstliche Aufgaben als Problem benannt. Schon aufgrund der damit verbundenen heterogenen Situation bei der Hardware und Software kann von Datenschutz und Datensicherheit im schulischen IT-Gebrauch keine Rede sein.

Landes- und Bundespolitik haben sich seitdem diesem Problem gewidmet und die Anschaffung dienstlicher Endgeräte für Lehrkräfte in Aussicht gestellt. Man könnte fast meinen, die Pankower Pädagog*innen wären erhört worden, wenn nicht die Anschaffung noch einmal verschärft die Frage nach der Wartung aufwerfen würde. Hier sind sich die Teilnehmenden der Umfrage durchweg einig: Die Schulen müssen bedarfsgerecht mit IT-Administrator*innen ausgestattet werden. Eine Zumessung von einer Person pro Wochentag und Schule reicht vorne und hinten nicht.

Zu vielen einzelnen Aspekten des Fernunterrichts hat die Umfrage interessante quantitative Ergebnisse geliefert. So nutzten im Frühjahr immer noch 34 Prozent der Teilnehmenden einen privaten E-Mail-Account für dienstliche Aufgaben und nur 68 Prozent konnten bereits auf einen Dienst-Account zurückgreifen. Auch bei der schulischen Koordination digitaler Lernformen besteht Handlungsbedarf. So gaben nur knapp 20 Prozent an, dass die neuen Lernformen durch Konferenzbeschlüsse schulintern geregelt werden, was aus Sicht des Personalrats eigentlich die bessere Option wäre. In 31 Prozent der Fälle sprach die Schulleitung Verpflichtungen zur IT-Nutzung aus. Dabei sind die IT-Lösungen der Schulen dem Personalrat bisher kaum zur Mitbestimmung vorgelegt worden. Schon deswegen müsste eigentlich von Freiwilligkeit bei der Nutzung ausgegangen werden. Diese Baustelle kündigt der Personalrat an, zügig zu bearbeiten.

Sollen die Beschäftigten bei den anstehenden Veränderungen nicht verloren gehen, so müssen vor allem zwei weitere Aspekte von der Senatsbildungsverwaltung angegangen werden: Sehr viele Beschäftigte nannten die außerordentlich hohe Arbeitsbelastung, auch durch die Entgrenzung der Arbeitszeit, sowie den Fortbildungsbedarf für sich und das ganze Kollegium als Herausforderung und als Hemmnis für ihr pädagogisches Engagement.

Die Auswertung der Pankower Umfrage kann hier heruntergeladen werden: https://pr-schulen-pankow.de/information/digitalisierung