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SchulbauDurchblick für Weitsicht

Wie man aus einem 40 Jahre alten Schulgebäude einen modernen, lichtdurchfluteten Lernort entstehen lassen kann, der ein sinnvolles pädagogisches Arbeiten unterstützt.

01.05.2016 - von Ulrich Meuel und Klaus Will

Ein architektonisches Goldstück ist die Reinhardswald-Grundschule nun wahr­lich nicht. Sie liegt in Kreuzberg an der Gneisenau- /Ecke Baerwaldstraße und ist mit ihren Kieselwaschbetonplatten eher unauffällig. Allenfalls die grünen Fenster­rahmen sind etwas ungewöhnlich. Es ist eben eine in den Siebzigern errichtete typische Standardgrundschule.

Wer auf das Schulgelände der Reinhards­waldschule kommt, wird dann aber doch überrascht: Der neu gestaltete Schulhof hat alles, was man sich wünscht. Er ist begrünt, Wasser fließt in einen Teich, es gibt Sitzgelegenheiten, Spielgeräte, aller­lei Skulpturen und dazu noch einen Schulgarten. Schulleiter Werner Munk, der uns das alles zeigt, ist stolz darauf. Denn dieser Schulhof ist eine gemeinsame Ar­beit von Expertinnen, Schülerinnen und Lehrkräften: Sie haben ihn mit geplant und mit gebaut. Insbesondere die Schüle­rinnen haben Steine geschleppt, Sand ge­schaufelt, Pfosten eingeschlagen. Und die Spielgeräte wurden nach ihren Plänen gebaut. Das alles hat zwar etwas gedau­ert, aber es hat sich gelohnt. Nicht ohne Grund sieht die Anlage auch nach zehn Jahren noch gepflegt aus.

Ein Neubau ist nicht immer die Lösung

Hier zeigt sich die ökologische Ausrich­tung der Schule, die 1999 als wohl erste Grundschule in Berlin eine Photovoltaik­anlage von der damaligen BEWAG bekom­men hat. Eine Digitalanzeige im Eingang zeigt an, wieviel Strom sie erzeugt. Es ist nur eine kleine Anlage, aber immerhin spart die Schule damit jährlich 300 Euro. Etwas später wurde dann das Flachdach der Schule begrünt und schließlich der Schulhof neu gestaltet.

Als Munk 1987 als Schulleiter an die Grundschule kam, stand eigentlich deren Abriss an. Denn wie bei so vielen Schulen aus den 70er Jahren, war auch hier mit Asbest gebaut worden. Der neue Schullei­ter plante schon eifrig den Neubau, als die Mauer fiel und es plötzlich eine Men­ge anderer Probleme gab. Die Asbestsa­nierung wurde schließlich ganz aufgege­ben, weil in der Reinhardswald-Schule nicht die gefährlichen kurzen Asbest-Fa­sern verbaut worden waren, sondern die längeren. Aber auch für die eigentlich fällige Sanierung war in den 90ern kein Geld mehr da.

Erst im Jahr 2000 hatte Munk genügend Fördermittel zusammen und die ganze Schule wurde innerhalb von zehn Wochen renoviert. Heute sieht der vierzig Jahre alte Bau innen frisch und luftig aus. Dar­auf legen Munk und das Kollegium auch großen Wert: »Wir haben uns extra bera­ten lassen von Psychologinnen und In-nengestalterlnnen und dann vom Boden über die Wände bis zur Flurgestaltung und zur Möbelfarbe alle Farben festge­legt, also ein Farbkonzept für unsere Schule entwickelt. Bei uns gibt es das nicht, dass Eltern mit Farbeimern anrü­cken und die Klasse schweinchenrosa oder schwarz streichen, weil sie das ge­rade toll finden.«

Hell und transparent

Als wir ihn fragen, welche Bedingungen eine gute Schule für ihn zu erfüllen hät­ten, können wir ihn kaum stoppen: »Sie muss auf jeden Fall hell sein und trans­parent. Mit transparent meine ich, dass man von den Fluren in die Klassenräume schauen kann, diese also zumindest Glas­türen haben. Möglichst auch noch ein Fensterband in der Wand zum Flur, um eine weitere Öffnung zu haben. Leider haben wir das hier nicht verwirklichen können. Dann sollten jedem Klassenraum auch Gruppenräume beigeordnet sein, damit man keine langen Wege hat. Es müsste natürlich auch ausreichend An­schlüsse für die neuen Medien geben, das ist bei uns noch immer ein Riesenprob­lem. Außerdem finde ich gut, wenn sich möglichst viele Klassenräume nicht nur nach innen, sondern auch nach außen öffnen, also eine Terrasse oder einen Bal­kon haben, damit man auch mal Grup­penarbeit an der frischen Luft machen kann. Und alles müsste möglichst varia­bel sein, also veränderbar.«

Alle Tische und Stühle einer Klasse ha­ben die gleiche Farbe. Das erzeugt einer­seits ein Gruppengefühl und hat zudem den Effekt, dass man auch im Flur erken­nen kann, zu welchem Klassenraum ein Stuhl gehört. Anderseits sind alle Möbel höhenverstellbar und zu unterschiedli­chen Gruppengrößen zusammenstellbar. Vor dem Klassenraum stehen die Schuhe in Reih und Glied, denn innen gibt es überall Teppichboden, den man nicht mit Straßenschuhen betreten darf.

Der Arbeitsplatz für Lehrkräfte gehört dazu

Es sind relativ viele Kinder, die hier in einem Klassenraum von nicht einmal 60 Quadratmeter unterkommen müssen. Aber die Schule hat sich für ein Maximum an Doppelsteckungen entschieden und nimmt deswegen die hohen Frequenzen in Kauf: »Lieber 29 zu zweit als 24 al-Jein«, zitiert Munk die Kolleginnen. Ande­rerseits sei es bei der Doppelsteckung aber auch möglich, mit einer Gruppe rauszugehen. »Wir haben ja die Räume dafür, andere Schulen nicht«, erklärt er.

Immer mehr Schulen widmen die Flure als Versammlungsraum um, nutzen sie für Gruppenräume oder ähnliches. Auch hier wurde das versucht, denn es gibt auch hier relativ große Flure, die dafür gut genutzt werden könnten. In den Ecken hatte die Schule dann Gruppenar­beitsbereiche geplant. Die mussten aber wieder weg, als der Brandschutzbeauf­tragte das gesehen hat. Jetzt wird das flexibel gehandhabt.

Wie es mit dem Arbeitsplatz der Lehr­kräfte aussieht, wollen wir noch wissen. Beim Umbau sei ein zweites Lehrerinnen­zimmer dazugekommen. Die technische Ausstattung ist gut, aber jede Lehrkraft habe ja auch noch einen Arbeitsplatz im eigenen Klassenraum. Und dort stünden auch noch drei Netz-Computer.

Zum Schluss kommen wir noch auf die aktuelle Situation in Berlin und sprechen die Diskussion um ein »Landesinstitut Schulbau« an. Munk fände das gut und hilfreich. früher hätte man sich auf die bezirklichen Bauämter verlassen können. Diese seien gut und qualifiziert gewesen. Aber inzwischen gebe es einfach zu we­nig Personal. Einerseits wurden sehr viele Stellen abgebaut, andererseits seien aber auch eine Reihe qualifizierter Leute in die Wirtschaft gegangen, weil sie da erheblich mehr verdienen. Deswegen wäre eine Lö­sung wie in Hamburg durchaus sinnvoll. Das könnte die Schulen entlasten und sie könnten sich besser beraten lassen.

Das Beispiel Reinhardswald-Grundschu­Ie zeigt, dass engagierte Schulleitungen zusammen mit Kollegien und Eltern viel erreichen können. Kommt dann noch ein qualifizierter und aufgeschlossener Schul­träger hinzu, steht einer fast perfekten Schule kaum noch etwas im Wege. Aber gerade an der Unterstützung durch den bezirklichen Schulträger fehlt es häufig in Berlin - und sei es auch nur aus Perso­nalmangel.

Ulrich Meuel, ehe­maliger stellvertre­tender Schulleiter der Fritz-Karsen-Schule und Klaus Will, ehemaliger geschäftsführender Redakteur der bbz

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