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GewerkschaftEin Preis für mehr Zusammenhalt

Mit dem Mete-Ekşi-Preis werden Personen oder Projekte ausgezeichnet, die sich für mehr Austausch und Verständnis zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft einsetzen. Trotz Corona wurden auch in diesem Jahr zwei Gewinner*innen-Gruppen gekürt.

27.01.2021 - von Julia Zimmermann

Auch 2020 ist der Mete-Ekşi-Preis wieder ausgelobt wurden. Das Preisgeld wird finanziert durch den Mete-Ekşi-Fonds, der 1992 durch den Türkischen Elternverein Berlin Brandenburg e. V. und die GEW BERLIN gegründet wurde. Anlass war ein Streit unter Jugendlichen, der für den viel zu jungen Mete Ekşi tödlich ausgegangen war. Unter zahlreichen Bewerbungen hat das Kuratorium des Mete-Ekşi-Fonds zwei Projekte für den Preis vorgeschlagen. Mpower e.V., ein selbstorganisiertes Mädchen- und (junge) Frauenkollektiv, hat den ersten Preis mit einem Preisgeld von 2.000 Euro erhalten. Den zweiten Platz (1.000 Euro) belegt der Verein Schülerpaten Berlin e.V.. Dieser war bereits vor einigen Jahren Preisträger, hat das Kuratorium aber durch die Nachhaltigkeit des Projektes beeindruckt. Der Mete-Ekşi-Fonds hat beide Preisträger*innen gebeten, sich in einem kurzen Interview selbst vorzustellen und ihre Vorhaben mit dem Preisgeld zu beschreiben.

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung! Bitte stellt Euch beide doch kurz vor!

Mpower: Seit 2015 ist Mpower ein von Mädchen und jungen Frauen mit Migrations- und Fluchtbiografie selbstorganisiertes Kollektiv, das Projekte zur politischen und kulturellen (Film-)Bildung entwickelt und durchführt. Mädchen und junge Frauen erhalten die Möglichkeit, das eigene künstlerische Potential auszureizen und selbstbewusst zu transkulturellen künstlerischen Ausdrucksformen zu gelangen. Wir ermöglichen sichere Räume für Mädchen, um ihre Identität zu erkunden, mit anderen Mädchen in Kontakt zu treten und auf die dafür benötigten Ressourcen zuzugreifen.

Schülerpaten: Schülerpaten Berlin e.V. vermittelt Bildungspatenschaften zwischen engagierten Ehrenamtlichen und sozial benachteiligten Schüler*innen mit vorwiegend arabischem Migrationshintergrund. Die Pat*innen unterstützen ihre Patenkinder durch wöchentliche Treffen bei Schulaufgaben und stehen ihnen bei Fragen und Problemen des alltäglichen Lebens zur Seite. Auch gemeinsame Freizeitaktivitäten gehören zur Patenschaft. Der Verein sorgt für die erfolgreiche Vermittlung und Betreuung der Patenschaft und organisiert die Aus- und Weiterbildung der Pat*innen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch zu bewerben?

Mpower: Wir haben über Social-Media-Kanäle von der Ausschreibung erfahren und fanden, dass wir mit unserer Arbeit und unseren Themen wie Ungleichbehandlung, Diskriminierung und Rassismus gut zu den Kriterien des Preises passen.

Schülerpaten: Unsere Arbeit hat eine große Schnittmenge mit den Zielen des Mete-Ekşi-Fonds. Auch wir möchten mit unseren Patenschaften einen Beitrag zu mehr Zusammenhalt und Verständnis über kulturelle und sozioökonomische Grenzen hinweg leisten. Unsere Patenschaften schaffen Begegnungsmöglichkeiten auf individueller Ebene zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Die Patenschaften sollen zudem dazu beitragen, die Chancengerechtigkeit für eine häufig sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppe in Berlin zu verbessern.

Ihr habt euch erfolgreich beworben und konntet ein Preisgeld von 2.000 beziehungsweise 1.000 Euro gewinnen. Was plant ihr mit dem Preisgeld?

Mpower: Wir sind ein kleiner Verein, der sich durch ehrenamtliche Arbeit, Micro-Projekte sowie kleine Mitgliederspenden finanziert. Wir möchten das Geld vor allem in Honorare des Teams und in Technik für die Workshops investieren.

Schülerpaten: Rund 180 Ehrenamtliche engagieren sich als Pat*innen in unserem Verein. Um die Vermittlung und Betreuung der Patenschaften in dieser Größenordnung zu bewerkstelligen, sind wir auch auf die Unterstützung hauptamtlicher Kräfte angewiesen. Mit dem Preisgeld können wir einen Teil dieser Kosten decken und so auch im kommenden Jahr viele neue Pat*innenschaften vermitteln!

Und nun die abschließende Frage: Was wünscht ihr euch für euer Jahr als Mete-Ekşi-Preisträger*innen?

Mpower: Dass wir trotz der schwierigen Corona-Zeit unsere postmigrantische Initiative am Leben erhalten können und dass die Menschen sich jetzt besonders solidarisch zeigen.

Schülerpaten: Durch die Schulschließungen ist das Interesse an unseren Bildungspatenschaften bei Schulkindern und ihren Eltern noch größer als sonst. Wir wünschen uns daher, dass sich im kommenden Jahr noch mehr Menschen dazu entschließen, sich als Pat*innen bei uns zu engagieren!

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch ein erfolgreiches Jahr als Mete-Ekşi-Preisträger*innen!