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Schulsozialarbeit macht starkEine unverzichtbare Ressource

Das Landesprogramm »Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen« bietet verlässliche Strukturen und wird auf 600 Schulen ausgebaut.

07.12.2020 - von Marina Koch-Wohsmann und Sarah Heep

Die Schulsozialpädagog*innen sind in der pandemiebedingten Ausnahmesituation eine fachkompetente und wertvolle Unterstützung und tragen wesentlich dazu bei, dass die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien am Lern- und Lebensort Schule teilhaben und eine vielfältige Bildung erfahren können. Sie kümmern sich um individuelle Problemlagen, besuchen Familien und treffen Jugendliche bei Kiezspaziergängen und führen on- oder offline Klassenräte weiter. Außerdem vermitteln die Schulsozialarbeiter*innen an das Jugendamt oder andere Fachstellen und stimmen ihre Aufgaben mit der Schulleitung und den Lehrkräften ab.

Die Jugendhilfe unterstützt als starke und vielseitige Partnerin die Schulen bei den täglichen Herausforderungen. Unbefristete Kooperationsverträge sichern dabei die kontinuierliche Zusammenarbeit unter festgelegten Rahmenbedingungen. Es werden für die Jugendsozialarbeit regelhaft ein Arbeitsplatz und ein Ort für vertrauliche Gespräche bereitgestellt, das Fachkräftegebot eingehalten, die Unfallversicherung und das Verhalten im Fall einer Kindeswohlgefährdung sowie datenschutzrechtliche Aspekte festgelegt. Die Rahmenrichtlinien der Senatsverwaltung für das Programm, beispielsweise auch die Programmziele und die Maßgabe zur Verteilung neuer Stellen, werden im Beirat und in der senatsinternen Steuerungsgruppe diskutiert.

Ein klarer Rahmen mit ausreichend Flexibilität

Das Programm »Jugendsozialarbeit an Schulen« setzt dabei einen klaren Rahmen für die Umsetzung vor Ort und lässt ausreichend inhaltliche Flexibilität zu, um den vielfältigen Bedarfslagen der Kinder und Jugendlichen entsprechen zu können. Die Schule und der Träger der freien Jugendhilfe entscheiden bedarfsorientiert und gemeinsam über die konkrete inhaltliche Ausrichtung der Jugendsozialarbeit am Standort. Soziales Lernen mit den Schulanfänger*innen, individuelle Elternberatung, Patenschaften mit Geflüchteten oder Mitwirkung in Unterrichtsprojekten zu Cybermobbing sind nur einige der vielfältigen Aufgaben. Dafür werden jährlich Zielvereinbarungen abgeschlossen, die in einem Auswertungsgespräch mit allen Beteiligten reflektiert und weiterentwickelt werden. Darüber hinaus finden regelmäßig Gespräche mit der Schulleitung statt und die Jugendsozialarbeit berichtet zu ihren Aufgaben in den Schulgremien. Die Programmagentur der Stiftung SPI des Sozialpädagogischen Institutes Berlin »Walter May« ist im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie seit 2006 die Mittlerin zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen. Sie organisiert die Weiterleitung der Mittel und berät die Träger und Fachkräfte fachlich insbesondere beim Start neuer Projekte oder in eventuell auftretenden Konfliktfällen.

Von Anfang an findet die Kooperation im Schulalltag durch feste Tandems und Tridems statt. Die sozialpädagogischen Fachkräfte arbeiten mit Tandem-Lehrkräften im Tandem und an Grundschulen zusätzlich mit Tridem-Erzieher*innen im Tridem eng zusammen. Sie setzen gemeinsame Projekte um, arbeiten fallbezogen zusammen oder entwickeln Handlungsabläufe beispielsweise zur Gewaltprävention weiter. Die Träger der freien Jugendhilfe sind mit einer koordinierenden Person regelmäßig beratend an der Schule und die Fachkräfte haben den fachlichen Rückhalt in den Teams ihrer Träger. Die Sozialpädagog*innen können Supervision wahrnehmen, bei Bedarf auch gemeinsam im Tandem oder Tridem. Um die fachliche Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe zu stärken und ein gemeinsames Bildungsverständnis zu fördern, finden regelmäßige und verbindliche Fortbildungen für die Tandems und Tridems statt. Bei der Auswahl der Themen werden aktuelle bildungspolitische Inhalte und die Bedarfe der Teilnehmenden gleichermaßen berücksichtigt. Zuletzt fanden beispielsweise Veranstaltungen zum Umgang mit Mobbing, Diskriminierung oder Rassismus an Schulen und zu speziellen Beratungsmethoden statt. Organisiert wird die programminterne Fortbildung vom Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg in Kooperation mit der Regionalen Fortbildung Berlin.      

Die Standorte, vielfältige Praxis-Beispiele, die Richtlinien sowie eine  Zusammenfassung der Evaluation des Programmes durch die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg finden Sie unter www.spi-programmagentur.de.