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Schwerpunkt: Qualität per GesetzFachberatung als Motor guter Qualität

Ausführliches Wissen zu Fachberatungen und ihren Arbeitsbedingungen fehlt. Eine Studie beabsichtigt, diese Lücke zu füllen.

04.05.2021 - von Luisa Fischer, Annette Schmitt und Ruben Wendrock

Mit Inkrafttreten des Gute-KiTa-Gesetzes wird einmal mehr die Relevanz einer qualitativ hochwertigen frühen Bildung betont. Eine Schlüsselrolle in eben jener Qualitätsentwicklung und -sicherung kommt der pädagogischen Beratung und Begleitung von Fachkräften zu.

Im Rahmen des Gute-KiTa-Gesetzes hatten die Länder die Möglichkeit, Maßnahmen zur professionellen Begleitung von Fachkräften zu ergreifen. Insgesamt zehn Bundesländer setzen Maßnahmen im dritten Handlungsfeld »Qualifizierte Fachkräfte« um. Jedoch rückten lediglich drei Länder – Berlin, Nordrhein--Westfalen und Sachsen-Anhalt – explizit Fachberatung in den Fokus.

Ganz nüchtern in Zahlen betrachtet bedeutet dies, dass circa ein Prozent der 5,5 Milliarden Euro Gesamtmittel in den Bereich Fachberatung investiert wurde. Zusätzlich wird im Gute-KiTa-Bericht des Familienministerium aus dem Jahre 2020 herausgearbeitet, dass es bisher kaum Daten zu Fachberatung gibt. Von einem grundlegenden, gar bundesweiten Auf- und Ausbau von Fachberatung kann also bisher trotz ihrer hohen Bedeutung nicht die Rede sein.

Fachberater*innen haben vielfältige Aufgaben

In diesem Spannungsfeld zwischen Fachberatung als Schlüssel zu guter Kita-Qualität einerseits und fehlenden wissenschaftlichen Daten zur konkreten Situation von Fachberatung andererseits setzt die Studie »Fachberatungen in Kita, Hort und Kindertagespflege in Sachsen-Anhalt« des Kompetenzzentrums Frühe Bildung (KFB) der Hochschule Magdeburg-Stendal an. Eine umfassende Analyse der geltenden Gesetze, Verordnungen und Bildungspläne der Länder zeigte zunächst deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Eine anschließende Befragung von 45 Fachberater*innen in Sachsen-Anhalt zeigte unter anderem, dass größtenteils akademisch ausgebildete Personen als Fachberatung tätig sind, wobei fast die Hälfte der Befragten zusätzlich eine Ausbildung zur*m Erzieher*in angab. Zu ihren arbeitsintensivsten Aufgaben zählen personenbezogene Tätigkeiten wie zum Beispiel die Beratung von Leitung und Teams oder Prozessbegleitung sowie strukturentwickelnde Aufgaben wie die Arbeit an Konzeptionen.

Ein Berufsprofil entwickeln

Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich unter anderem folgende Handlungsempfehlungen ableiten:

Die erste Empfehlung sind einheitliche gesetzliche Regelungen auf Bundes- und Landesebene. Dies war einer der am häufigsten benannten Wünsche der befragten Fachberater*innen.

Zweitens wird die Etablierung eines verbindlichen Berufsprofils empfohlen. Das Berufs- und Aufgabenprofil von Fachberatung sollte klar definiert werden. Die Befragten wünschten ausdrücklich Unterstützung bei der Entwicklung eines geteilten Selbstverständnisses.

Die dritte Handlungsempfehlung ist die Etablierung eines spezifischen Fort- und Weiterbildungsangebots. Die Ergebnisse der Studie zeigen einen vielseitigen Fortbildungsbedarf zu speziellen Thematiken wie beispielsweise zu Teamentwicklungsprozessen, Supervision, Beratung von Leitungen und Prozessbegleitung.

Um nicht nur Wissen zu generieren, sondern auch die Vernetzung und Kooperation von Fachkräften voranzutreiben, gründete das KFB das Netzwerk Fachberatung Sachsen-Anhalt. Es bietet nicht nur eine Plattform für fachlichen Austausch, sondern stärkt auch die öffentliche Wahrnehmung von Fachberatung im Land und weist kontinuierlich auf den wichtigen Beitrag für eine qualitativ hochwertige frühe Bildung hin.   

Aktuelle Publikation dazu:

Anja Schwentesius/Luisa Fischer/Annette Schmitt: Fachberatung in Kita, Hort und Kindertagespflege – Analysen des Stands in Deutschland und empirische Ergebnisse zu Sachsen-Anhalt. Carl Link Verlag, Kronach (in Druck).

Vorbestellbar unter: https://shop.kita-aktuell.de/forschung-wissenschaft/66601187-fachberatung-in-kita-hort-und-kindertagespflege.html