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Guter Rat - BetriebsratFür gute und für schlechte Zeiten

Beim Träger JaKuS dürfen die Beschäftigten viel mitbestimmen. Trotzdem ist ein Betriebsrat wichtig, weil bei schwierigen Konflikten nur so die Interessen der Beschäftigten rechtlich gesichert sind.

05.02.2018 - von Martin Schröter

JaKuS ist als freier Träger der Jugendhilfe seit mehr als 20 Jahren in Berlin aktiv. Geschäftsführung und Mitarbeiter*innen sind zu Recht stolz auf die im Alltag gut funktionierende Zusammenarbeit, das gegenseitige Vertrauen und die offenen Auseinandersetzungen, die auf allen Ebenen möglich sind. Neue Entwicklungen werden offen diskutiert, Entscheidungen transparent gemacht, die Geschäftszahlen den Mitarbeiter*innen auf Gesamtteamsitzungen vorgelegt und erklärt.

Sowohl in der täglichen Arbeit als auch bei der Aufstellung des Trägers gibt es Mitgestaltungs- und Mitentscheidungsmöglichkeiten, die alle Beschäftigten wahrnehmen können. Das kollegiale Miteinander funktioniert in der Regel gut und der Weg zur Leitung ist auch im Krisen- oder Konfliktfall kurz. Im Beratungs- und Kontrollausschuss (kurz: BKA) sind Mitarbeitervertreter*innen an allen strategischen Entscheidungen beteiligt, und derzeit diskutieren wir sogar über eine Ausweitung der Mitarbeiter*innenbeteiligung durch neu zu bildende Kreise, Delegierte, neue Formen der Moderation und Konsensentscheidungen statt oberflächlicher Konsensfindung.

Trotz der überwiegend guten Arbeitsbedingungen und der im besten Sinne kollegialen Atmosphäre lässt sich nicht ausblenden, dass wir kein verschworener Haufen mit einem fantastischen gemeinsamen Projekt sind. Tatsächlich sind wir Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen, die versuchen ihre sich mitunter widersprechenden Interessen im Alltag in möglichst weitgehende Übereinstimmung zu bringen.

Das klappt aber natürlich auch bei uns nicht immer. Besonders zu Beginn oder am Ende der Beschäftigung bei JaKuS klafft da manchmal eine deutliche Lücke. Neue Kolleg*innen müssen für sich erst einmal herausfinden, ob sie dauerhaft Teil des Kollegiums werden wollen. Und wer weg will, hat dann auch plötzlich andere und ganz eigene Prioritäten. Hier ist es hilfreich, wenn ein Betriebsrat als etabliertes Gremium mit klarer Mitarbeiter*innen-Perspektive, ausgestattet mit Informations- und Mitbestimmungsrechten unterstützen, beraten und vermitteln kann.

Und es gibt weitere Konstellationen, in denen ein Betriebsrat wichtig ist, zum Beispiel in Krankheitsfällen, bei Pflegezeiten für die Eltern oder wenn es Konflikte mit Kolleg*innen oder der Leitung gibt. Vor allem, wenn es um die individuellen Interessen von einzelnen Mitarbeiter*innen geht, ist der Betriebsrat ein unverzichtbares Gremium.

Der Betriebsrat ist kein Gegenspieler der Geschäftsführung und erst Recht keine »Gegenregierung«. Arbeitgeber*in und Betriebsrat arbeiten vertrauensvoll zum Wohl der Arbeitnehmer*innen und des Betriebs zusammen. Über strittige Fragen müssen sie mit dem ersten Willen zur Einigung verhandeln. So steht es im Betriebsverfassungsgesetz. Vertrauensvoll zusammenarbeiten, aber mit einer anderen Perspektive schauen und klar parteiisch sein – das ist die Aufgabe, die ein Betriebsrat auch bei JaKuS neben all den anderen Gremien hat.