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blz 10 / 2007Jubiläum: blz im 75. Jahrgang

1920 ist die erste Ausgabe der „Berliner Lehrerzeitung“ erschienen.

01.10.2007 - Klaus Will

Gute KopfrechnerInnen merken natürlich sofort, dass hier etwas nicht stimmen kann: 1920 entstanden und 2007 erst 75 Jahre alt? Des Rätsels Lösung liegt in der deutschen Geschichte: Der Berliner Lehrerverband und seine Zeitschrift wurden Ende 1934 in den „Nationalsozialistischen Lehrerbund“ eingegliedert. Erst 1947 konnte die blz wieder erscheinen, und zwar mit der Angabe 15. Jahrgang. Die Jahre 1934 bis 1946 wurden also nicht mitgezählt.

Wie alles anfing

Der Vorläufer der GEW BERLIN wurde am 24.9.1880 als Berliner Lehrerverein (B.L.V.) gegründet, in ihm schlossen sich der Kommunallehrerverein von 1849 und der Berliner Bezirksverband des Deutschen Lehrervereins 1871 zusammen. Die „Berliner Lehrerzeitung“ erschien 1920 zum ersten Mal als Beilage zur Allgemeinen Deutschen Lehrerzeitung (ADLZ) des Deutschen Lehrervereins. Ab 1926 war sie dann eine selbstständige Zeitung des Berliner Lehrervereins, der zu diesem Zeitpunkt 3.400 Mitglieder hatte.

Nach dem Krieg gab es ab dem 5. Mai 1947 die vom neugegründeten Berliner Verband der Lehrer und Erzieher (BVL) herausgegebene Zeitung Die Lehrergewerkschaft. Erst mit Beginn des Jahrgangs 1952 erhält die Mitgliederzeitschrift des BVL wieder ihren historischen Namen Berliner Lehrerzeitung. Seitdem gibt es zwei verschiedene Jahrgangsangaben auf dem Titel: Die erste Jahreszahl zählt die Jahrgänge nach Kriegsende (1947 = 1. Jahrgang), die Jahreszahl in der Klammer die Jahrgänge seit Bestehen der Zeitschrift im Jahr 1920.

Erster Schriftleiter nach dem Krieg war Gustav Kuhrt, der auch schon 1920 beim Start der BLZ dabei war. Ihm folgte Fritz Stach. Mit der Rückkehr zum alten Namen der Verbandszeitung wurde die Schriftleitung des Vereinsorgans dann in „jüngere Hände“ gelegt, wie Richard Schröter, der damalige Vorsitzende des BVL, schrieb. Die jüngeren Hände gehörten Fritz Opitz, der aber auch schon 52 Jahre alt war und „in den zwanziger Jahren im Kampf gegen Junglehrernot und im Kampf um den Schutz der Schule groß geworden ist."

Zwölf  Jahre, bis 1964, war Opitz Schriftleiter der BLZ, ein Jahr später ist er pensioniert worden. Opitz hat die Zeitung in dieser Zeit allein gemacht und laut Erich Fristers Würdigung damit „eine der führenden deutschen Lehrerzeitungen geformt“.

Die Bleiwüste wird aufgelockert

Mit dem Ende der Ära Opitz verschwand nicht nur das seit 1959 auf dem Titel platzierte Brandenburger Tor mit dem Spruch „Macht das Tor auf“, sondern die BLZ wurde unter der Verantwortung von Erich Frister grundsätzlich umgekrempelt und modernisiert.

Die BLZ wird eine richtige Zeitschrift mit Kunstdruckpapier-Umschlag und graphisch aufbereiteten Titel- und Rückseiten. Im Innenteil gibt es jetzt nicht mehr nur Prominenten und Versammlungsfotos, sondern auch Illustrationen zu den Artikeln. Jede Ausgabe eröffnet mit einem Kommentar, regelmäßige Rubriken mit Kurznachrichten (BLZ-aktuell), mit Berichten (BLZ-berichtet) und mit Kurzbesprechungen von Büchern (BLZ-gelesen) ergänzen die nicht rubrizierten Artikel.

Erich Frister und drei weitere Redakteure sowie ein Grafiker hatten für ein Jahr die Schriftleitung mit dem Auftrag übernommen, „eine größere publizistische Wirksamkeit der Berliner Lehrerzeitung innerhalb und außerhalb des Verbandes herbeizuführen“. Ob das erreicht wurde, wissen wir nicht, aber zumindest ist die BLZ nach der Blattreform wesentlich lesefreundlicher und lockerer geworden, nicht nur wegen der besseren Gestaltung, sondern auch, weil die Texte nun journalistisch aufgemacht wurden durch attraktive Überschriften und Zwischenüberschriften: „Tango, Twist und Mashed Potatoes“ war beispielsweise der Bericht über den Lehrerball 1965 betitelt.

Die „BLZ-Kommission“, die die Blattreform für den Vorstand beurteilen sollte, war nicht so begeistert. Sie empfahl, die „Bildmenge zu reduzieren und die Bildauswahl stärker zu differenzieren“ (BLZ 7/1966, Seite 20). Fristers Nachfolger Bernhard Grunert folgt leider der Empfehlung der Kommission. Ab 1966 ist die BLZ wieder sehr textlastig. Außerdem verschwindet die journalistische Aufbereitung der Artikel. Allerdings muss Grunert die BLZ auch allein machen, denn die bisherigen Redakteure scheiden aus und neue rücken nicht nach. Erst im Gefolge der Auseinandersetzungen um die politische Ausrichtung der GEW zieht er sich Ende 1974 zurück. Bis zum endgültigen Ausschluss der GEW BERLIN aus GEW und DGB wegen Verweigerung der Unvereinbarkeitsbeschlüssen im Februar 1977 ist Eckhard Herrmann Schriftleiter.

Wegen Unvereinbarkeit ausgeschlossen

Ab der ersten Ausgabe der BLZ nach dem Ausschluss (BLZ 3/1977: „Wir machen weiter!“) zeichnet Uwe Duske als Schriftleiter, ab der Ausgabe 11/1979 nennt er sich „verantwortlicher Redakteur“. Nun werden auch die weiteren Redaktionsmitglieder namentlich aufgeführt.

An der Gestaltung der BLZ ändert sich zunächst wenig, teilweise wird es sogar noch textlastiger, weil die politische Diskussion fast den Rahmen der BLZ sprengt und man jede Ecke mit Text ausfüllt. 1978 wird dann mit revolutionärem Elan die gesamte blz auf die Kleinschreibung umgestellt. Jetzt heißt die Zeitschrift also nicht mehr BLZ, sondern blz. Das bleibt auch so, als im Juni 1979 die beiden Verbände wieder unter dem Dach der Bundes-GEW und des DGB fusionieren. Erst 1996 wird die Großschreibung wieder eingeführt, weil die AutorInnen die Kleinschreibung boykottieren. Von der Großschreibung wird nur noch das Namenskürzel ausgenommen, die blz heißt weiterhin blz. Kurz bevor Duske seine Verantwortung für die blz aufgibt, erfindet er den Wandkalender, der seit Januar 1980 der blz beiliegt und bis heute eine große Fangemeinde hat. Werner Munk übernimmt für zwei Jahre ab Dezember 1980 die Nachfolge von Duske, im Juni 1982 wird dann Ulrich Meuel verantwortlicher Redakteur für fünf Jahre. Ihm folgt für sechs Jahre Bettina Liedtke (ab 7/1987). Bettina ist aber bis zum heutigen Tag Mitglied der Redaktion – und kann bald ihr 25-jähriges blz-Jubiläum feiern. Damit ist sie die dienstälteste blz-Redakteurin aller Zeiten!

Die lange Suche nach dem richtigen Namen

Der Name „Berliner Lehrerzeitung“ ist einfach und prägnant, allerdings passte er schon lange nicht mehr so richtig zur GEW, die seit geraumer Zeit keine reine Lehrergewerkschaft mehr ist und in der außerdem die Lehrerinnen nicht nur die überwiegende Mehrheit bilden, sondern kritischer als frühere Generationen auf geschlechtspezifische Benennungen reagieren.

Zunächst wird 1980 der Untertitel der blz geändert, um den Anspruch zu bekräftigen, nicht nur Lehrergewerkschaft zu sein. Die blz ist nun im Untertitel eine „Zeitschrift für Lehrer, Erzieher und Wissenschaftler in der GEW BERLIN“. Im Oktober 1988 wird wegen anhaltenden Kritik das Binnen-I in den Zeitungsnamen gehievt: berliner lehrerInnenzeitung. Weil das alles nicht so recht befriedigte, heißt unsere Mitgliederzeitschrift jetzt nur noch blz und im Untertitel ist die Zeitschrift lediglich für Mitglieder der GEW BERLIN.

Mit der Umbenennung in blz wird 1993 auch die Zeitschrift selbst völlig neu gestaltet („Relaunch“ nennen die Experten das) und die Produktion umgestellt. Die Redaktion macht seitdem die Seitengestaltung nicht mehr selbst mit Papier, Schere und Prittstift (Papierumbruch) und bis tief in die Nacht, sondern das wird jetzt von einer professionellen Layouterin am Bildschirm und tagsüber erledigt. Aber damit waren die Veränderungen noch lange nicht zu Ende. Es begann eine Experimentierphase, in der das Layout nach und nach weiter entwickelt wurde bis zur heutigen Form. Verantwortlicher Redakteur in dieser Umgestaltungszeit von 1993 bis Mai 2005 ist Pit Rulff, der damit den Rekord von Opitz (12 Jahre) einstellt. Seit gut zwei Jahren ist Sigrid Baumgardt verantwortliche Redakteurin. Sie hatte zuvor als Pressesprecherin die blz-Arbeit kennengelernt.

Die Inhalte

In der Nachkriegszeit und insbesondere in Berlin standen der Neuaufbau des Bildungswesens und die materielle Lage der Lehrer im Mittelpunkt der Berichte der Lehrerzeitung. Aber der damalige Vorsitzende Richard Schröter betonte in seinem Grußwort zur ersten „Berliner Lehrerzeitung“ nach dem Kriege, dass der Lehrerverband „als Kulturgewerkschaft umfassendere Aufgaben als andere Gewerkschaften“ habe. Das schlug sich auch in der BLZ nieder, die nicht nur Artikel zur Schul- und Bildungspolitik veröffentlichte, sondern ebenso Beiträge zu allgemeinen pädagogischen Themen und Beiträge zur Kultur- und Geistesgeschichte. So ehrte man zum Beispiel Hermann Hesse anlässlich seines 75. Geburtstages mit einem Bild auf der Titelseite der August-Ausgabe 1952. In der gleichen Ausgabe gab es im Innenteil einen Artikel „Die Berliner Lehrerschaft grüßt Eduard Spranger in dankbarer Verehrung!“

Diese Artikel nehmen mit der Zeit etwas ab und an ihre Stelle treten Berichte über Schule und Erziehung in anderen Ländern und Reiseberichte von Gewerkschaftsdelegationen. So berichtet Heinz Buchholtz ausführlich von einer Israel-Reise (April-Ausgabe 1961). Daneben erscheinen aber vermehrt Artikel über und zur Unterrichtspraxis (Berufsschule, Film, Funk und Fernsehen, Fremdsprachen) – und natürlich zum Mauerbau am 13. August 1961. Ende der 60er Jahre ist dann die Diskussion über die Gesamtschule, aber auch über Schulstrafen und körperliche Züchtigung bestimmend.

Die unterschiedlichen politischen Flügel innerhalb der GEW sind schon Anfang der siebziger Jahre in der BLZ erkennbar. So distanziert sich Günter Gessner zum Beispiel in der BLZ 3/1971 von jungen Kollegen, „denen es darum geht, aus unseren Schülern kleine Kommunisten zu machen“. Und Schriftleiter Bernhard Grunert zitiert in seinem Editorial der BLZ 4/1971 einen Beschluss des Hauptvorstandes der GEW BERLIN: „Ein Bekenntnis zur Diktatur – auch der Diktatur des Proletariats – ist mit der Mitgliedschaft in der GEW BERLIN unvereinbar.“ Ein Leser beschwert sich wiederum über einen Artikel, in dem die „von Ost-Berlin eingeführte Bezeichnung“ BRD verwendet wurde. Die Leserbriefseiten werden immer voller. Neue Autorennamen tauchen auf: Kaczerowsky, Kujawa, Rockstroh, Laube...

Nach dem Rausschmiss aus GEW und DGB 1977 erhalten allgemeinpolitische Artikel in der blz einen höheren Stellenwert: Berufsverbote, Anti-AKW-Bewegung, Bürgerinitiativen und die internationale Solidarität mit Befreiungsbewegungen sind die Themen, die aber die schul- und bildungspolitischen Themen nicht verdrängen. Diese Mischung ist eigentlich bis heute so geblieben.

Weitere Höhepunkte der blz
Mit dem Dezemberheft 1978 gibt es zum ersten Mal in der blz das Thema Frauen als Schwerpunktthema, durchgesetzt von einer im Jahr zuvor gegründeten Fraueninitiative in der GEW. In der 12/1979 gibt es rosa Mittelseiten „Schwule und Schule“, in der 3/1980 lila Mittelseiten „Lesben in der Schule“.

Nicht zuletzt erscheint die blz seit 1988 im GEW-Verlag GEWIVA, der sowohl die Verlagsaufgaben als auch die Anzeigenverwaltung erledigt und die Arbeit der blz-Redaktion koordiniert und unterstützt. Und seit der Ausgabe 2/1999 stehen die Artikel der blz auch auf der Internetseite der GEW BERLIN.