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blz 11 / 2014Kitas sind Bildungseinrichtungen

Zehn Jahre Bildungsprogramm für Kindertagesstätten in Berlin

01.11.2014 - Christiane Weißhoff, Leiterin Vorstandsbereich Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit

Die Einführung des Berliner Bildungsprogramms für die Kindertagesstätten (BBP) vor zehn Jahren hat wesentlich dazu beigetragen, die frühkindliche Bildung und Erziehung zu stärken. Die Berliner Kitas sind wichtige und anerkannte Bildungsorte, die im Berliner Bildungssystem fest verankert sind.

Rechtzeitig zu seinem zehnjährigen Jubiläum liegt nun die überarbeitete Fassung des Berliner Bildungsprogramms für die Kitas und Kindertagespflege vor. In die neue Auflage wurden die gesammelten Erfahrungen aus der pädagogischen Praxis mit dem BBP eingearbeitet sowie mit neuen wissenschaftlichen und bildungspolitischen Erkenntnissen verknüpft.

Die grundsätzliche Struktur des BBP ist in der aktualisierten Überarbeitung beibehalten worden. Die Kindertagespflege wurde als gleichwertiges Angebot aufgenommen. Ein Schwerpunkt des BBP ist die Arbeit mit den jüngsten Kindern. In den grundsätzlichen Kapiteln zum Bildungsverständnis, zu den Zielen des pädagogischen Handelns und zur Gestaltung von Bildungsprozessen gibt es ergänzend Qualitätsansprüche zur Orientierungsqualität. Statt sieben gibt es nun sechs Bildungsbereiche:

  • Gesundheit,
  • Soziales und kulturelles Leben,
  • Kommunikation: Sprache, Schriftkultur und Medien,
  • Mathematik,
  • Natur-Umwelt-Technik,
  • Kunst: Bildnerisches Gestalten, Musik, Theaterspiel.

In den sechs Bildungsbereichen finden sich viele neue Anregungen für die Praxis. Außerdem werden in jedem Bildungsbereich nun auch Verbindungen zu anderen Bildungsbereichen hergestellt. Vertiefungsschwerpunkte sind unter anderem Übergänge – Resilienz, alltagsintegrierte sprachliche Bildung, Inklusion – Diversität – Gender Mainstreaming, Integration von Kindern mit Behinderungen/Frühförderung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Zusammenarbeit und Kommunikation im Team, Aufgaben und Verantwortung der Leitung und des Trägers. Die Qualitätsansprüche und Qualitätskriterien zu den Aufgabenbereichen der internen Evaluation wurden aktualisiert und sind vollständig in das BBP aufgenommen worden.

Das aktualisierte BBP – Anlass zum Handeln

Mit der verbindlichen Einführung des BBPs kamen umfängliche neue Aufgaben auf die Kitas zu. Insbesondere die gewünschte Qualitätsverbesserung hat riesige Anforderungen vor allem an die ErzieherInnen und LeiterInnen der Berliner Kindertagesstätten gestellt. Die pädagogischen Fachkräfte müssen vielfältige Aufgaben erfüllen sowie neue Methoden und Instrumente anwenden.

Dafür waren und sind die Rahmenbedingungen nach wie vor nicht vorhanden. Zwar ist es 2010 nach erfolgreichen Aktivitäten, beispielsweise dem Volksbegehren, gelungen, die Personalausstattung zu verbessern, aber noch arbeiten nicht ausreichend ErzieherInnen in den Kitas, um die anspruchsvollen Ziele adäquat umsetzen zu können. Vor allem für die mittelbare pädagogische Arbeit, für Vor- und Nachbereitung, für die Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Entwicklung, für die Arbeit mit den Eltern haben ErzieherInnen zu wenig Zeit.

Bereits 2008 haben öffentliche und freie Kitaträger in einer Arbeitsgruppe festgestellt, dass 23 Prozent der Arbeitszeit für die mittelbare pädagogische Arbeit notwendig sind. Das entspricht rund neun Stunden der wöchentlichen Arbeitszeit. Der Personalschlüssel berücksichtigt die notwendigen Zeitbudgets für die mittelbare pädagogische Arbeit nicht in erforderlicher Weise. Auch wird die derzeitige ErzieherIn-Kind-Relation den hohen Ansprüchen an eine sinnvolle pädagogische Förderung nicht gerecht.

Personalausstattung

  • Das Land Berlin setzt mit dem BBP hohe Standards für die pädagogische Arbeit. Die GEW BERLIN fordert, dass Berlin auch den nächsten Schritt tun und für diese Standards die angemessenen Rahmenbedingungen schaffen muss:Die ErzieherInnen brauchen einen Rechtsanspruch auf verbindliche Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeit.
  • Der Leitungsschlüssel muss dringend verbessert werden.
  • Die ErzieherIn-Kind-Relation, insbesondere für die Kinder unter drei Jahren, muss kindgerecht und pädagogisch sinnvoll sein.

Das aktualisierte BBP ist ein guter Anlass, um die Auseinandersetzung für eine verbesserte Personalausstattung erneut aufzunehmen. Die GEW BERLIN erwartet von der Bildungssenatorin Scheeres einen Zeit- und Maßnahmenplan, wie dies erreicht werden kann. Der Verweis auf den quantitativen Ausbau befriedigt nicht und löst nicht die strukturelle Unterausstattung. Die ErzieherInnen leisten anspruchsvolle Arbeit, die Anerkennung und Wertschätzung verdient. Wer Qualität will, muss dafür die Voraussetzungen schaffen!