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bbz 12 / 2019Kooperation ist hilfreich

An der Montessori-orientierten Nürtingen-Grundschule in Kreuzberg gibt es eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Schulsozialarbeit, Lehrkräften und Erzieher*innen

05.12.2019 - vom Team der Schulsozialarbeit der Nürtingen-Grundschule

Seit 17 Jahren ist der Träger Kotti e.V. in der Nürtingen-Grundschule und sorgt mit einem Team der Schulsozialarbeit für personelle Kontinuität und einen gemeinsamen Haltungskonsens. Die Basis der Arbeit sind Kooperationen auf verschiedenen Ebenen. Diese umfassen die Zusammenarbeit mit Pädagog*innen am Ort Schule und beziehen den engen Austausch zwischen Schulsozialarbeit, Hort, Schule und den Erziehungsberechtigten mit ein.

Die Zusammenarbeit mit Pädagog*innen ist besonders hervorzuheben, auch wenn es mitunter schwierig ist, Zeitfenster zu finden, in denen alle Professionen verfügbar sind. Dies ergibt sich vor allem daraus, dass die Hauptbetreuungszeit der Erzieher*innen genau dann beginnt, wenn die der Lehrkräfte endet. Immer wieder müssen wir verdeutlichen, dass eine Pause zwischen zwei Unterrichtsstunden kein guter Zeitpunkt für ein intensives Gespräch ist.

Der Umgang mit der heterogenen Schüler*innenschaft ist eine der großen Herausforderungen. Wir beobachten in unserer Praxis einen wachsenden Beratungsbedarf der Pädagog*innen. Teilweise übersteigt dieser die sozialpädagogische Beratung und weist Überschneidungen in den Bereich des Coachings auf.

Wenn Unterricht nur schwer möglich ist

Ein Kind, das gerade wütend wird und einen Konflikt mit anderen Kindern beginnt oder aus einer Frustration heraus Unterrichtsmaterial zerstört, stellt mich vor die Entscheidung, mich entweder um das eine Kind oder um den Rest der Klasse zu kümmern. Wenn wir hingegen mit zwei Pädagog*innen in der Klasse arbeiten, kann ich mich um die Bedürfnisse des Kindes kümmern, während mein*e Kolleg*in den Unterricht weiterführt.

Es gibt Kinder, die stellen uns scheinbar vor so große Herausforderungen, dass sie als nicht mehr beschulbar gelten. An der Nürtingen-Grundschule haben wir den Anspruch, auch diesen Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen. Hier kommen wir in den Jugendhilfebereich »Hilfen zu Erziehung«, der eine sehr intensive Arbeit mit den Erziehungsberechtigten ermöglicht.

Ein Ansatz, dieser Herausforderung zu begegnen, ist das Konzept ISI (Inklusive systemische Intervention), welches vor fünf Jahren als Kooperationsprojekt zwischen dem Jugendamt Friedrichshain-Kreuzberg, Kotti ev. und der Nürtingen-Grundschule entwickelt wurde. Ein Beispiel: In der einer Klasse ist seit Wochen nur noch eingeschränkt Unterricht möglich, da es häufig zu Störungen und Konflikten kommt. Oftmals ist ein Kind der Jahrgangsstufe Eins involviert. Am Freitag spitzte sich die Situation so zu, dass dieses Kind einen anderen Schüler mit einer Schere bedrohte. Die Klassenlehrerin fühlt sich überfordert, da sie mit einem solchen Verhalten noch nie konfrontiert war. Daraufhin sucht sie in der Schulsozialarbeit Unterstützung in einem gemeinsamen Beratungsgespräch.

Die Mitarbeiter*innen der Schulsozialarbeit zeigen folgende Möglichkeiten auf, um mit der Situation weiter umzugehen:

  • Stärkung der eigenen Handlungsfähigkeit, durch Supervision, kollegiale Beratung und Coaching;
  • Elterngespräche, um Herauszufinden woher diese Verhaltensweisen des Kindes kommen; inwieweit die Erziehungsberechtigten Kenntnis von derartigem Verhalten ihres Kindes haben, ob sie möglicherweise selbst damit konfrontiert sind und wie Konflikte im familiären Umfeld gelöst werden.
  • Hospitationen in der Klasse, um sich ein eigenes Bild der Situation zu machen und konkretere Beratung anzubieten.

Einige Wochen später findet eine Schulhilfekonferenz statt. Um das Kind Zuhause, am Ort Schule, sowie nachmittags im Hort bestmöglich begleiten zu können, soll ISI in die Wege geleitet werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Erziehungsberechtigten einen Antrag auf Hilfen zur Erziehung beim Jugendamt stellen und ein sonderpädagogischer Förderbedarf sowie ein erhöhter Betreuungsbedarf am Nachmittag vorliegen.

Wichtig ist es am Ende immer wieder, den Kolleg*innen mitzuteilen, dass wir sie in ihren Aufgaben unterstützen, beraten und begleiten können. Übernehmen können und wollen wir sie jedoch nicht.