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blz 07 - 08 / 2014Lebendige Berliner Schulpsychologie

Zukunftsorientierte Tagung beschließt Maßnahmenkatalog

01.07.2014

Wir, die Vereinigung Berliner Schulpsychologinnen und Schulpsychologen in der GEW und die Sektion Schulpsychologie Berlin des Berufsverbandes Deutscher PsychologInnen, hatten zu einer Konferenz der Berliner Schulpsychologie am 15. und 16. Mai 2014 ins Jagdschloss Glienicke eingeladen.

Anlass für diese generations- und bezirksübergreifende Zusammenkunft war der Wunsch nach Reflexion über die aktuelle Situation der Berliner Schulpsychologie. Die Zukunft mit ihren Chancen und Hindernissen sollte hier gemeinsam erörtert werden. Ein Fokus lag auf den Fragestellungen: Wie kann die Berliner Schulpsychologie mitgestalten unter den neuen Herausforderungen in Schule und Bildung und wie in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten? An der zweitägigen Veranstaltung nahmen 37 Berliner SchulpsychologInnen aus 12 Schulpsychologischen Beratungszentren und der Senatsverwaltung teil.

Damit war fast die Hälfte der Berliner SchulpsychologInnen anwesend, um sich auszutauschen, zu diskutieren, Aktionen zu planen und Maßnahmen festzuhalten. Es wurde deutlich, dass der etablierte schulpsychologische Fachdienst mit einer großen Kompetenzvielfalt, einem umfangreichen Erfahrungsschatz und einem äußerst breiten Unterstützungsangebot aufwarten kann.

Deutschland steht schlecht da

Bereits vor den aktuellen Stellenkürzungen gab es eine Unterversorgung für die Berliner SchülerInnen und das Schulpersonal aufgrund der immer geringer werdenden personellen Ausstattung in den Schulpsychologischen Beratungszentren seit über zehn Jahren. Gleichzeitig nahmen und nehmen die Anforderungen und der Bedarf an schulpsychologischer Unterstützung zu. Für Ratsuchende mit raschem Hilfebedarf steigen die Wartezeiten in unzumutbarer Länge. Im Eröffnungsvortrag der Schulpsychologiedirektoren Lothar vom Hofe und Klaus Seifried wurde verdeutlicht, dass Deutschland im Ländervergleich Schluss-licht ist, wenn es um die Anzahl der SchulpsychologInnen pro SchülerInnen geht. Während Länder wie Dänemark, Spanien, Kroatien und andere EU-Länder ein Verhältnis von rund 1:1.000 aufweisen können, schwankt die personelle Ausstattung in Berlin je nach Bezirk zwischen 1:3.000 und 1:6.000. Aufgrund der Unterversorgung ist es kaum möglich, den vielen Anfragen von Eltern, Lehrkräften und SchülerInnen gerecht zu werden und dabei den Standard der Arbeitsqualität aufrechtzuerhalten. Doch sollen wir wirklich unsere Ansprüche auf das zurzeit noch Machbare absenken?

Es galt zu erörtern, was die Berliner Schulpsychologie eigentlich ausmacht, welche Bedürfnisse einerseits an die Arbeitsbedingungen gestellt werden und welche Bedürfnisse andererseits an die Schulpsychologie herangetragen werden. Zudem wurde thematisiert, wie schulpsychologische Themen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, wie die Qualität der Arbeit gesichert und die Kooperation mit Wissenschaftseinrichtungen ausgebaut werden kann. Diese Themen wurden in Arbeitsgruppen diskutiert, Ideen zur Umsetzung wurden gesammelt und die nächsten Schritte festgelegt.

Es muss erst Schlimmes passieren

Die Arbeit der auf Gewaltprävention und Krisenintervention spezialisierten SchulpsychologInnen sind medienwirksam und werden in der Politik und in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. So kam es in der Vergangenheit nur dann zu Stellenerhöhungen in verschiedenen Bundesländern, wenn tragische Ereignisse in Schulen bittere Realität wurden, also wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen war. Der Nutzen der schulpsychologischen Tätigkeit geht weit über Kriseninterventionen hinaus:

Wenn langfristig Schulversagen und Jugendkriminalität abgewendet, Schuldistanz vorgebeugt und die Gesundheit von Lehrkräften und Schulteams auch präventiv unterstützt werden kann, fördert dies nicht nur das Wohlbefinden im gesellschaftlichen Zusammenleben dieser Stadt, sondern es spart immense Kosten, zum Beispiel im Kinder- und Jugendhilfebereich, Jugendstrafvollzug, Krankheitsausfälle, Frühpensionierung von Lehrkräften. Hier gilt es über die Wirksamkeit im Einzelfall und im System Schule und über die Bedeutung schulpsychologischer Tätigkeit aufzuklären und eine Lobby bei Interessensvertretungen, Gewerkschaften, Politik, Verbänden und Gremien herzustellen.

Viele TeilnehmerInnen begrüßten die positive Stimmung, das lebendige, lösungsorientierte Arbeiten und die zukunftsorientierte Ausrichtung der Tagung. Der Maßnahmenkatalog nach den zwei Tagen zeigt, dass engagierte SchulpsychologInnen sich neben ihrer Tätigkeit für Qualitätssicherung und mehr Transparenz intern und in der Öffentlichkeit im Interesse der Berliner Schulpsychologie und damit der Berliner Schullandschaft einsetzen werden.