GEW - Berlin
Du bist hier:

Klimakrise - was tun wir?Mit Bildung durch die Klimakrise

Schüler:innen zu ermuntern, die Welt zu hinterfragen und zu gestalten – das ist die Aufgabe der Schule. So können junge Menschen den großen Krisen unserer Zeit begegnen.

04.09.2020 - von Clara Mayer

Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie Bildung, kaum eines mit so viel Kritik von allen Seiten betrachtet wie die schulische Erziehung unserer Kinder. Obwohl Bildung und Lernen sich keineswegs auf die zehn bis dreizehn Schuljahre beschränken, lässt es sich dennoch nicht leugnen, dass diese prägend und fundamental wichtig für unser Weltbild und Weltverständnis sind.

Meines Erachtens hat die Schule vorrangig ein Ziel: Uns zu helfen, mündige Bürger:innen zu werden, die die Welt um sich herum infrage stellen. Sie soll grundlegende Fähigkeiten vermitteln, die nützlich sind, um sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden. Selbstermächtigung ist das Ziel. Damit sage ich nicht, dass Faktenwissen nicht relevant ist. Ich für meinen Teil erinnere mich allerdings weniger an das Geburtsdatum Heinrichs des Großen und mehr an eine besonders hitzige Debatte im Politikunterricht über die Zukunft der Europäischen Union.

Demokratie beginnt auf dem Schulhof

Auch ich kann aber nicht behaupten, dass meine Bildung kritisch genug war. So wurde die deutsche Demokratie zwar ebenso wie die amerikanische und britische im Unterricht durchgenommen, im Gegensatz zu diesen aber nie kritisch beäugt. Genauso war die soziale Marktwirtschaft ein Thema, dass an die Tafel geklatscht wurde. Zum Mitschreiben, nicht zum Mitdenken. Egal wie Mensch zu Kapitalismus, sozialer Marktwirtschaft oder Teilen der deutschen Demokratie steht, es ist entscheidend sie auseinander zu nehmen, auf Fehler zu begutachten und kritisch zu hinterfragen. Auch wenn Mensch am Ende zu dem Schluss kommt, dass es an Systemen wie diesen keinen Makel gibt und alles im Status quo verharren kann, so ist dies zumindest eine fundierte Meinung, basierend auf Fakten und kein Resultat von Unwissen.

Die Klimakrise war eines dieser Themen, bei dem ich sagen kann, dass meine umfassende Schulbildung in voller Länge versagt hat. Klar wurde das Ozonloch besprochen. Natürlich waren Treibhauseffekt und CO2-Emissionen Thema. Doch die Zusammenhänge, die Bedeutung für das eigene Leben, die kritische Auseinandersetzung mit der postkolonialen Rolle Deutschlands in der Klimakrise wurden in keinster Weise bearbeitet. Stattdessen individuelle Konsumkritik und Fakten über CO2-Emissionen, die trocken und damals wenig relevant und unglaublich abgekoppelt von meiner Lebensrealität schienen. Dabei kann eine Mündigkeit der Schüler:innen nur dann entstehen, wenn sie über die sie betreffenden Krisen im Bilde sind. Die Klimakrise betrifft uns alle. Sie nicht in der Tiefe zu behandeln heißt, Schüler:innen die Eigenermächtigung vorzuenthalten.

Noch wichtiger aber, als eine tiefe inhaltliche Auseinandersetzung mit der Systematik der Klimakrise ist es, Schüler:innen einen Weg in die Partizipation zu zeigen. Demokratie fängt im Vorgarten an, und manchmal heißt der Vorgarten eben Schulhof. Bei einem Thema, so allumfassend und mächtig wie die Klimakrise, ist es häufig schwer den eigenen Platz, die persönliche Selbstermächtigung zu finden. Gerade weil diese Krise aber so groß und so allumfassend ist, muss früh und klein angefangen werden. Wenn Schüler:innen nicht in Ihrer eigenen Schule fundamental mitentscheiden, ökologische Themen anstoßen und ihre Anliegen verwirklichen können, wie sollen sie dann glauben, es einmal mit den großen Ungerechtigkeiten dieser Welt aufnehmen zu können?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Texte zu gendern. Die Autorin nutzt in diesem Text den Gender-Doppelpunkt. Dieser ist für Screenreader, auf den blinde Menschen angewiesen sind, besser lesbar.