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100 Jahre VolkshochschulePrekariat im Öffentlichen Auftrag

Bei den Volkshochschulen gibt es auch nach 100 Jahren keinen Grund zur Partystimmung.

10.01.2020

Das Abgeordnetenhaus von Berlin hat mit dem neuen Berliner Haushalt 2020/21 wegweisende Weichenstellungen versäumt. Die wichtigsten Versprechen im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag wurden nicht eingelöst. Die versprochenen festen Stellen sind in der Erwachsenenbildung bisher ausgeblieben. Ein Tarif- oder Rahmenvertrag für arbeitnehmerähnliche Honorarlehrkräfte ist ebenfalls nicht im Haushalt berücksichtigt. Darin sollten die geringfügigen sozialen Zusatz-Leistungen für nicht fest angestellte arbeitnehmerähnliche Lehrkräfte zügig neu geregelt werden und ab Herbst in Kraft treten. Dazu gehören Honorarfortzahlung an den ersten drei Krankheitstagen, Recht auf Bildungsurlaub, gesetzlicher Mutterschutz, faire Vertretungsregelungen für Pflege von kranken Familienangehörigen, Rückkehr von Teilzeit-Honorarkontingenten auf Vollzeit und andere. VHS-Honorarlehrkräfte bleiben damit auch zum 100-jährigen Jubiläum Prekariat im Öffentlichen Auftrag.

Auch die regulären VHS-Honoraranpassungen im Haushalt 20/21 ab Herbstsemester werden vom Senat nicht mehr gesichert, sondern auf die Bezirke und deren Prioritäten-Entscheidungen abgewälzt. Die Honorare pro Unterrichtsstunde sollten von 35 Euro in 2016 eigentlich auf mindestens 40 Euro in diesem Jahr tariflich angepasst werden. Im jüngsten Erwachsenenbildungsgesetzentwurf ist auch vorgesehen, die  notwendigen Honoraranpassungen für die Lehrkräfte in Zukunft nicht mehr an Entgelterhöhungen für die Lernwilligen zu koppeln. Daher lässt man nun die Honoraranpassungen, die der tariflichen Entwicklung im Öffentlichen Dienst entsprechen,  im Haushalt 20/21 einfach für die nächsten zwei Jahre einfach fallen. Die Einmalzahlungen für die untersten Einkommensgruppen und die monatliche „Berlin-Zulage“ im Öffentlichen Dienst wurden-  zur Vereinfachung? -  auch noch nicht einbezogen in die eigentlich anstehenden Anpassungen.

Die GEW engagiert sich im übrigen grundsätzlich für eine einheitliche Honorarzahlung für alle VHS-Honorar-Lehrkräfte in der Erwachsenenbildung, da angestellte Lehrkräfte an Schulen auch nicht nach Fachgebieten bezahlt werden. Erwachsenenbildung ist eine Zukunftsinvestition für das 21. Jahrhundert in jeder wachsenden Stadt. In vielen deutschen Großstädten gehen daher inzwischen VHS-Kursleitende auf die Straßen und demonstrieren für bessere menschenwürdige Lehr- und Lernbedingungen.

Die GEW fordert, für die nächsten 100 Jahre an den Volkshochschulen endlich bundesweit unbefristete Vollzeit- und Teilzeitstellen für Daueraufgaben zu schaffen.

Die Erwachsenenbildungsausgaben sollten  in allen Bundesländern auf wenigstens 1% des gesamten Bildungsbudgets aufgestockt werden.  

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