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SchuleSchule muss anders

Im Berliner Bildungssystem liegt einiges im Argen. Die neue Bewegung »Schule muss anders« ist ein breites gesellschaftliches Bündnis, das sich lautstark gegen diese Missstände organisiert.

14.07.2021 - von Philipp Dehne

Berlins Schulen sind überlastet. Beschäftigte sind überarbeitet, Schüler*innen gestresst und Eltern werden oft allein gelassen. Von echter Bildungsgerechtigkeit und guter, inklusiver Schule für alle Kinder und Jugendlichen sind wir weit entfernt. Dass vieles anders laufen sollte an Berliner Schulen, ist Konsens bei Lehrkräften, Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Eltern und Schüler*innen. Warum ändert sich dann so wenig? Die Kampagne »Schule muss anders« will auf diese Frage eine Antwort geben, indem sie diese unterschiedlichen, an guter, gerechter, inklusiver Schule interessierten Gruppen zusammenbringt und hinter einer schlagkräftigen Kampagne vereint.

Während der Corona-Pandemie ging es im letzten Schuljahr verständlicherweise viel um Luftfilter, Impfungen und Breitbandanschlüsse. Doch dahinter stecken die gleichen grundlegenden Fragen, die uns auch in den Jahren zuvor beschäftigt haben: Was brauchen Schüler*innen, um gut zu lernen und ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen zu können? Was brauchen Schulen, um alle Schüler*innen genau dabei zu unterstützen? Und wie schaffen wir ein Schulsystem, das die Bedürfnisse der Schüler*innen, aber auch der Beschäftigten ins Zentrum stellt und wirkliche Chancengleichheit schafft?

Auf diese Fragen findet Berlin seit Jahren keine überzeugenden Antworten. Es werden Löcher gestopft, anstatt grundlegende Veränderungen anzugehen. Schüler*innen, Eltern und Pädagog*innen werden viel zu oft allein gelassen. Es fehlen tausende Lehrkräfte, Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen an Berliner Schulen. Über 2.000 Jugendliche verlassen die Schule jährlich ohne Abschluss, noch mehr ohne Selbstvertrauen und mit Diskriminierungserfahrungen. Eltern sollen zuhause das auffangen, was die Schule nicht schafft. Und umgekehrt.

Dass etwas getan werden muss, ist klar. Auch über die Zielstellung, Schule von den Bedürfnissen der Schüler*innen her zu denken und was Schule dafür braucht, herrscht viel Einigkeit. Wieso wird das »Mangelsystem Schule« trotzdem weiter fortgeführt, obwohl so viele Menschen sich eine andere Schule wünschen? Darauf haben wir als Initiative eine einfache Antwort. Der öffentliche Druck auf die politischen Entscheidungsträger*innen in dieser Stadt ist nicht hoch genug. Und genau diesen Druck wollen wir mit einer einfachen, aber schlagkräftigen Idee und mit einem klaren Kampagnenplan erhöhen. Wir bringen all diejenigen zusammen, die von der Berliner Bildungsmisere betroffen sind und ein Interesse an guter, gerechter und inklusiver Bildung in Berlin haben: Eltern, Pädagog*innen (Lehrkräfte, Erzieher*innen, Sozial-arbeiter*innen) und Schüler*innen. Erstaunlich, aber dieser Ansatz wurde in den letzten über zehn Jahren in Berlin nicht erfolgreich genug umgesetzt. Gemeinsam haben wir die Chance, die Politik zu zwingen, unsere Anliegen anzuhören.

Unsere Forderungen sollen in den Koalitionsvertrag

Was genau fordert die Kampagne? Eine Kampagne muss allgemeinverständlich sein. Daher haben wir uns auf vier klare Forderungen geeinigt. Diese beziehen sich auf quantitative und qualitative Verbesserungen, mit denen der Grundstein für entscheidende Verbesserungen im Berliner Bildungssystem gelegt werden soll. Ziel der Kampagne ist, dass diese vier zentralen Forderungen im Koalitionsvertrag verankert werden, der nach den Wahlen zum Abgeordnetenhaus geschlossen wird. Wir fordern:


1. Mehr Zeit für Beziehungs- und Teamarbeit – Entlastung der Beschäftigten und weniger Druck für die Schüler*innen.

2. Teams aus unterschiedlichen Berufen an die Schulen – Schule muss sich öffnen und weitere Berufsgruppen wie Ergotherapeut*innen, pädagogische Unterrichtshilfen, Psycholog*innen oder Pflegefachkräfte müssen dauerhafter und fester Bestandteil des Kollegiums werden – je nach Bedarf der Schule.

3. Mehr Personal und mehr Ausbildungs- und Studienplätze – wir brauchen mehr Lehrkräfte, Sozialarbeiter*innen und Erzieher*innen. Wenn man notwendige personelle Verbesserungen mit einberechnet, muss Berlin jährlich 3.000 neue Lehrkräfte einstellen. Derzeit verlassen pro Jahr nur gut 900 die Berliner Unis. Bei Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen sieht es ähnlich aus.

4. Diskriminierung bekämpfen und Teilhabe garantieren – das Recht auf schulische Teilhabe, inklusive und diskriminierungsfreie Bildung muss ermöglicht und durchgesetzt werden. Dazu bedarf es einer unabhängigen und mit den notwenigen Ressourcen und Befugnissen ausgestatteten Beratungs- und Beschwerdestelle.

Die Kampagne »Schule muss anders« wurde von der Initiative Schule in Not, dem Berliner Bündnis für schulische Inklusion, in dem die GEW BERLIN aktiv ist, und den Berliner Bürgerplattformen ins Leben gerufen. Dass es bereits im Vorfeld der Kampagne einen Austausch zwischen den Initiativen und der GEW BERLIN gab und jetzt alle gemeinsam an einem Strang ziehen, ist ein gelungenes Beispiel für die Kooperation von Gewerkschaften und einer zivilgesellschaftlich angestoßenen Kampagne. Auch die Lehramtsinitiative Kreidestaub und viele weitere Einzelpersonen haben sich »Schule muss anders« angeschlossen. Die Kampagne ist und bleibt offen für alle, die jetzt und in Zukunft gemeinsam für bessere Bildungsvoraussetzungen in Berlin kämpfen wollen.

Unsere Überzeugung ist, dass wir jetzt aktiv werden müssen. Zum einen hat die Corona-Pandemie wie unter einem Brennglas die Probleme unseres Bildungssystems und die bestehende Bildungsungleichheit offengelegt. Außerdem hat die Pandemie gezeigt, dass Änderungen schneller möglich sind, als wir denken – wenn der politische Wille da ist! Zum anderen haben wir in diesem Jahr ein gutes Möglichkeitsfenster, um unsere Forderungen durchzusetzen. Am 26. September finden die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus statt. Bildung ist Ländersache. Im neuen Koalitionsvertrag werden die bildungspolitischen Leitlinien für die nächsten fünf Jahre festgeschrieben. 2022 sollen die neuen Hochschulverträge geschlossen werden, in denen unter anderem die Zahl der auszubildenden Lehramtsstudierenden festgelegt wird.

Schließt euch der Bewegung an

Wir haben jetzt die Möglichkeit, uns zu entscheiden: Entweder schauen wir weiter zu, wie die Berliner Bildungspolitik einfach Löcher stopft, und kämpfen uns auch in den nächsten fünf Jahren im Mangelsystem Schule ab. Oder wir schließen uns als Beschäftigte, Eltern und Schüler*innen zusammen und machen der Berliner Bildungspolitik gemeinsam klar: Unterstützt uns endlich so, wie wir es brauchen! Und legt diese Unterstützung verbindlich im Koalitionsvertrag fest!

Um den Druck zu erhöhen, wird während der Präsenztage an den Berliner Schulen eine Unterschriftensammlung bei den Beschäftigten starten. Die Unterschriften sollen gemeinsam in einer großen Aktion Mitte September übergeben werden.

In der Kampagne sind mittlerweile über 100 Menschen aktiv. Uns alle verbindet die Erfahrung eines ungerechten, überlasteten Berliner Bildungssystems sowie der Wunsch nach einem guten, gerechten und inklusiven Schulsystem und das Bewusstsein für die gesellschaftliche Bedeutung von Schule. Die Bildungsungerechtigkeit und das Mangelsystem verbauen Menschen Lebenswege, machen Menschen krank und vergrößern die Spaltung in unserer Gesellschaft. Das sind keine Bedingungen, unter denen wir dauerhaft gute Arbeit leisten können und alle jungen Menschen die Begleitung bekommen, die sie brauchen. Wir rufen dazu auf, sich der neuen Berliner Bildungsbewegung anzuschließen. Wenn nicht jetzt, wann dann?    

Wie kann ich mitmachen?

Unterschreib die Online-Petition zu unserer Kampagne und teile sie mit Freunden Link: Petition · Schule muss anders! Werde Teil der neuen Berliner Bildungskampagne · Change.org

Melde dich, am besten zum Schuljahresstart kurz vor den Präsenztagen, bei info(at)schule-muss-anders(dot)de oder unter 0151 47970251.  Dann bekommst du alle Infos und Materialien, damit auch deine Schule bei der Unterschriftensammlung mitmachen kann.

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Alle weiteren Infos, Termine für Treffen und Aktionen sowie den Kampagnen-Newsletter finden sich auf: schule-muss-anders.de