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Schulsozialarbeit macht stark

Sozialarbeiter*innen vervollständigen das Bildungsangebot der Schule und sind längst unverzichtbar geworden. Nicht nur an den Schulen, auch in unserer Gewerkschaft spielen sie eine wichtige Rolle.

07.12.2020 - von Doreen Siebernik

Die Corona-Krise führt uns erneut vor Augen, was die großen Herausforderungen von Schule als Bildungseinrichtung aber auch als Ort der sozialen Entwicklung der Schüler*innen sind. Schule soll in erster Linie da sein, um den Schüler*innen Wissen zu vermitteln. Doch ebenso bedeutend ist das soziale Miteinander, das soziale Lernen. In der Zeit des Lockdowns im Frühjahr haben Kinder und Familien gespürt, wie wichtig nicht nur das Lernen im Unterricht ist. Mindestens ebenso bedeutsam ist Schule als Ort der Begegnung miteinander, der Freundschaft und der Solidarität.

Bildungsangebote in der Schule dürfen sich nicht auf die Wissensvermittlung von Fakten und fachlichen Fähigkeiten beschränken, sie müssen auch die Sozial- und Lernkompetenzen aller Schüler*innen stärken. Zuweilen kann die Lern- und Leistungsbereitschaft von Schüler*innen beeinträchtigt sein, weil das Klima in der Klasse schlecht ist, Schüler*innen gemobbt werden, Liebeskummer haben oder Probleme in der Familie drücken. Ebenso wichtig ist es, soziale Unterschiede zu kennen und diesen aktiv zu begegnen. Hier ist ein Wirken aus der Schule heraus hinein in die Familien, Kieze und Stadtteile unabdingbar. Lehrkräfte allein haben es schwer, all dem gerecht zu werden. Denn das enge Korsett von Rahmenlehrplan und Leistungsbeurteilung lässt wenig Raum und Zeit, um den sozialen und individuellen Problemen der Schüler*innen umfassend zu begegnen und als Ansprechpartner*in zur Verfügung zu stehen. Das Problem verschärft sich enorm durch den massiven Personalmangel in unseren Schulen.

Schulsozialarbeit unterstützt erfolgreiches Lernen

Schulsozialarbeiter*innen professionalisieren eine Komponente der Schule, die viel mehr als bisher als Ressource für ein erfolgreiches Lernen und eine gelingende Entwicklung der Schüler*innen verstanden werden muss. Sie sind neutrale Vertrauenspersonen und Expert*innen für soziale Lebenszusammenhänge. Gut vernetzt mit Lehrkräften und Erzieher*innen wirken Schulsozialarbeiter*innen im schulischen Alltag und können durch den täglichen Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen wertvolle Unterstützer*innen im Prozess des Erwachsenwerdens sein. Diesen verlässlichen Rahmen braucht erfolgreiche Schulsozialarbeit. Starke multiprofessionelle Teams in guter Zusammenarbeit für die Schüler*innen erleben wir jedoch im schulischen Alltag zu wenig.

Schulsozialarbeit ist bisher kein selbstverständlicher Bestandteil unserer Schulen. Sie ist zumeist durch zeitlich begrenzte Projekte finanziert und an freie Träger der Jugendhilfe übertragen. Das hat oftmals befristete Arbeitsverträge sowie Teilzeitstellen zur Folge. Dazu kommt, dass der Arbeitgeber eben nicht die Schule beziehungsweise das Land Berlin ist. Das kann eine »Gastrolle« der Schulsozialarbeiter*innen in Schulen verstärken. Darüber hinaus stellen wir leider immer noch fest, dass die Beschäftigten in freier Trägerschaft im Durchschnitt weit von tariflichen Standards entfernt sind. 15 bis 20 Prozent Lohneinbußen gegenüber dem Tarifvertrag der Länder sind keine Seltenheit, gewählte Beschäftigtenvertretungen sind oft nicht existent, auch eine betriebliche Altersvorsorge gibt es nur selten.

Natürlich könnten die Träger mit den Gewerkschaften einen eigenen Tarifvertrag abschließen. Unsere Forderung nach »Tariflohn für alle« steht seit Jahren. Jedoch führt die Zersplitterung in die breite Trägerlandschaft in der freien Jugendhilfe zu einer Vereinzelung der Beschäftigten. Hier ist ein gewerkschaftlicher Austausch und eine gewerkschaftliche Organisation schwer. Deswegen sehen wir das Land Berlin in der Pflicht, durch eine entsprechende öffentliche Finanzierung wenigstens zu gewährleisten, dass ein tarifliches Entgelt auf dem Niveau des TV-L gezahlt werden kann und muss.

Die GEW ist mehr als die »Lehrer*innengewerkschaft«

In der GEW organisieren wir die Pädagog*innen aller Bildungsbereiche, und da gehören die Schulsozialarbeiter*innen dazu. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Gewerkschaft. Längst sind 30 Prozent unserer Mitglieder sozialpädagogische Fachkräfte. Wir waren einmal eine Lehrer*innenvereinigung, heute sind wir die Bildungsgewerkschaft mit mehr als 30.000 Mitgliedern allein in Berlin. Die GEW BERLIN bietet lebendige Strukturen zur Vernetzung. Die Fachgruppe Schulsozialarbeit ist eine starke Gruppe in der GEW.

Liebe Kolleg*innen in der Schulsozialarbeit, meldet euch, vernetzt euch, werdet aktiv. Das macht euch stark, macht uns stark!   

In der Fachgruppe Schulsozialarbeit organisieren sich Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen in der GEW BERLIN. Die Fachgruppe trifft sich regelmäßig im GEW-Haus in der Ahornstraße oder online.

Aktuelle Infos und Termine: www.gew-berlin.de/fachgruppen/fachgruppe-schulsozialarbeit