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blz 04-05 / 2010Unterrichtskompetenz für die Schulstrukturreform

Überlegungen zur notwendigen Weiterentwicklung der LehrerInnenfortbildung

01.04.2010 - Klaus Meißner, Lehrer und Diplom-Psychologe

Der Schweizer Pädagoge Fritz Oser hat 1997 mit seinen Publikationen »Standards in der Lehrerbildung« für die Neugestaltung der Lehrerbildung wesentliche Impulse gesetzt. Seine Veröffentlichungen haben auch in Deutschland die Diskussion über die Lehrerbildung forciert. Die KMK hat mit ihrem Beschluss vom 16. Dezember 2004 Standards für die universitäre Lehrerbildung im Bereich der Erziehungswissenschaften vorgelegt, KMK-Standards der Lehrerbildung für die Studienfächer und die entsprechenden Fachdidaktiken liegen bisher nicht vor.

Kompetenzdefizite der Berliner Lehrkräfte

Das schlechte Abschneiden der Bundesrepublik Deutschland bei den international vergleichenden Schulstudien hat dazu geführt, die Qualität von Schulen mit standardisierten Verfahren systematisch zu evaluieren und die Ergebnisse zu publizieren. In Berlin geschieht dies durch Schulinspektionen. Zur Durchführung wurden zusätzliche personelle Ressourcen in erheblichem Umfang zur Verfügung gestellt.
Die Schulinspektionen begannen im Schuljahr 2005/2006. Am Ende des Schuljahres 2007/2008 lagen die Inspektionsergebnisse von 342 Schulen vor. Zu jedem Schuljahr wurde ein Inspektionsbericht angefertigt. Durchgängig in allen Berichten wurden erhebliche Defizite im Lehrkräftehandeln zu folgenden Bereichen registriert:

  • Innere Differenzierung: »Die im Unterricht an die Schülerinnen und Schüler gestellten Anforderungen sind ... wenig individuell herausfordernd ... Eine durchgehende Förderung individueller Lernprozesse durch Maßnahmen innerer Differenzierung findet in jeder 10. Unterrichtsstunde statt.« (Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung (SenBWF), Schulinspektionen im Schuljahr 2007/2008, Berlin 2009, S.16).«
  • Selbstständiges Lernen: »Auch das selbstständige Lernen ist bisher wenig verbreitet. Nur selten geben die Lehrkräfte den Lernenden die Möglichkeit, selbstständig Lern- und Arbeitsprozesse zu gestalten.« (ebenda)
  • Kooperatives Verhalten: »Ähnlich schwach ausgeprägt ist der Anteil kooperativen Verhaltens der Schülerinnen und Schüler im Unterricht. Sie erhalten nur selten Gelegenheit, Arbeitsprozesse oder -ergebnisse kooperativ, d.h. in sinnvoll in den Lernprozess integrierten Partner- und Gruppenarbeitsphasen, auszutauschen. Dabei kommt auch die Kooperation unter den Schülerinnen und Schülern zu kurz, die nur selten gezielt gefordert und gefördert wird.« (ebenda)
  • Möglichkeiten, eigene Lösungen zu entwickeln, darzulegen und zu reflektieren: Teilweise werden ergebnisoffene Fragestellungen formuliert, »doch es fehlte in der Hälfte der Unterrichtssequenzen an der Förderung der Problemlösungskompetenz, der Erörterung unterschiedlicher Lösungsansätze und dem gezielten Einsatz von Fehleranalysen.« (SenBWF, Schulinspektionen im Schuljahr 2005/2006, 2007, S.23)

Situation der Fortbildung in Berlin

Zur Professionalisierung des unterrichtlichen Handelns von Lehrkräften sind intensive Fortbildungsmaßnahmen erforderlich. Erst jüngst hat Baumert darauf hingewiesen, dass vor allem die fachdidaktischen Kompetenzen der Haupt- und RealschullehrerInnen unzureichend seien (vgl. Der Tagesspiegel vom 8. 3. 2010, S.25).

Bis zum Jahre 2006 wurde die Lehrerfortbildung in Berlin vom LISUM organisiert, danach von der Senatsbildungsverwaltung verantwortet, neu organisiert und koordiniert. Kern der neuen Konzeption ist die Regionalisierung der Fortbildung. Wesentliche Träger der Lehrerfortbildung sind die MultiplikatorInnen für die Unterrichtsfächer, für überfachliche Unterrichtsentwicklung und für Schulentwicklung, die alle am LISUM Berlin-Brandenburg qualifiziert werden. Sie organisieren Lehrerfortbildungsveranstaltungen, führen aber auch selbst welche durch. Sie haben darüber hinaus die Aufgabe, regelmäßig Regionalkonferenzen einzuberufen und zu leiten, zu denen jede Schule eine VertreterIn verpflichtend zu entsenden hat. Die MultiplikatorInnen beklagen hier die viel zu geringe administrative Unterstützung bei der Organisation und Realisierung ihrer Fortbildungsaktivitäten sowie die zeitlich unangemessene Überbeanspruchung (vgl. die Beiträge in dieser blz).

Notwendigkeit zur Umsteuerung

Die Regionalisierung der Lehrerfortbildung hat offenbar nicht zur signifikanten Qualitätssteigerung geführt. Das Angebot der Berliner Lehrerfortbildung gleicht noch immer – trotz anderslautender offizieller Aussagen – dem eines Warenhauskatalogs – von jedem ein bisschen –, obwohl eine klare Profilierung erforderlich wäre (SenBWF (2009: Regionale Fortbildungen, www.fortbildung-regional.de). Sie sollte sich an den aus den Inspektionsberichten ersichtlichen Kompetenzdefiziten der Lehrkräfte und an der Weiterentwicklung von Kompetenzen, die zur Förderung von Innovationen in der Schule unerlässlich sind, orientieren.

Die Konzentration der Lehrerfortbildung auf bildungspolitisch relevante Inhalte ist jedoch nur eine Maßnahme zur Effizienzsteigerung von Lehrerfortbildung. Ergänzend dazu ist eine Evaluation der Wirksamkeit von Lehrerfortbildung dringend erforderlich. Indikator, an dem der Erfolg von Lehrerfortbildung gemessen wird, ist bisher vor allem die Menge der Fortbildungsplätze, wie in Erhard Laubes Vorwort zum Angebot der regionalen Fortbildung für das Schuljahr 2009/2010 nachzulesen (ebenda). Eine Aussage über die Qualität der einzelnen Fortbildungsangebote ist das nicht. Häufig wird am Ende einer Veranstaltung die Zufriedenheit der TeilnehmerInnen erhoben, jedoch lassen sich auch aus diesen Daten keine objektiven Rückschlüsse auf den Lernerfolg ableiten. Selbst Angaben von TeilnehmerInnen, sie hätten viel und Nützliches gelernt, erlauben als Selbsteinschätzung keine verlässliche Aussage über den tatsächlichen Lernerfolg.

Überprüfung der Wirksamkeit

Die Evaluation von Lehrerfortbildungsmaßnahmen findet in der Alltagspraxis also faktisch nicht statt. Dabei liegen dafür durchaus Konzeptionen vor. Knaut/Mogler beschreiben beispielsweise ein 5-Stufen-Modell von Phillips und Schirmer, nachdem die Wirksamkeit von Lehrerfortbildung systematisch erfasst werden kann. (Knaut, G., Mogler, J. (2007), Ergebnisorientierung in der Lehrerfortbildung. In: DVLfB (Hrsg.), Forum Lehrerfortbildung. H.41, S. 20-28). Demnach können zu folgenden fünf Bereichen Informationen erhoben werden.

  • Zufriedenheit: Hier geht es darum, die Reaktionen der TeilnehmerInnen auf die Fortbildungsveranstaltung zu ermitteln.
  • Lernerfolg: Es werden Daten erhoben, die darüber Aufschluss geben, in welchem Ausmaß die Teilnehmenden die intendierten Ziele erreicht haben.
  • Anwendung des Gelernten: Im Abstand von etwa drei bis sechs Monaten nach der Fortbildung wird geprüft, ob die neu erworbenen Kompetenzen in berufliches Alltagshandeln umgesetzt werden; denn neue Erkenntnisse führen nicht zwangsläufig auch zu einem professionellen Unterrichtshandeln.
  • Steigerung der Qualitätsstandards der Schule: Letztlich soll Lehrerfortbildung die Leistungsfähigkeit der Schule stärken. Ob Lehrerfortbildung das tatsächlich leistet, kann aus vielfältigen Indikatoren abgeleitet werden.
  • Wirtschaftlichkeit: Zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit wird der Frage nachgegangen, ob der Aufwand für die Fortbildung in einem angemessenen Verhältnis zum Ertrag der Fortbildung steht.

Eine Evaluation der Lehrerfortbildung, die regelmäßig gleichzeitig auf allen fünf Stufen erfolgt, ist nicht leistbar. Die bildungspolitisch Verantwortlichen müssen deshalb die Schwerpunkte der Evaluation festlegen; sie müssen entscheiden, über welche Bereiche sie Informationen benötigen, um in die Fortbildungsprozesse rational steuernd eingreifen zu können. Eines aber ist völlig unakzeptabel: Auf die Wirksamkeitsprüfung von Lehrerfortbildung weiterhin total zu verzichten!

Qualifizierungsmaßnahmen für die Sekundarschule

Mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 beginnt mit Klasse 7 der Unterricht in den neu geschaffenen Integrierten Sekundarschulen. Die Arbeit in den Integrierten Sekundarschulen erfordert bei Schulleitungen und LehrerInnen Kompetenzen, die sie bisher meistens wenig oder gar nicht entwickelt haben. Es sind vor allem vier Schwerpunkte, auf die sich die neuen Anforderungen konzentrieren:

  • Die heterogene Schülerschaft der Integrierten Sekundarschule erfordert im Unterricht Differenzierung, individuelles Lernen und neue Formen der Leistungsbewertung.
  • Die Integrierte Sekundarschule ermöglicht allen SchülerInnen duales Lernen.
  • Die Integrierte Sekundarschule ist Ganztagsschule mit unterschiedlichen Organisationsformen (gebunden, teilgebunden, offen).
  • Die Integrierte Sekundarschule kooperiert mit beruflichen Schulen.

Zur Qualifizierung der künftigen Schulleitungen und der Lehrkräfte der 7. Klassen an den Integrierten Sekundarschulen hat das LISUM ein Programm konzipiert, das sich an folgende Adressaten richtet: Schulleitungen, MultiplikatorInnen für Schulentwicklung, Steuergruppenmitglieder und MultiplikatorInnen für die Fächer. Während die Qualifizierung der Schulleitungen und Steuergruppen durch das LISUM direkt vorgenommen wird, erfolgt die Qualifizierung der Lehrkräfte durch die MultiplikatorInnen über didaktische Werkstätten, Workshops und Fachkonferenzen. Die Qualifizierungsmaßnahmen sind bei den einzelnen Adressatengruppen auf einem unterschiedlichen Stand.

  • Basisqualifikation für Schulleitungen der Integrierten Sekundarschule: Das Konzept sieht vor, die Schulleitungen für die Bewältigung der veränderten inhaltlichen, strukturellen und organisatorischen Aufgaben der Integrierten Sekundarschule zu qualifizieren durch Bearbeitung der Bereiche Change Management und pädagogische Innovationen. Bis Mitte April werden alle angemeldeten SchulleiterInnen und StellvertreterInnen die 60-Stunden-Reihe absolviert haben, die in Gruppen von 20 TeilnehmerInnen paritätisch von einer Referentin des LISUM und einem externen Trainer durchgeführt wird. Eine Beschreibung von messbaren Zielsetzungen liegt nicht vor. Das Feedback der TeilnehmerInnen über die Veranstaltungen mit Hilfe von Rückmeldebögen war bei allen nachgefragten Bereichen außerordentlich positiv. Die Reihe soll fortgesetzt werden.

Die Qualifizierung der MultiplikatorInnen für Schulentwicklung erfolgt zu unterschiedlichen Schwerpunkten.

  • Qualifizierung und Begleitung von MultiplikatorInnen für Schulentwicklung zur Prozessbegleitung einzelner Schulen: 22 Personen mit langjähriger Erfahrung in der Prozessbegleitung der Schulprogrammentwicklung oder mit abgeschlossener zertifizierter Qualifizierung für Prozessberatung werden in der Modulreihe Integrierte Sekundarschulen: »Prozessbegleitung« fortgebildet. Das Schulungsprogramm umfasst einen ganztägigen Termin und vier zweitägige Termine; es hat am 30. Oktober 2009 begonnen und endet am 17. April 2010. Geleitet werden die Veranstaltungen wieder von einem Zweierteam, bestehend aus einer Referentin des LISUM und einem externen Trainer. Ergänzend werden Termine für Intervisionen angeboten.
  • Qualifizierung von Steuergruppenmitgliedern/Schul-teams mit dem Schwerpunkt Steuerungskompetenz: Das Qualifizierungsangebot richtet sich an einzelne Schulteams/Steuergruppenmitglieder künftiger Integrierter Sekundarschulen mit jeweils 3 bis 4 TeilnehmerInnen pro Schule. Die Qualifizierung erfolgt in mehreren ganztägigen Veranstaltungen, die von einem Zweierteam, bestehend aus zwei Referentinnen des LISUM, durchgeführt werden. Insgesamt werden rund 60 Personen aus 22 Schulen an den konkreten Umsetzungsfeldern ihrer Schulen geschult. Die Reaktion der TeilnehmerInnen ist sehr positiv.
  • Qualifizierung von MultiplikatorInnen für überfachliche Unterrichtsentwicklung mit dem Schwerpunkt »Unterricht in den künftigen 7. Klassen der Integrierten Sekundarschule«: Die Qualifizierungsreihe umfasst sechs eintägige Veranstaltungen, in denen 22 MultiplikatorInnen geschult werden. Sie wird von einer Referentin des LISUM und wechselnden externen Experten durchgeführt.

Für alle Qualifizierungsveranstaltungen liegen Tagespläne vor, in denen die Themen und inhaltlichen Schwerpunkte, teilweise auch die verwendeten Materialien aufgeführt werden. Häufig werden zum Abschluss einer Veranstaltung Evaluationsbögen eingesetzt oder Feedbackrunden mit unterschiedlichen Methoden durchgeführt. Über die Qualifizierung der Schulleitungen liegt ein vom LISUM verfasster Zwischenstandsbericht vor, den alle SchulrätInnen sowie die Senatsbildungsverwaltung erhalten haben.

  • Qualifizierung der MultiplikatorInnen für die Fächer: Die bisherigen MultiplikatorInnen für die Fächer verfügen zum großen Teil nur über Erfahrungen aus dem Unterricht an Gymnasien, die für die Arbeit an der Integrierten Sekundarschule nur bedingt von Wert sind. Deshalb war es erforderlich, vor allem aus Haupt- und Gesamtschulen neue MultiplikatorInnen zu rekrutieren, deren Berufserfahrungen für die Integrierte Sekundarschule besser genutzt werden können. Für die Qualifizierung der FachmultiplikatorInnen sind im Schuljahr 2009/2010 zwei zweitägige Veranstaltungen vorgesehen.
  • Qualifizierungsangebote der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung: Ergänzend zum Angebot des LISUM für FachmultiplikatorInnen hat die Senatsbildungsverwaltung kurzfristig eineinhalbtägige Grundlagenworkshops für FachmultiplikatorInnen mit dem Schwerpunkt »Individuelles Lernen« organisiert. So soll sicher gestellt werden, dass alle Regionen anschließend für die zukünftigen Integrierten Sekundarschulen solche Workshops anbieten können. Die erste Veranstaltung am 4./5. Dezember 2009 hatte 50 TeilnehmerInnen; eine zweite regionale Veranstaltung fand am 22./23. Januar 2010 statt und war an SchulentwicklungsberaterInnen und FachmultiplikatorInnen aus Friedrichshain-Kreuzberg gerichtet. Sie hatte vor allem das Ziel, die auf dem ersten Workshop gewonnenen Erkenntnisse in der Region zu vertiefen und eigene Fortbildungsmodule für die Region zu entwickeln. Ein dritter Workshop fand im Februar 2010 für alle FachmultiplikatorInnen statt, die am ersten Workshop nicht teilnehmen konnten. Weitere regionale Veranstaltungen sind geplant. Die Veranstaltungen werden von einem Zweierteam geleitet, bestehend aus zwei MitarbeiterInnen der Senatsbildungsverwaltung, die auch zum Qualifizierungsteam für die Gemeinschaftsschulen gehören. Der Workshop wurde ursprünglich von Annemarie von der Groeben und Ingrid Kayser im Projekt »Reformzeit« entwickelt und danach dem Qualifizierungsteam der Berliner Gemeinschaftsschulen als Fortbildungsinstrument zur Verfügung gestellt. In der Programmplanung sind die Ziele des Workshops, die Arbeitsschwerpunkte, die Arbeitsformen und die Arbeitsmaterialien angegeben, die im Workshop benutzt werden. Die Arbeitsmaterialien beziehen sich auf verschiedene Aspekte des individuellen Lernens und sind bei der Qualifizierung von Lehrkräften für ihre Tätigkeit in der Gemeinschaftsschule bereits erprobt worden. Wie aus den Feedbackbögen und den frei formulierten Äußerungen der TeilnehmerInnen hervorgeht, sind die Workshops außerordentlich positiv bewertet worden. Dies betrifft alle Bereiche der Veranstaltung: didaktische Organisation, Arbeitsmaterialien, Umfang und Verständlichkeit der Informationen, Nützlichkeit für die Berufspraxis, Niveau der Gruppenarbeit, allgemeine Zufriedenheit, produktiver Gedankenaustausch, Arbeitsatmosphäre, Beköstigung.

Zumindest bei der überwiegenden Mehrheit der Fortbildungsveranstaltungen, die zur Qualifizierung des pädagogischen Personals für die Arbeit in der Integrierten Sekundarschule durchgeführt werden, wird die Wirksamkeit der Fortbildung auf der Ebene der Zufriedenheit der TeilnehmerInnen evaluiert. Im günstigen Fall bewirken die Evaluationsergebnisse bei allen Beteiligten positive Gefühle – den Erfolg der Integrierten Sekundarschule sichern sie noch lange nicht. Entscheidend dafür ist der Kompetenzzuwachs von MultiplikatorInnen und Schulleitungen, ihre Fähigkeit, den künftigen Lehrkräften in den Integrierten Sekundarschulen die notwendigen neuen Qualifikationen zu vermitteln und die Bereitschaft der Lehrkräfte, diese im Unterricht auch einzusetzen. Dabei kann viel misslingen. Nur wer mögliche Misserfolge – und vor allem ihre Ursachen – früh erkennt, kann rechtzeitig gegensteuern und das Projekt Integrierte Sekundarschule zum Erfolg führen. Deshalb ist eine begleitende Evaluation der Fortbildungsmaßnahmen, die über die Stufe der Zufriedenheit hinausgeht, unerlässlich.

Impulse für eine mehrstufige Evaluierung

Zur Umsetzung dieses Vorhabens müsste zunächst ein Katalog messbarer Ziele erstellt werden. Weitere Überlegungen gelten der Finanzierung. Hier bietet sich an, die Schulinspektion nicht weiter mit dem bisherigen Aufwand zu betreiben; um Veränderungen in der Berliner Schule festzustellen, reichen Stichproben-Inspektionen.

Für die Zukunft der Berliner Schule muss das Gelingen der Integrierten Sekundarschule Priorität genießen, daher sollte man dazu übergehen, die Formulierung von Prüfungsaufgaben – dieser Etat macht momentan rund 50 Prozent der Abordnungsstellen des LISUM aus – wesentlich preiswerter durch Werkvertragsvergabe zu realisieren. Durch diese Lösung würden beachtliche Ressourcen freigesetzt, die sinnvoll für die oben beschriebenen Aufgaben zum Gelingen der Integrierten Sekundarschule eingesetzt werden können.

Die Integrierte Sekundarschule nimmt im Sommer 2010 ihre Arbeit auf. Eine begleitende Qualifizierung des pädagogischen Personals ist auch in den nächsten Jahren unerlässlich. Es wäre bildungspolitisch vernünftig, die Wirksamkeit der Qualifizierung mit Nachdruck zu evaluieren. Das hätte nicht nur den Vorteil, die Entwicklung der neuen Schulform nachhaltig positiv zu beeinflussen, sondern gäbe der Lehrerfortbildung generell neue Impulse. Die Lehrerfortbildung gewänne damit Anschluss an die Diskussion über Bildungsstandards in der Lehrerbildung, der schon seit Langem überfällig ist. 

 


 

Klaus Meißner ist Lehrer und Diplom-Psychologe und tätig als Professor für Grundschulpädagogik an der Universität der Künste. Von 1971 bis 2009 war er Referent am LISUM. Er leitet seit 1977 die Diesterweg Hochschule, war Mitglied der blz-Redaktion (1977-1985) und im Referat D (1974-1980).