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HistorieVor den Toren Berlins

Im Januar-Schwerpunkt hat die bbz Gedenkorte an den Nationalsozialismus vorgestellt. Mit der Gedenkstätte Sachsenhausen führen wir die Reihe fort.

 

16.03.2020 - von Katja Anders und Martin Schellenberg

Im Sommer 1936 errichtete die Schutzstaffel (SS) das Konzentrationslager Sachsenhausen in unmittelbarer Nähe Berlins. Mehr als 200.000 Menschen aus 40 Nationen wurden hier bis 1945 inhaftiert. Sie waren politische und weltanschauliche Gegner*innen des NS-Regimes, rassistisch und antisemitisch Verfolgte und Bürger*innen der besetzten Staaten Europas. Die Häftlinge wurden im Lager sowie in verschiedenen Strafkommandos zur Arbeit gezwungen. Ab 1942 mussten sie in mehr als 100 Außenkommandos und -lagern arbeiten, unter anderem bei Berliner Betrieben wie AEG und Siemens. Zehntausende Häftlinge des KZ Sachsenhausen kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen um oder wurden Opfer von systematischen Vernichtungsaktionen der SS sowie der »Todesmärsche« im Rahmen der Räumung des Lagers. Im April 1945 wurden im Lager zurückgelassene Häftlinge von russischen und polnischen Soldaten befreit.

Im August 1945 verlegte der sowjetische Geheimdienst NKWD im Zusammenhang mit der alliierten Besatzungs- und Entnazifizierungspolitik das Speziallager Nr. 7 in den Kernbereich des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen. Zu den Inhaftierten gehörten untere und mittlere NS-Funktionär*innen, Wehrmachtsoffiziere, Angehörige von SS, Gestapo oder KZ-Wachmannschaften sowie sowjetische Bürger-*innen und Soldaten, politisch Missliebige und willkürlich Verhaftete. Bis 1950 starben 12.000 der insgesamt 60.000 Häftlinge an Hunger und Krankheiten.

Nach militärischer Nutzung des Geländes wurde 1961 die »Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen« eröffnet. Nach dem Ende der DDR wurden die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen neugestaltet. Mit zahlreichen Ausstellungen in den zumeist original erhaltenen Gebäuden macht sie die Geschichte am historischen Ort erfahrbar.

Das pädagogische Angebot der Gedenkstätte Sachsenhausen für Schüler*innen ab 14 Jahren umfasst ein Spektrum von zweistündigen allgemeinen oder thematischen Führungen in zahlreichen Sprachen über aktivierende Workshops, Studientage und Mehrtagesseminare bis hin zur Begleitung von Gedenkveranstaltungen oder Jugendaustauschprojekten.

Bei Studientagen kann ein methodischer oder ein thematischer Schwerpunkt gewählt werden. Im Rahmen eines Studientags mit Fundstücken oder mit Häftlingszeichnungen erschließen sich Schüler*innen zum Beispiel den Alltag der Häftlinge des KZ Sachsenhausen kompetenzorientiert durch die Beschäftigung mit konkreten Quellen. Der Studientag »Die Stadt und das Lager« beleuchtet die Beziehungen zwischen Oranienburg und dem Konzentrationslager Sachsenhausen. Die Nachkriegsgeschichte wird im Studientag zum Sowjetischen Speziallager Sachsenhausen vertieft. In einem Zusatzmodul zu Fragen des Erinnerns und Gedenkens können allgemeine Fragen eines Gedenkstättenbesuchs gemeinsam erarbeitet werden.

In der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Haus Szczypiorski in unmittelbarer Nähe der Gedenkstätte können Gruppen Mehrtagesseminare und Projektwochen durchführen. Kunst-, kultur- und medienpädagogische Methoden wie Fotografie, Podcasts, Weblogs oder Theater ermöglichen eine kreative Auseinandersetzung mit individuellen Eindrücken und Fragen der Teilnehmenden. Die Gedenkstätte betreut auch bi- und multinationale Jugendbegegnungen mit historischen Schwerpunkten. Alle Seminare werden individuell mit den Gruppen auf ihre Interessen abgestimmt.

Darüber hinaus begleitet die Gedenkstätte Sachsenhausen Schüler*innen bei lokalen Rechercheprojekten zum KZ Sachsenhausen oder seinen Außenlagern sowie bei Abschlussarbeiten wie der fünften Prüfungskomponente im Abitur. Die Gedenkstätte führt regelmäßig Fortbildungen für Lehrkräfte durch, auch für Fachbereiche oder Kollegien einzelner Schulen.     

Kontakt über besucherdienst(at)gedenkstaette-sachsenhausen(dot)de und mehr Informationen unter: www.sachsenhausen-sbg.de/bildungsangebote

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