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bbz 12 / 2019Wer spielt mit mir?

Theater als Mittel gewerkschaftlichen Kampfes entdecken

05.12.2019 - Thomas Kaepernick

Und wenn es Unterdrückung gibt, dann besteht auch die Notwendigkeit eines ‚Theater der Unterdrückten‘ – und das meint: eines ‚Theater der Befreiung‘«, das schreibt Augusto Boal, der »Erfinder« dieses Theaters. Ich wünsche mir ein solches Theater als Mittel gewerkschaftlichen Kampfes, als Möglichkeit zu solidarisieren und die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Und ich möchte dort mitmachen.

Elternsprechtag an der Grundschule. Die ersten Eltern kommen zu ihren Terminen. Plötzlich ist Unruhe auf dem Schulhof. Ein Mann stellt einen Tisch auf, packt Unterlagen aus. Einige Eltern kennen ihn und grüßen etwas verwundert. Der Mann fängt an, in seinen Unterlagen zu arbeiten. Eine Frau kommt auf ihn zu und fragt, was er da mache. »Ich habe als Klassenlehrer etliches zu erledigen und bin bis jetzt nicht richtig an die frische Luft gekommen. Da erledige ich nun einigen Kram hier, bis die Eltern kommen, die können dann gleich mit mir hier sprechen. Dann habe ich frische Luft und schaffe meine Arbeit.« Eine andere Frau ruft, wenn der Lehrer so viel zu tun habe, müsse doch der Schulleiter helfen und die Aufgaben anders verteilen. Zustimmendes Gemurmel der Umstehenden. Ein Mann schlägt vor, vielleicht könne er die Elterngespräche mit Bewegung verbinden. Lachen ist zu hören, weitere Vorschläge werden gerufen. Elterngespräche anders.

Sprechstunde auf dem Schulhof

Das Beispiel ist ausgedacht. Aber so oder so ähnlich könnte sich Theater der Unterdrückten ereignen. Es kommt mit wenigen »eigentlichen« Akteur*innen aus und macht Zuschauer*innen zu Akteur*innen, gibt ihnen eine Plattform, sich mit dem Thema konkret auseinanderzusetzen. Ich möchte ausprobieren, wie Theater der Unterdrückten heute funktioniert. Dabei habe ich null Ahnung vom Theaterspielen, möchte es lernen, gerade auch in dieser Form. Vielleicht finde ich Menschen, die (professionelle) Erfahrung mit Theaterspielen haben. Wer ist bereit, das Experiment mit zu starten?

Bei einem ersten Treffen am 21. Januar 2020 um 18 Uhr im Raum 501/502 in der Ahornstraße können wir uns zunächst austauschen über Wissen, Wünschen, Wollen.

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